
Es war gewiss wohlüberlegt, dass John Ternus nur wenige Tage nach seinem Antritt als Vorstandschef von Apple seinen ersten großen Auftritt hatte. Und anders als in vielen Vorjahren stellte der Elektronikkonzern diesmal nicht nur einfach eine neue iPhone-Generation vor, sondern ein ganz neues iPhone-Modell. Das iPhone Duo ist Apples erstes faltbares Smartphone.
Der Konzern ist damit zwar keineswegs ein Vorreiter, viele Wettbewerber bieten schon seit Jahren faltbare Handys an. Aber Apple hofft, wie schon öfters in der Vergangenheit ein Marktsegment mit einem überlegenen Produkt von hinten aufzurollen und es nebenher auch deutlich größer zu machen. Bislang sind faltbare Handys ein Nischenprodukt, nicht zuletzt wegen ihrer hohen Preise. Auch Apple stößt mit dem iPhone Duo in eine neue Preiskategorie vor.
Ternus nannte das faltbare iPhone eine „Transformation“ für die Apple-Handys, und wie um seine Bedeutung zu unterstreichen, kündigte er es mit den Worten „One more thing“ an. Das sagte der Apple-Mitgründer Steve Jobs bisweilen bei der Vorstellung neuer Produkte, die er für besonders wichtig hielt. Die implizite Botschaft von Ternus: Apple ist so innovationsstark wie in der Jobs-Ära.
Das wird sicher gerne gehört. Denn so gut Apple heute finanziell dasteht: Unter Ternus-Vorgänger Tim Cook wurde das Unternehmen hartnäckig von Fragen verfolgt, ob es noch bahnbrechende Produkte entwickeln kann. Ternus gilt im Vergleich zu Cook eher als Produktmann.
Ein Stück weit hat Ternus jetzt aber auch seine eigene Botschaft verwässert. Er hob die fortdauernde überragende Bedeutung des iPhones für Apple hervor, also eines Produkts, das vor fast zwanzig Jahren erstmals herauskam und bis heute für rund die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes steht. Er sagte, auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz sei kein Produkt besser als zentrale digitale Schnittstelle im Alltag von Menschen geeignet als das iPhone.
Damit wischte er Bedenken beiseite, wonach Smartphones diese Rolle verlieren könnten. Die Antwort von Ternus auf die häufig gestellte Frage, was einmal nach dem iPhone kommt, heißt: das iPhone. Mit diesem Argument gibt er sich aber eher als Bewahrer denn als Visionär. So wie er es jetzt bei seinem ersten Auftritt beschrieben hat, sieht er das iPhone als Apples Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
