
Bereits am Donnerstag waren bei einem russischen Luftangriff auf das Zentrum der ostukrainischen Bergarbeiterstadt Pawlohrad fünf Menschen getötet und mindestens 67 weitere verletzt worden, darunter drei Jugendliche im Alter von 13, 14 und 15 Jahren. Auf Handyvideos ist zu sehen, wie am Nachmittag zwei Geschosse, mutmaßlich Drohnen, kurz nacheinander in unmittelbarer Nähe eines frequentierten Einkaufszentrums einschlugen. Diese „Doppelschlagstrategie“ nutzt Russland gezielt, um auch zur Hilfe eilende Personen zu treffen und so die Zahl der Opfer zu erhöhen.
1,5 Tonnen Sprengstoff auf Wohnhäuser
Pawlohrad liegt im Gebiet Dnipropetrowsk rund 75 Kilometer von der Front entfernt. Die Stadt galt bisher als ein Zufluchtsort für Menschen, die wegen der Kämpfe ihre Städte und Dörfer weiter östlich verlassen mussten. Seit dem Sommer greift Russland auch Pawlohrad stärker an. So ließ Moskau zuletzt Gleitbomben auf die Stadt abwerfen, die mit Sprengköpfen von bis zu anderthalb Tonnen ausgestattet sind und ganze Wohnblöcke in Schutt und Asche legen. Zudem verstärkt Russland seine Angriffe auf Lebensmittellager und Einkaufszentren im gesamten Land.
„Russland greift systematisch Orte an, an denen es weiß, dass Menschen ihre Freizeit verbringen“, sagte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha. Es sei die klare Absicht Moskaus, die Opferzahlen zu maximieren, um Angst und Druck auf die Gesellschaft auszuüben und die Ukraine so zu Zugeständnissen zu zwingen. Russland sei aber nur deshalb in der Lage, auf diese Weise Terror zu verbreiten, weil es weiter Einnahmemöglichkeiten durch Energieexporte und Zugang zu ausländischen Komponenten und Geld habe, sagte Sybiha.
„Die Welt sieht, was Russland tut“, schrieb er ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram. Er erklärte, dass „zusätzliche Unterstützungspakete“ inklusive Flugabwehr für die Ukraine verabredet seien. Bisher hatte Russland Tankstellen vor allem in Frontnähe zerstört. Seit einiger Zeit weitet es diese Angriffe auf die Nord- und Zentralukraine aus.
