Ob an der Front oder für den Schutz ziviler Infrastruktur – die effektive Abwehr unbemannter Flugkörper ist eines der wichtigsten Themen in der aktuellen Sicherheitsdiskussion in Deutschland. Die rasante technische Entwicklung lässt die Zahl der eingesetzten Drohnen schnell steigen. Damit rücken die Kosten für Verteidigungssysteme zunehmend in den Blickpunkt. Denn längst ist klar, dass sich eine Bekämpfung durch Kampfjets und Abwehrraketen auf die Dauer nicht durchhalten lässt. Deshalb geraten Lasersysteme zunehmend in den Blickpunkt. Deren Anschaffungskosten bewegen sich zwar in ähnlichen Sphären wie Raketensysteme, doch je Schuss locken die Anbieter mit Kosten von weniger als einem Euro.
Allerdings entwickelt sich der Anbietermarkt gerade erst. Vor Kurzem hat der zuständige Entwicklungschef des renommierten Laserspezialisten Trumpf, Hagen Zimer, im Interview mit der F.A.Z. angekündigt, bis 2027 eine solche Laserwaffe anzubieten. Das Start-up Inleap Photonics aus Hannover sammelte gerade in einer Finanzierungsrunde 20 Millionen Euro für den Aufbau einer Serienproduktion seines Systems ein, und auch der Wettbewerber Fiberbridge aus der niedersächsischen Landeshauptstadt hat Ähnliches vor.
Nun kommt ein weiterer ambitionierter Anbieter aus dem Tarnmodus und verkündet ehrgeizige Ziele: Das junge Unternehmen Ground A hat gerade eine Finanzierungsrunde über etwas mehr als neun Millionen Euro abgeschlossen und will damit eine Serienproduktion für seine Laserwaffe GA 1000 aufbauen. Besonders interessant: Schon im kommenden Jahr sollen 100 Systeme produziert werden. Ambitionierte Pläne für ein Unternehmen, das erst Anfang dieses Jahres gegründet wurde.

Hinter Ground A stecken drei Gründer: Geschäftsführer Tobias Brune, Technikchef Daniel Hariri und Roland Spiegelhalder, der das operative Geschäft verantwortet. „Wir haben in kürzester Zeit die Grundlage für eine effektive Drohnen- und Luftabwehr geschaffen, die es in der heutigen Zeit zum Schutz Europas braucht“, sagt Brune im Gespräch mit der F.A.Z. Nun gehe man mit der GA 1000 in die Test- und Validierungsphase. Der Ingenieur ist überzeugt davon, dass das System den aktuellen Anforderungen im Kampf gegen autonome Systeme entspricht: „Unsere Lösung ist mit integrierter Batterie gerade einmal so groß wie eine Europalette.“ Damit lasse es sich hervorragend auf einem Lastwagen oder einem unbemannten Bodenfahrzeug montieren.
Demonstration mit Tytan im Herbst
Die Funktionsweise ist leicht nachvollziehbar: Durch verschiedene Systeme (Radar, Kameras, Sensoren, Künstliche Intelligenz/KI) werden anfliegende Drohnen erkannt und klassifiziert. Dann zerstört der Laser einzelne Komponenten der Drohne und macht sie dadurch fluguntauglich. „Die automatische und KI-basierte Zielnachverfolgung macht dabei einen Großteil unserer Lösung aus“, sagt Brune, der früher auch für Trumpf gearbeitet hat. Denn der Laser muss dem fliegenden Ziel für eine kurze Zeit folgen, was die größte Herausforderung darstellt.
Dabei geht es laut Brune darum, Latenzen im Bereich von Millisekunden auszugleichen und vorauszuberechnen. „Wir erkennen einen Bienenschwarm auf zwei Kilometer“, beschreibt Brune die Leistungsfähigkeit der Technologie. Die Abschusszeit je Drohne beziffert er auf weniger als einer Sekunde. Theoretisch könnte man demnach 60 Drohnen in der Minute eliminieren. Da die Angreifer aber nicht wie auf einer Perlenkette aufgereiht anflögen, sondern jeweils neu detektiert werden müssten, seien es in der Realität weniger.
Laut Brune, der in Aachen Werkstoffwissenschaften studierte und promovierte, fertigt Ground A rund 40 Prozent der Hardware selbst und greift bei den Kernkomponenten auf ein flexibles Lieferantennetz aus Europa zurück. Die Kosten für ein System liegen im unteren einstelligen Millionenbereich, wobei es auf den Umfang ankomme. Die GA 1000 sei ausdrücklich für den Einsatz im Verbund mit anderen Systemen konstruiert.
In Kürze ist deshalb eine Demonstration geplant mit dem Start-up Tytan. Das junge Münchner Unternehmen, das einen Auftrag der Bundeswehr zum Schutz von Liegenschaften erhalten und gerade erst seine Technologie während der Kabinettsklausur präsentiert hat, stellte im Juni auf der Flugschau ILA in Berlin zusammen mit Mercedes-Benz einen Lastwagen vor, dessen Aufbau das Abfangdrohnensystem von Tytan bildete. Daneben soll nun die GA 1000 kommen und einen Verbund bilden. „Die Abfangdrohnen wirken auf größere Entfernung, und unser Laser fängt ab, was auf einem Kilometer noch durchkommt“, sagt Brune.
Ein Blick auf die Investoren der Finanzierungsrunde legt nahe, dass auch andere Partner Hoffnungen hegen könnten auf eine Zusammenarbeit: Stefan Roebel ist zum Beispiel Geschäftsführer von Arx Robotics, einem führenden Anbieter von unbemannten Minipanzern, auf denen verschiedene Aufbauten möglich sind. Solche Fahrzeuge bietet seit dem Frühjahr auch Quantum Systems an, das vor allem durch seine Aufklärungsdrohnen bekannt geworden ist und ebenfalls investiert ist. Dessen Geschäftsführer Florian Seibel und Sven Kruck sind beide zudem persönlich als Geldgeber an Bord. Angeführt wird die Runde von Vsquared aus München, einem bekannten Wagniskapitalgeber im Technologiebereich.
Für den Standort der Produktion ist das in Berlin und Düsseldorf ansässige Unternehmen derzeit mit zwei Bundesländern im Gespräch. Tobias Brune will rasch eine Entscheidung haben, um den Zeitplan einzuhalten und den Aufbau der Produktion zu starten. Für das kommende Jahr ist dafür eine weitere Finanzierungsrunde geplant. Danach soll Ground A schnell aus eigener Kraft wachsen können. Die Zahl der Mitarbeiter soll sich im kommenden Jahr auf rund 60 verdoppeln. „Ich leite kein Unternehmen, das in den nächsten Jahren nicht profitabel sein wird“, sagt Brune selbstbewusst.
