
US-Präsident Donald Trump hat in einer neuen Tirade auf seiner Medienplattform Truth Social, damit gedroht, den Handel mit Ländern einzustellen, mit denen die USA ein Handelsbilanzdefizit haben, es sei denn, die Federal Reserve senkt die Leitzinsen. Die Wendung, dass die amerikanische Notenbank Handelssanktionen durch eine Lockerung der Geldpolitik abwenden kann, ist neu im Droharsenal des Präsidenten.
Trump nutzte die Bekanntgabe der neuen Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag, um zur Zinssenkung aufzufordern. Im August sind nach offizieller Statistik 162.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden, deutlich mehr, als Fachleute erwartet hatten.
Nach Trumps Logik bedeuten die guten Zahlen, dass die USA ein starkes Land sind, das niedrigere Zinsen verdient, weil es kreditwürdiger sei. „Wir sollten den niedrigsten Zinssatz aller Länder der Welt haben, wie in den alten Zeiten“, schrieb Trump. Ohne die Zustimmung der Vereinigten Staaten, die ihnen ihre großen Handelsüberschüsse erlauben, würden sie finanziell nicht länger als Elite gelten.
Wörtlich ergänzte Trump: „Senkt den Zinssatz, oder ich stelle den Handel mit Ländern ein, gegenüber denen wir ein Defizit haben.“ Der Oberste Gerichtshof der USA habe in seiner „lächerlichen und sehr kostspieligen Zollentscheidung“ ausdrücklich anerkannt, dass er als Präsident das uneingeschränkte Recht dazu habe, den Handel zu stoppen. „Das ist besser als Zölle!“
„Seid zur Abwechselung mal Patrioten“
Trump forderte die Federal Reserve auf, die Zinsen zu senken. „Das Fed-Direktorium mit seinem großartigen neuen Chef muss endlich klug werden – seid zur Abwechslung mal Patrioten. Hohe Zinsen bringen die USA in einen sehr unfairen Nachteil, und ich werde nicht zulassen, dass das geschieht!“
In einem späteren Beitrag regte sich Trump darüber auf, dass die Aktienmärkte nach Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten nachgaben. Das sei verrückt, schrieb der erzürnte Präsident. „Als ich heute Morgen die phantastischen Arbeitsmarktzahlen sah, wusste ich sofort: Die Börse wird fallen, obwohl sie eigentlich wie eine Rakete steigen müsste.“ Amerikas Wirtschaft würde um 15 oder 20 Prozent wachsen, nicht um zwei, drei oder vier Prozent, bei niedrigeren Zinsen. „Wir könnten unsere Schulden tilgen und vieles mehr erreichen.“ Trump erinnerte daran, dass jeder Prozentpunkt Zins die USA 650 Milliarden Dollar im Jahr kostet.
Trump kann nicht seinen Frieden mit der Tatsache machen, dass die Inflation in den USA seit mehr als fünf Jahren über der von der Zentralbank angestrebten 2-Prozent-Marke liegt, die Fed-Chef Kevin Warsh jüngst noch einmal bestätigt hat. Weil gleichzeitig annähernd Vollbeschäftigung herrscht, sehen einige Fed-Gouverneure Spielraum für Leitzinserhöhungen.
Die Konjunkturdaten widersprechen dem generellen Bild, das Trump über Amerikas Wirtschaft zeichnet. Die Arbeitsmarktdaten spiegeln nicht die Renaissance der Industrie, die Trump durch seine Zollpolitik ermöglicht hat. Seit Trumps Regierungsantritt Anfang 2025 hat die US-Wirtschaft nach Berechnungen des Ökonomen Justin Wolfers fast eine Million neue Stellen im Gesundheits- und Sozialwesen geschaffen. Der Rest der Wirtschaft hat seitdem unterm Strich Arbeitsplätze eingebüßt. Statt eines Comebacks der Fabriken erlebt Amerika die Alterung der Gesellschaft, die zur starken Nachfrage nach Schwestern und Pflegern führt.
Bemerkenswert ist noch ein weiterer Aspekt: Nur sieben Prozent der seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit neu geschaffenen Stellen gingen an Männer, 93 Prozent an Frauen, zeigt Wolfers in seinem Blog Platypus Economics. In rund anderthalb Jahren sind das etwa 60.000 neue Arbeitsplätze für Männer im Vergleich zu 747.000 für Frauen. „Möglicherweise steht der Arbeitsmarkt für Männer vor einer Rezession.“ Eine weitere schlechte Nachricht ist, dass die Lohnsteigerungen zuletzt immer kleiner wurden und von der Inflation aufgezehrt werden. Darin könnte allerdings für Trump sogar eine gute Nachricht stecken. Niedrige Lohnsteigerungen mildern den Druck zur Leitzinserhöhung.
