Weithin sichtbar erhebt sich Homberg über dem weiten Becken der Ohm. Auf einer Basaltkuppe der nordwestlichen Vogelsbergausläufer liegend, verleihen ihm die schlossartige Burg sowie die asymmetrische Kirchensilhouette ein unverwechselbares Gepräge. Zahlreiche, fein herausgeputzte Fachwerkhäuser vervollständigen das Bild einer Gemeinde, die allen machtpolitischen und klimatischen Widrigkeiten trotzte.
Als Wachtposten bot sich der Vulkankegel schon immer an. Unter den Saliern schon 1065 genannt (Hohunburch), aber weitaus älter, bauten die Landgrafen von Hessen den verkehrsgünstigen Stützpunkt gegen das im Raum Amöneburg sitzende Erzbistum Mainz aus und erhoben ihn 1234 zur Stadt. Nicht weniger als sechs Märkte durfte man abhalten.
Trotz Privilegien und Wohlhabenheit waren prestigeträchtige Ambitionen, wie so oft, hochfliegender als die pekuniären Möglichkeiten. Ein Stilwandel der spätromanischen Stadtkirche zur Gotik musste nach Fertigstellung des Chores abgebrochen und das gerade begonnene Langhaus provisorisch eingewölbt werden. Seit der Reformation war an keine Fortsetzung zu denken, und auch das Wiedererrichten der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Türme und Mauern unterblieb. Einzig der Brauhausturm, benannt nach der früheren Braustätte am Zugang (heute Stadtmuseum), und die hohe Ringmauer der Burg sind erhalten.

In einer Grünanlage mit Obstbäumen und Bauerngarten – selbst Ziegen und Federvieh fehlen nicht – lässt sich die Befestigung ringsum abgehen. Zum Höhepunkt steht man vor einem der ältesten und größten Bäume Deutschlands. Die auf 750 Jahre taxierte Linde mit mehr als neun Meter Umfang ist innen zwar hohl, kommt aber ohne Stützung aus. Das war Grund genug, sie 2024 als einen der 100 „Nationalerbe-Bäume“ anzuerkennen.
Das größte Basaltfeld Europas wird als Steinbruch genutzt
Dafür, wie weit einst die Ausbruchsschlote des Jahrmillionen zurückliegenden Vulkanismus im Vogelsberg reichten, bieten die Basaltkuppen von Homberg und Amöneburg beeindruckende Anschauung. Ergänzt wird dies vom größten, als Steinbruch genutzten Basaltfeld Europas. Die Zusammenhänge vermittelt eine „Geo-Tour Felsenmeer“ die nach der Ausweisung des Vogelsberg zum „Nationalen Geopark“ angelegt wurde.
Beginnend oberhalb von Homberg, geht es, vorbei an Erdfällen und früheren Gruben, zum Basaltbruch und schließlich zur Besonderheit eines Sandsteinfeldes, das man nach Ausdehnung und löchrigen Strukturen eher in Pfalz oder Odenwald erwarten würde. Das Gestein entstand jedoch nicht durch verpresste Sedimente, sondern erst mit dem vor etwa 20 Millionen Jahren einsetzenden Vulkanismus, als eingedrungene Kieselsäure die Sande im Ohmtal verfestigte. Den Rest besorgten Erosion und Eiszeiten.
Wegbeschreibung
Praktischerweise wurde für die „Geo-Tour Felsenmeer“ ein eigener Parkplatz reserviert. Die Zufahrt ist vom zentralen Verkehrskreisel ausgeschildert: auf der Berliner Straße, an der es auch Parkplätze gibt, nach 300 Metern links bis zum Ende der Straße Zum Hohen Berg. Bei Anreise mit dem Bus entsteigt man am Rathaus und kommt auf der Frankfurter Straße herüber.
Vor dem Parkplatz weisen große Schautafeln und die Markierung stilisierter Vulkankegel in die Runde ein. Statt Felsen erfreuen zunächst verschiedene Naturszenarien. Die anfängliche Streuobstwiese löst urwüchsiger Wald ab, dann eine Kirschenallee, gefolgt von luftigen Buchen und Linden, ehe man in Offenland hinaustritt. Parallel zum Weg verläuft ein Zaun, um den Kuhlen fernzubleiben. Es sind Relikte mehrerer bis ins 18. Jahrhundert überlieferter Erdfälle. Nicht allerorten ist die Basaltdecke so geschlossen. Zum Beispiel an der ebenfalls gesicherten Oberkante des Steinbruchs entlang. Bald hinter der Linkskurve eröffnet ein per Stichstrecke anzulaufender Aussichtspunkt den Blick auf die tief ins Ohmtal reichende Abbaustätte. Die Jahresproduktion von gut 800.000 Tonnen dient überwiegend Straßensplitt und Gleisschotter.
Retour, geht es zwischen Wiesen weiter und mit einigen Haken abwärts bis zu einem asphaltierten Querweg. Ohne Felsenmeer könnte man hier gleich links gen Nieder-Ofleiden laufen. Ansonsten empfiehlt es sich, die Hauptstrecke nach rechts kurz zu verlassen, um von oben in das Geotop einzusteigen: dann 200 Meter bis zu der Stromleitung und davor links in den Wald. Noch über ein hölzernen Steg, und man steht zwischen den Wänden der durch spätere Unterspülung entstandenen Sandbänke des Felsenmeeres. Es erreicht nicht die Dimensionen seines berühmten Namensvetters im Odenwald, dafür bietet es abwechslungsreichere Formen, wie ihn nur erodierender Sandstein kennt – gezackt, gerundet, glatt, verschliffen oder durchlöchert.
Eine Besonderheit sind weiße Tertiärsande. Früher nur sporadisch im Gebiet der „Sandgrube“ genutzt, wird in benachbarten Brüchen der hochwertige Quarzsand kommerziell gewonnen. Mangels Mächtigkeit fand auch der Sandstein nur gelegentlich Verwendung, was seiner Ursprünglichkeit nur zugutekommen konnte. Mit den „Dicken Steinen“ lagern die imposantesten Brocken etwas versteckt oberhalb. Dorthin kommt man ausgangs ab der Kreuzung links über den asphaltierten Weg.

Diese Richtung findet dann ihren Fortgang bis zur nächsten Kreuzung. Hier biegt man rechts in den abwärts weisenden Wirtschaftsweg. Beiderseits wächst Streuobst, aufgelockert durch mächtige, als Naturdenkmal ausgewiesene Huteeichen. Das fruchtbare Ohmtal war schon früh besiedelt, wie das gegenüber aufragende, von Franken okkupierte Amöneburg eindrücklich belegt. Auch die großen, vorwiegend leeren Stallungen in Nieder-Ofleiden erinnern an die ehemalige Lebensgrundlage. Statt ihrer stehen heute großflächige Gewerbebetriebe nahe der Ohm. Sie sieht man, wenn man in der Ortsmitte nach links (Unter-/Schulstraße) und nach rechts (Häuser Straße) die Flussbrücke ansteuert. Sie gehört allein Fußgängern und Radlern.
Den asphaltierten Radstrecken muss man zunächst nicht folgen, da ein begraster Weg die Ohm begleitet. Hinter dichtem Wuchs ist sie seit ihrer Renaturierung kaum auszumachen, an kleinen Steinstufen jedoch einsehbar. Erst am Ende des Uferwegs nach knapp einem Kilometer geht man rechts auf den befestigten Weg, und an der Kreuzung links Ober-Ofleiden entgegen. Die dortigen Straßenbauarbeiten brauchen nicht zu tangieren.
Vor der romanisch-gotischen Pfarrkirche wendet man sich nach links und überquert auf einem Steg die Ohm. Auf der anderen Seite quert man im Linksbogen die Uferwiesen und läuft mit Ohm- und Marburger Straße hinauf zum Verkehrskreisel zwischen dem neuen und älteren Teil Hombergs. So man nicht gleich links auf der Berliner Straße die Richtung gen Ausgangspunkt wählt, gelangt man rechts in den Kern rund um das bis heute genutzte Rathaus aus dem 16. Jahrhundert.
Jetzt lohnt auch wieder der Anstieg zum lange unzugänglichen Schloss. Seit der Übernahme durch die Stadt dient es, von Ehrenamtlichen geführt, kulturellen Veranstaltungen. Sonntags öffnet ein Café mit selbst gebackenem Kuchen. Davor, zur Schauseite, thront bei Blick über Stadt und Ohmtal der „Hohle Baum“. Wundersamerweise widerstand die Linde seit dem Mittelalter allen Stürmen, allerdings nicht einem schweren vor hundert Jahren. Die abgebrochene Krone wuchs aber nach, und so zeigt sich das Prachtexemplar vitaler denn je.

Anfahrt
Über die A 5 bis zur Ausfahrt Homberg (Ohm) und dann noch etwa zwölf Kilometer. Oder weiter zum Ohmtal-Dreieck und mit der neuen A 49 bis zur entsprechenden Anschlussstelle. Von Norden kommend, liegt hier die Zufahrt zum Parkplatz der „Geo-Tour Felsenmeer“ näher. Alle zwei Stunden fährt ein Bus vom Bahnhof Marburg-Süd zur Haltestelle Homberg-Rathaus.
Sehenswert
In Homberg nutzten die hessischen Landgrafen die strategisch günstige Lage auf einem 300 Meter hohen Basaltkegel und versahen es 1234 mit Stadtrechten. Um das 1540 errichtete Rathaus in Ständerbauweise (bis heute genutzt) erwuchs ein geschlossener, flächenhaft sanierter Fachwerkkern. Von der Stadtmauer blieb lediglich der Turm am früheren Brauhaus (jetzt Museum). Das Vorhaben, die Kirche gotisch auszubauen, musste im Spätmittelalter abgebrochen und das Langhaus in halbhohem Zustand eingewölbt werden. Unverändert blieb der romanische Turm. Mit Streuobst und Bauerngarten ist das vormalige „Schloss“ über der Stadt umgeben. Einer mächtigen Zeder steht zur Schauseite mit dem „Hohlen Baum“ eine der ältesten und größten Linden gegenüber; seit 2024 zum „Nationalerbe- Bäume“ zählend.
