Am Ende war es der pure Spaß – und ein bisschen Show obendrein. Alexis Peterson zeigte an, wie der Angriff gespielt werden soll, sie bewegte sich lässig nach links, nach rechts, dann legte die deutsche Aufbauspielerin den Ball hinter ihrem Rücken zu Leonie Fiebich, die freie Bahn hatte für den letzten Korb des Abends.
93:74 hieß es da am Donnerstagabend vor 10.500 Zuschauern in der Berliner Uber-Arena, die kaum glauben konnten, was sie sahen. Mit sage und schreibe 19 Punkten Vorsprung gewann die deutsche Basketball-Nationalmannschaft das Viertelfinale der Heim-Weltmeisterschaft gegen Belgien, den Europameister von 2023 und 2025.
„Keine Worte, wie gut wir gespielt haben“
„Brutal surreal“, sagte Leonie Fiebich später über diesen mitreißenden Abend, der mit ihrem Korb zu Ende gegangen war. Der aber auch mit ihr angefangen hatte: Mit einem Dreier, den sie feierte, als wäre es schon der wichtigste Wurf des Spiels. Dazwischen lag eine Teamleistung, über die Bundestrainer Olaf Lange sagte: „Ich habe keine Worte, wie gut wir gespielt haben.“
Tatsächlich konnte er seinem Team ein alles umfassendes Kompliment machen konnte: Zupackend in der Defensive, schnell in der Bewegung, couragiert im Wurf – eine überwältigende Teamleistung, aus der Leonie Fiebich und Nyara Sabally noch herausstachen.

Es war das erste WM-Viertelfinale einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft überhaupt. Und wenn man sich zurückerinnerte an den Start des Turniers, das 53:83 gegen Spanien, dann hatte man das Gefühl, dass diese Mannschaft seitdem nicht eine Entwicklung von vier Spielen, sondern von zwei Jahren gemacht hatte.„Wenn eine Mannschaft so zusammenkommt, wie wir es während dieses Turniers geschafft haben, gibt es natürlich eine Chance“, sagte Bundestrainer Lange mit Blick auf die erhoffte Medaille und nun das Halbfinal-Duell mit den Französinnen am Samstag.
Eine Überraschung wäre es immer noch, wenn die Deutschen diesen Gegner, neben Weltmeister USA ein Mitfavorit, auch noch überwältigten. Aber hierfür lieferte Leonie Fiebich ebenfalls das Motto des Tages: „Mit uns ist nicht zu spaßen“, sagte sie. Wer weiß, vielleicht hat der Spaß für die Deutschen ja tatsächlich erst so richtig begonnen.
Am Ende lag Fiebich bei 17 Punkten, Sabally, die zur Spielerin des Spiels gekürt wurde, kam auf 16. Aber die wahre Stärke der Deutschen zeigte sich darin, dass am Ende sechs Spielerinnen zweistellig waren, des weiteren Alexis Peterson, Frieda Bühner (jeweils 13), Marie Gülich (12) und Alexandra Wilke (10). Gegen so breit aufgestellte Deutsche half es den Belgierinnen auch nicht, dass ihre Starspielerin Emma Meesseman es auf 29 Punkte brachte. „Jede von uns war ready, egal ob offensiv oder defensiv“, sagte Frieda Bühner.
Vor dem Spiel hatte Bundestrainer Lange gesagt, dieses Spiel sei „der Moment, wo wir sehen werden, wie weit wir schon gewachsen sind“. Nach dem katastrophalen Start gegen Spanien war sein Team von Spiel zu Spiel ein bisschen größer geworden, so dass es zwar immer noch als Außenseiter, aber als einer mit Ambitionen in dieses Duell gehen konnte.
Der Start und die Schrecken der Vergangenheit
Die Deutschen begannen mit Nyara Sabally, Emma Eichmeyer, Leonie Fiebich, Luisa Geiselsöder und Britta Daub. Und sie begannen nicht gut, erst einmal reihten sie ein paar Fehlwürfe aneinander, während auf der anderen Seite Emma Meesseman flott ihre ersten fünf Punkte sammelte. Meesseman, die 33 Jahre alte Centerin war die Spielerin, die die Deutschen am meisten gefürchtet hatten, aber nicht die einzige. Und es gab ja auch noch die Schrecken der Vergangenheit.
Zur Frage, wie wichtig ein guter Start in dieses Spiel sei, hatte Lange gesagt, dass „zwei Erfahrungen in der Mannschaft präsent“ seien. Die eine „kurzfristig“, vom Debakel gegen Spanien, die andere „langfristig“, von der EM im vergangenen Jahr, als die Deutschen mit 24 Punkten Differenz gegen Belgien verloren. Aber das war vor Langes Amtszeit, und es war diesmal eine andere Mannschaft, mit einer anderen Überzeugung.
Diesmal ließen sie sich nicht früh abhängen, im Gegenteil. Leonie Fiebich ging in bemerkenswerter Weise voran. Nachdem sie im Turnier bislang schwach geworfen hatte, gelang ihr, obwohl von Antonia Delaere eng begleitet, nach dem ersten auch gleich noch der zweite Dreier. Später taten sich Kapitänin Marie Gülich und Alexandra Wilke mit wichtigen Würfen hervor, und als Nyara Sabally ihre ersten Punkte beisteuerte, gingen die Deutschen tatsächlich mit einer 22:19-Führung aus dem ersten Viertel.
Die Defensive als Basis für alles andere
Die Grundlage für alles war die herausragende Defensivarbeit, die die Belgierinnen zusehends entnervte. Aber auch nach vorne war es ein Wachstumsschub, mit dem so kaum einer gerechnet hatte – und eine Leonie Fiebich, die überall war, wo sie gebraucht wurde.
Eine herausragende Team-Vorstellung folgte auch im zweiten Viertel, in dem die Deutschen sich eine Weile schier selbst übertrafen und in einen regelrechten Rausch spielten. Über ein 29:19 ging es, mit weiteren fünf Fiebich-Punkten, zu einem 34:21-Hoch. Aber es sollte sogar noch höher gehen.

Kurzzeitig legten die Belgierinnen noch einmal ein Veto ein, Meesseman unterstrich ihre Absicht, als Scorerin Fiebich auf den Fersen zu bleiben, mit Taten, und wenn ihr Team insgesamt öfter getroffen hätte, wäre in dieser Phase noch mehr möglich gewesen. Auch so kamen die Belgierinnen noch einmal peu à peu heran, bis auf zwei Punkte, aber es passte zur Courage der Deutschen, dass sie die passende Replik hatten: Sabally und Peterson trafen jeweils per Dreier. 42:35 zur Pause, das war immer noch ein Wort.
Die ganze belgische Ratlosigkeit zeigte sich, als ihnen im dritten Viertel mitten im Angriff die Uhr hinunterlief. Überhaupt arbeitete nun die Zeit gegen sie, weil die Deutschen wirklich immer eine Antwort wussten, wenn es eine brauchte. Dreier Meesseman? Dreier Sabally! Sogar, als Lange Spielzeit verteilte, um seinen Stärksten Luft für den Endspurt zu verschaffen, blieb das deutsche System unerschütterlich stabil.
Mit 15 Punkten Vorsprung (74:59) ging es ins letzte Viertel. Das Spiel blieb das Gleiche. Glaubten die Belgierinnen, vielleicht noch einmal herankommen zu können, erstickten die Deutschen diese Hoffnungen im Handumdrehen. Näher als bis auf zehn Punkte kam Belgien nicht mehr heran, der deutschen Party stand nichts mehr im Wege.
