Die Stadt Nidda will den Vertrag mit dem Therme-Investor Interspa kündigen. Der Magistrat hat einen entsprechenden Beschluss gefasst. Die in Stuttgart ansässige Interspa-Gruppe sollte in Bad Salzhausen die neue Liebig-Therme hochziehen und hat zu diesem Zweck schon den Altbau weitgehend abgerissen. Ein großes Bauschild vor den Überresten des Bades weist noch immer auf das Vorhaben hin, an gleicher Stelle ein Hotel zu errichten. Die Rede war von Investitionen in Höhe von rund 42 Millionen Euro. 16 Millionen Euro davon sollten auf das Hotel entfallen. Die Stadt hatte die alte Liebig-Therme im Herbst 2022 wegen viel zu hoher Energiekosten stillgelegt.
Die Interspa äußerte sich noch nicht zu dem Magistratsbeschluss. Projektentwickler Rupert Atzberger kündigte eine Stellungnahme für die nächste Woche an. Er bekundete sein Bedauern über die Kehrtwende in Nidda, zumal das Unternehmen dort schon eine Menge ausgegeben habe.
Planung für Liebig-Therme und Hotel hängt seit Monaten fest
Dem Votum des Magistrats ging ein monatelanger Stillstand in den Planungen voraus. Interspa und die Bauaufsicht in Büdingen kamen nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Atzberger hatte der F.A.Z. im Winter gesagt, das Bauvorhaben sei noch im Genehmigungsverfahren. Ohne die Baugenehmigung ruhten die Arbeiten auf der Baustelle. „Es dauert so lange, wie es dauert“, sagte Atzberger und fügte hinzu: „Das hängt nicht von uns ab.“ Die Bauaufsicht beim Wetteraukreis trat daraufhin dem Eindruck entgegen, sie verzögere das Genehmigungsverfahren. Vielmehr seien die von Interspa im Juli vergangenen Jahres abgegebenen Unterlagen unvollständig gewesen. Der Fachdienst Bauordnung habe sie daher weder prüfen noch genehmigen können. Dies habe die Bauaufsicht dem Bauherrn auch mehrfach mitgeteilt.
Dabei ging es nach Angaben des Kreises um die statische Berechnung, das Brandschutzkonzept, einschließlich Angaben zur technischen Lüftungsanlage, die Berechnung der Stellplätze „und zahlreiche weitere Punkte“. Diese Unterlagen habe der Bauherr aber nicht nachgereicht. Auch die Untere Wasserbehörde, die Untere Denkmalschutzbehörde und die Untere Naturschutzbehörde hätten noch Fragen gehabt, hieß es seinerzeit aus dem Kreishaus. Interspa zog daraufhin den Bauantrag zurück, zumal der Kreis gemäß seiner Gebührensatzung auf der Zahlung einer beträchtlichen Summe bestand. Ersatzweise schob der Investor eine Bauvoranfrage nach, die ebenfalls kostenpflichtig war. Sie brachte aber keinen Fortschritt im Verfahren.
Zu diesem Zeitpunkt war schon absehbar: Bis zum Beginn der Landesgartenschau Oberhessen im April 2027 wird die Therme nebst Hotel aufgrund der Verzögerungen nicht fertig werden. Dies sagte Atzberger der F.A.Z. auch freimütig. Bei der Präsentation des Vorhabens im November 2024 hatte sich Interspa noch zuversichtlich geäußert. Atzberger bezeichnete im Bürgerhaus Nidda den Zeitplan als ehrgeizig, aber machbar. Demnach rechnete das Unternehmen nach der Zustimmung der Stadtverordneten zu der geplanten öffentlich-privaten Partnerschaft im Januar mit der Baugenehmigung und dem Baubeginn im Mai 2025. Laufe alles wie gedacht, könnte die neue Anlage im November 2026 fertig sein.

„Der Magistrat hat diese Entscheidung getroffen, nachdem die im Grundstückskaufvertrag vorgesehenen Voraussetzungen nicht fristgerecht eingetreten waren und sich auch mittelfristig keine tragfähige Lösung abzeichnete, die ohne eine weitere Kostenbeteiligung der Stadt umgesetzt werden könnte“, teilt die Stadt nun mit. Die Stadtverordnetenversammlung hat die abschließende Entscheidung in der Hand.
Stadt Nidda verweist auf verstrichene Fristen zu Liebig-Therme
Der Vertrag mit dem Investor habe unter anderem vorgesehen, dass innerhalb von neun Monaten nach der Beurkundung eine Baugenehmigung erteilt werde. Die vertragliche Frist endete laut Stadt am 5. März. „Die Stadt Nidda hat das Vorhaben über einen langen Zeitraum konstruktiv begleitet und die notwendigen kommunalen Entscheidungen verantwortungsvoll vorbereitet“, erklärte Bürgermeister Thorsten Eberhard (CDU). Gleichzeitig sei man verpflichtet, die vertraglichen Grundlagen einzuhalten und die Interessen der Stadt, ihrer Bürger sowie des Kurstandorts Bad Salzhausen zu wahren.
Den von Interspa begonnenen Abriss der alten Therme werde die Stadt nun weiterverfolgen. Bis zur Landesgartenschau im nächsten Jahr werde ein entsprechender Sichtschutz dafür sorgen, dass von der Baustelle so wenig wie möglich zu sehen sein werde. Die Stadt bleibe dem Ziel verpflichtet, Bad Salzhausen als Gesundheits-, Kur- und Erholungsstandort nachhaltig weiterzuentwickeln. Eberhard sagte, er glaube nach wie vor an das Potential des Orts. Dessen Kurpark wird gerade für die Landesgartenschau umgebaut und aufgewertet. Das Kurhaushotel wird seit einigen Wochen von neuen Betreibern geführt, die künftig auch die dort aus dem Boden sprudelnden Heilwässer anbieten wollen.
