Der Vorwurf ist schwerwiegend: Von der „Todesrennbahn Iffezheim“ schrieb die Tierrechtsorganisation PETA, bekannt für medienwirksame Auftritte, nachdem vergangene Woche zwei Pferde während der Wettkämpfe auf der Galopprennen bei Baden-Baden tödliche Verletzungen erlitten hatten. Zuerst starb der vierjährige Wallach Rex Carver an einem Aortaabriss, einem Platzen der Hauptschlagader, das zum sofortigen Tod führt. Ein Unglück, das man auch in anderen Pferdesport-Disziplinen kennt. Dann erlitt die vierjährige Stute Buttleupbuttercup im Rennen einen Fesselbeinbruch.
„Die Veterinäre haben entschieden, das Pferd sofort zu erlösen“, sagte der Geschäftsführer von Baden Galopp, Stephan Buchner, der die Vorwürfe von PETA energisch zurückweist. „Alle Reiter und Trainer haben bestätigt, dass der Unfall nichts mit der Bahn zu tun hatte, das Geläuf war tadellos. Ein solches Unglück hätte auch auf der Koppel geschehen können.“

Seit 2021 ist Baden Galopp als Veranstalter tätig. „In dieser Zeit sind rund 5000 Pferde gelaufen, wir hatten vier Todesfälle, von denen natürlich jeder einzelne für sich tragisch ist“, so Buchner. Verletzungen im Sport seien aber nie völlig auszuschließen. Für PETA trotzdem Grund genug, Pferderennen zu brandmarken. „Es ist unethisch, auf Pferden zu reiten“, heißt es auf der Website der Organisation. Dort werden sieben Disziplinen aus dem Reitsport als „Tierquälerei“ bezeichnet – neben Galopp- und Trabrennen zum Beispiel auch Springreiten oder Voltigieren.
Dem Zuspruch für die „Große Woche“ in Baden-Baden taten die Vorfälle aber keinen Abbruch. Knapp 60.000 Menschen besuchten die fünf Renntage des noch immer wichtigsten Galoppmeetings in Deutschland. Am Finalsonntag waren es allein 18.000 Zuschauer. „Bei den Sitzplätzen waren wir praktisch ausverkauft“, sagte Buchner. Gerade das zweite Wochenende des Meetings sei mit Blick auf den Sport, das Finanzielle und das Rahmenprogramm nahezu perfekt gelaufen. „Viel besser geht es angesichts unserer Möglichkeiten nicht.“
Wichtiger Gradmesser für die Stimmung
Der Wettumsatz betrug insgesamt mehr als 4,1 Millionen Euro, eine knappe Million kam davon aus dem Ausland. Beim Veranstalter bleiben bei Auslandswetten vier bis fünf Prozent hängen, bei den im Inland, vor allem vor Ort getätigten Wetten, sind es rund 20 Prozent.
Die „Große Woche“ gilt als wichtiger Gradmesser für die Stimmung in der Branche. In den Wochen davor hatte es einige Renntagsausfälle gegeben – aus unterschiedlichen Gründen: zu wenige Starter in Dortmund, zu trockenes Geläuf in Halle und Wildschweinschäden in Düsseldorf. Da richtete sich der Blick besonders nach Baden-Baden: „Wir sollen für Aufbruchstimmung sorgen und haben das auch gemacht“, sagte Buchner. „Wir haben gezeigt: Pferderennen sind ein Hobby mit vielen Emotionen.“
300.000 Euro Preisgeld – woanders gibt es viel mehr
Besonders die deutschen Siege in den sechs Topprüfungen des Meetings, den Gruppe-Rennen, wurden lautstark bejubelt. So setzten sich die vierjährige Stute Santagada, trainiert von Peter Schiergen, und der dreijährige Loucas aus dem Stall von Waldemar Hickst in den Gruppe-II-Prüfungen des vergangenen Wochenendes gegen starke internationale Konkurrenz durch. Im Hauptereignis, dem Großen Preis von Baden, über 2400 Meter waren die Gäste wie erwartet zu stark. Es siegte der in England von Roger Varian trainierte vierjährige Saddadd mit seinem Jockey Jack Mitchell vor dem Franzosen Parachutiste.
300.000 Euro betrug das Preisgeld in diesem Rennen – eine stolze Summe, dennoch bleibt das Thema Rennpreise ein entscheidender Faktor für den Fortbestand des Galoppsports in Deutschland. Von den Summen, die im Ausland aufgerufen werden, kann man in Deutschland nicht einmal träumen. Auf der Jahresversammlung der einflussreichen Besitzervereinigung während der „Großen Woche“ betonte deren Präsident Gerhard Baum die Bedeutung höherer Rennpreise, um die seit Jahren sinkende Zahl der Pferde im Training zu stabilisieren.
170 Pferde bei der Jährlingsauktion verkauft
Man habe ein Konzept vorgelegt, die Rennpreise in den nächsten Jahren kontinuierlich zu steigern. Von zwei bis drei Millionen Euro zusätzlich ist die Rede. Mit den Rennvereinen gemeinsam „auf Augenhöhe“ wolle man den Galoppsport führen, so Baum, der Besitzer, Züchter und auch Präsident des Rennvereins in Hannover ist.
Ungebremst ist hingegen die große Beliebtheit von Vollblütern aus Deutschland in anderen Regionen der Welt. Bei der Jährlingsauktion vergangene Woche in Iffezheim wurden 170 Pferde für insgesamt 9,4 Millionen Euro verkauft. Ein Rekordumsatz mit zwei Seiten, denn viele Käufer kamen aus dem Ausland, sodass diese Pferde womöglich nie auf einer deutschen Rennbahn zu sehen sein werden.
Die hohe internationale Nachfrage nach den jungen Pferden und die Begeisterung der Rennbahnbesucher stehen im Widerspruch zu den Zukunftssorgen des deutschen Galoppsports und der immer wiederkehrenden Kritik Außenstehender – die mit jedem neuen Unfall wächst.
