
Indien ist ein dynamisches Land, und sein Automarkt ist keine Ausnahme. 4,5 Millionen Fahrzeuge wurden in der Milliardennation im vergangenen Jahr verkauft. Dass es 2026 gehörig mehr werden könnten, zeigt die Absatzstatistik vom August: Demnach stiegen in dem Monat im Jahresvergleich die Autoverkäufe um mehr als ein Drittel – für Autohersteller ein Traum, den Volkswagen in der Vergangenheit nur aus China kannte.
Freuen können sich in Indien allerdings vor allem heimische und ostasiatische Hersteller, die zwei Drittel des Markts beherrschen. Der deutsche VW-Konzern kommt mit einem Marktanteil von zwei Prozent gerade mal auf Rang sechs. Zwar ist er damit in Indien der einzige nicht asiatische Autoproduzent auf einem der vorderen Plätze. Doch dass die Deutschen mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, zeigt die Meldung über Verhandlungen mit einem möglichen Joint-Venture-Partner vom Mittwoch.
Volkswagens möglicher Partner ist bisher als Stahlhersteller bekannt
Demnach will VW mit dem indischen Industriekonglomerat JSW aus Mumbai die Zusammenarbeit in einem Gemeinschaftsunternehmen ausloten. Noch ist die Vereinbarung unverbindlich, was damit zusammenhängen dürfte, dass es zwischen Deutschen und Indern voneinander abweichende Vorstellungen geben dürfte, wie hoch das VW-Geschäft in Indien zu bewerten ist. Ziel der Partnerschaft sei es, das Portfolio von Volkswagen in Indien zu erweitern, die lokale Beschaffung zu intensivieren und die Produktion zu stärken, erläuterte ein Unternehmenssprecher.
JSW ist in Indien vor allem für sein Stahl- und Energiegeschäft bekannt. Autos produziert der Konzern erst seit drei Jahren – als Minderheitsgesellschafter von MG Motor India, die zum chinesischen Staatskonzern SAIC gehört, mit dem wiederum VW in China ein Joint Venture betreibt. „JSW hat mit Sicherheit sehr gute Verbindungen zur Regierung“, sagt der Singapurer Berater Jochen Siebert im Gespräch mit der F.A.Z. Das habe auch dem Marktführer in Indien geholfen, dem japanischen Suzuki-Konzern, der in Indien seit 1981 unter dem Namen Maruti Suzuki auftritt – ein Gemeinschaftsunternehmen der Japaner mit Indiens Regierung.
Laut Berater Siebert sei zu vermuten, dass VW mit dem indischen Partner nicht nur besseren Zugang zu Behörden und Genehmigungen erhalten wolle, sondern auch Zugriff auf ein großes Händler- und Vertriebsnetz erhalte. Zudem müsse VW seine Autos stärker auf indische Bedürfnisse in Sachen Preis und Nutzung zuschneiden – eher günstige, robuste SUVs als technisch aufwendige und für Indien zu teure Modelle mit Vollverzinkung.
Unklar ist, ob VW dafür tatsächlich bereit wäre, einen Minderheitsanteil von 49 Prozent an dem Joint Venture zu akzeptieren, wie die indische Wirtschaftszeitung „Economic Times“ unter Verweis auf eingeweihte Personen schreibt. Demnach würde die Mehrheit von 51 Prozent JSW zufallen. Klar ist bisher nur, dass alle acht in Indien von VW und Škoda vertriebenen Modelle künftig von Deutschen und Indern gemeinsam gebaut und verkauft werden sollen.
