Der Zentralrat der Juden hat sich schockiert über den deutlichen Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geäußert. »Der Ausgang der Wahl ist noch offen, aber fest steht bereits: Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei ist in einem deutschen Bundesland nur knapp von der Alleinregierung entfernt«, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Welt. Die ersten Hochrechnungen am Wahlabend sahen die AfD mit mehr als 44 Prozent deutlich vor der CDU.
Schuster fügte hinzu: »Ich bin von diesem Wahlergebnis persönlich entsetzt.« Es sei in den vergangenen Monaten klar ersichtlich gewesen, welche Ziele die AfD verfolge. »Wer sie heute gewählt hat – trotz oder wegen dieser Ziele – trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis.«
Schuster sagte auch, er fürchte den Einfluss der AfD auf die Bildungspolitik. »Der Schaden, den die sogenannte Alternative für Deutschland jetzt anrichten würde, wenn sie in Verantwortung gelangt, ist immens.« Bildung sei der wichtigste Grundstein für den Erhalt einer offenen Gesellschaft und den Kampf gegen Antisemitismus, sagte Schuster.
Knobloch fordert größeren Einsatz »echter Demokraten«
Auch die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, äußerte sich entsetzt. »An Tagen wie diesem fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen«, sagte die 93 Jahre alte Holocaust-Überlebende. »Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können.«
»Das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt ist ein Zeichen, dass die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert – und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst«, so Knobloch weiter. Sie forderte »die vielen echten Patrioten« auf, nach diesem Wahlsonntag aktiver zu werden. Besonders die Parteien der demokratischen Mitte, die in Sachsen-Anhalt kaum durchdringen konnten, dürften dem Verfall nicht länger zusehen, so Knobloch.
Von Angst sprach auch die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, Eva Umlauf. Die 83-jährige Auschwitz-Überlebende zog Parallelen zum Aufstieg der NSDAP in den frühen 1930er Jahren in Deutschland. »Dieses Wahlergebnis macht uns Angst«, sagte sie. Dass noch einmal in einem deutschen Landesparlament eine rechtsextreme Partei als stärkste Fraktion Platz nehmen wird, »hätten wir als Überlebende des Holocaust nie für möglich gehalten«, so Umlauf.
Kirchen besorgt über AfD-Wahlergebnis
Der Bischof der mitteldeutschen Landeskirche, Friedrich Kramer, sprach über eine Spaltung des Landes. Das Ergebnis zeige sehr klar, »dass ein Riss tief durch die Gesellschaft geht«, sagte der evangelische Theologe im ARD-Brennpunkt. Für alle, die Regierungsverantwortung übernehmen, werde es schwer, eine Regierung zu bilden, »die alle Menschen mitnimmt«, sagte Kramer. Es gehe jetzt darum zu schauen, wie man wieder zusammenkommen könne, sagte er. Kramer räumte dabei aber ein, dass es schwierig werde.
Der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, warnte bei einer Bistumswallfahrt auf dem Gelände des Klosters Huysburg bei Halberstadt am Wahltag vor der Zunahme von Vorurteilen, Abgrenzungen und Eigeninteressen. »Gegenwärtig heißt das wohl in besonderer Weise, dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen«, sagte er. Einige Kirchengemeinden in Sachsen-Anhalt hatten angekündigt, am Sonntag oder in den kommenden Tagen ihre Türen für Gebet und Einkehr zu öffnen.
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Stimmenverteilung: Hochrechnung
76,9 % Wahlbeteiligung • Stand: 21.49 Uhr • -
Mögliche Koalitionen
Mehrheit mit 42 Sitzen
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(Duldung)
43 Sitze
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(Duldung)
40 Sitze
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32 Sitze
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Wahlkreise
1 / 41 ausgezählt

