
Über Vielfalt, Menschenrechte, Konflikte und nachhaltige Entwicklung diskutieren Jugendliche in den internationalen Feriencamps der Organisation CISV. Englisch ist Campsprache, doch Sprachreisen sind die Freizeiten nicht. „Es geht um aktive Friedensbildung unserer Jugend“, sagt Nina Ennerst, die dem Vorstand des CISV-Ortsvereins Mainz-Wiesbaden angehört.
Jeweils in den Schulferien reisen dafür mehrere Jugendliche und eine Betreuungsperson als „Delegation“ in ein Feriencamp. Dort treffen sie Gleichaltrige aus anderen Ländern, essen, spielen und diskutieren mit ihnen. Dabei sollen sie sich zu „aktiven Weltbürgern“ entwickeln: Hinter diesem Konzept steht die 1950 von der amerikanischen Kinderpsychologin Doris Twitchell Allen gegründete Organisation.
Statt des Namens „Children’s International Summer Village“ nutzt der Verein heute nur noch die Abkürzung CISV. Die politisch und religiös unabhängige Organisation gibt es inzwischen in mehr als 60 Ländern. Der Ortsverein Mainz-Wiesbaden führt das Konzept seit 1983 fort und zählt rund 450 Mitglieder.
CISV richtet sich an Heranwachsende von elf bis 17 Jahren. In den „Villages“ für Elfjährige planen Erwachsene die Aktivitäten und führen die Kinder spielerisch an interkulturelle Begegnungen heran. Mit dem Alter wächst ihre Eigenständigkeit: Die zwölf bis 15 Jahre alten Jugendlichen gestalten die Programme zunehmend selbst, von 16 Jahren an bestimmen sie Themen, Ziele und Alltag.
Niemand steht in den Camps vorne und erklärt den Teilnehmern die Welt, sagt Ennerst. Stattdessen tauschen sich die Teilnehmer aus, diskutieren und lernen voneinander. Die Gruppen arbeiten meist in vier Schritten: Zuerst spielen sie, debattieren oder lösen eine andere Aufgabe. Danach sprechen sie über ihre Erfahrungen, übertragen das Thema auf ihren Alltag und sammeln zum Schluss Ideen für ihr eigenes Handeln.
Der Verein verlangt keine Tests oder besondere schulische Leistungen. Interessierte Familien melden ihre Kinder beim Ortsverein an. Bei einem Kennenlernwochenende prüfen die Verantwortlichen, welche Kinder miteinander auskommen, und bilden die Delegationen. Anschließend bereiten sich die Gruppen an mehreren Wochenenden auf die Reise vor. Die Betreuungspersonen besuchen zusätzlich eine viertägige Schulung.
„Wer miteinander befreundet ist, führt keinen Krieg gegeneinander“
Seit der Corona-Zeit fällt es Ennerst zufolge schwerer, Eltern und Kinder für eine mehrwöchige Reise zu gewinnen. Besonders bei Reisen nach Übersee zögerten viele Familien. Außerdem suche der Ortsverein Ehrenamtliche, die dauerhaft mithelfen.
Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Teilnahmegebühren decken Reise, Unterkunft und Verpflegung. Wie hoch die Beiträge sind, unterscheidet sich je nach Reiseziel und -länge. Ein vierwöchiges Camp in Übersee kostet ungefähr 2500 Euro, rechnet Ennerst vor. Familien mit geringen Einkommen können finanzielle Unterstützung erhalten. Der Grundgedanke des Vereins? „Wer miteinander befreundet ist, der führt keinen Krieg gegeneinander.“
Informationen unter: www.cisv.de/mainz-wiesbaden. Der nächste Informationstag findet am 22. November von 11 bis 12.30 Uhr im Café Liesbeth, Am Zollhafen 1 statt.
