„Das ist wie bei Videospielen“, sagt der Coach: „Wenn du mit dem Spiel durch bist, erreichst du das nächste Level.“ Sein Team hat bei der Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen in Berlin Japan, Mali und Korea besiegt und sich von Spiel zu Spiel gesteigert. An diesem Donnerstag (17.45 Uhr bei ProSieben Maxx und Magentasport) wartet im Viertelfinale der zweimalige Europameister Belgien mit der überragenden Emma Meesseman auf Bundestrainer Olaf Lange und die deutsche Nationalmannschaft.
So weit hat es bei der WM noch keine deutsche Auswahl gebracht. „Wir schreiben Geschichte“, freute sich Center Luisa Geiselsöder nach dem 94:56 über Korea am Dienstagabend. Sie hatte in den 21 Minuten, in denen sie Marie Gülich unterm Korb vertrat, zwölf Punkte erzielt, Mannschaftskapitänin Gülich kam auf 19, zwei mehr als die junge Aufsteigerin Frieda Bühner. Doch die bestimmende Spielerin war Leonie Fiebich mit elf Rebounds, vier Assists und acht Punkten.
Trainer Lange über Fiebich: „Sie ist unglaublich“
„Sie ist unglaublich“, lobte Coach Lange: „Ich will sie nie auswechseln. Aber ich muss.“ Die 26 Jahre alte Fiebich ist Hirn und Rückgrat der deutschen Mannschaft. „Was Leo offensiv und defensiv für eine Wirkung hat!“, schwärmte die vier Jahre jüngere Bühner: „Sie macht nichts falsch. Ihre Größe, ihre Erfahrung – sie ist definitiv unsere beste Spielerin. Und sie ist eine so großartige Anführerin.“
Bei der Superheldin Leo, bleibt man beim Gedanken von der WM als Videogame, klemmt allerdings ein Knopf, der Auslöser. Sie wirft weniger als gewohnt, vor allem aber trifft sie weniger als sonst.
33 Punkte in vier Spielen, zwei Partien, die gegen Japan und die gegen Korea, in denen sie aus dem Spiel lediglich jeweils einen einzigen Korb erzielte – das ist nicht die Leonie Fiebig, die sich bei den New York Liberty mit mehr als zehn Punkten pro Spiel zu einer der besten Spielerinnen der WNBA aufgeschwungen hat, die gemeinsam mit ihrer deutschen Mannschaftskameradin Nyala Sabally 2024 die Meisterschaft gewann, in dem Jahr, in dem sie mit der Nationalmannschaft das Viertelfinale der Olympischen Spiele von Paris erreichte.
Nicht die Leonie Fiebich, die mit Valencia Pokalsiegerin und zweimal spanische Meisterin wurde. Das ist stattdessen eine Anführerin, die mit Konsequenz und Erfahrung verteidigt, die auf dem Feld die Richtung und die Taktik vorgibt, die um jeden Ball kämpft, die vorbereitet, aufräumt und hinterherwischt.
„Dominanz ohne Wirkungstreffer“, lobt der Weltverband FIBA auf seiner Website und konstatiert zu Recht, dass ein Großteil des Erfolges der deutschen Spielerinnen Leo Fiebich zu verdanken sei. Die strategische Ausrichtung des Bundestrainers ist es nicht, dass seine Beste mehr passt als schießt, mehr vorbereitet als punktet. Gleichwohl setzt er keine Spielerin länger ein als Leonie Fiebich.

Als Dennis Schröder, der Kapitän der Männer-Nationalmannschaft, Welt- und Europameister, die Frauen in der Kabine besuchte, fragte er Leonie Fiebig, warum sie nicht werfe. Ihr klebe an der Hand, antwortete sie, was Fußballspieler, die nicht treffen, behaupten an der Hacke zu haben. Egal, riet ihr Schröder. Sie solle werfen, nicht lamentieren.
Damit tut er der überragenden Spielerin des deutschen Teams unrecht. Leo lamentiert nicht, sie hat die Mischung ihres Spiels angepasst. „Wir haben keine Angst vor Belgien“, sagt sie: „Wir spielen vor unserem Heimpublikum. Wir nehmen jede Herausforderung an.“
„In manchen Bereichen spielen wir besser, als wir sind“
Trotz der Ladehemmung ihrer Anführerin ist der Aufschwung der deutschen Mannschaft frappierend. Drei Niederlagen in der Vorbereitung und eine Abreibung im ersten Spiel, gegen Spanien, haben Coach Lange und die Spielerinnen zu Lehrstücken umgedeutet und eine überaus solide Verteidigung und ein starkes Miteinander geschmiedet.
„Der Zusammenhalt war schon immer da“, sagt der Trainer: „Aber wir haben Verbundenheit und Glauben in die Fähigkeiten der anderen gewonnen. In manchen Bereichen spielen wir besser, als wir sind.“ Auf der unerschütterlichen Defensive basiert das Spiel der Deutschen, auf der stürmischen Begeisterung des Publikums ihr Antrieb.
Und auf Erleichterung. Für einige Spielerinnen war die deftige Niederlage gegen Spanien nicht das tiefste Tief ihrer Saison. Marie Gülich zog sich nach einem Kreuzbandriss für fast ein Jahr aus dem Profi-Basketball zurück und bereitete sich mit einer achtmonatigen Reha in Berlin auf ihr Comeback bei der Weltmeisterschaft vor.
„Ich bin froh, dass ich nicht dauernd an mein Knie denke“, sagte sie nun. Luisa Geiselsöder rutschte bei ihrem Team, den Portland Fire in der WNBA, wo sie wie Frieda Bühner unter Vertrag steht, ganz ans Ende der Reservebank und durfte, kein gutes Zeichen, vorzeitig zu den Testspielen nach Deutschland reisen.
Wie es weitergeht nach der WM, bei der sie als beste Spielerin der Partie gegen Mali ausgezeichnet wurde? „Darüber denke ich nicht nach. Gerade denke ich an Team Deutschland, gerade denke ich daran, dass wir Geschichte schreiben.“
