Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, hat vor den wirtschaftlichen Folgen eines Wahlsiegs der Rechtspartei in Sachsen-Anhalt gewarnt. Sollte die AfD nach der Landtagswahl an die Regierung kommen, könnte dies dringend benötigte Fachkräfte abschrecken und somit schwere wirtschaftliche Folgen haben, sagte die Ökonomin. »Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde«, sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung dem Kölner Stadt-Anzeiger.
Die Münchner Ökonomie-Professorin wies darauf hin, dass in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren viele Arbeitskräfte in Rente gehen. »Ohne Zuzug von außen werden deshalb bald viele Fachkräfte fehlen«, sagte Schnitzer. »Und ohne ausreichend Fachkräfte bleiben dringend benötigte Investitionen aus.«
Vor ein paar Tagen hatte bereits der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Reint Gropp, die ökonomischen Folgen des Wahlausgangs für das Bundesland thematisiert. Sollte die AfD die Wahl in Sachsen-Anhalt gewinnen und weiter Stimmung gegen Zuwanderer
machen, würden dort »Tausende zusätzliche Stellen unbesetzt bleiben«, sagte Gropp. »Das Land würde spürbar an Wohlstand verlieren.« In den vergangenen Jahren habe vor allem der Zuzug von Ausländern den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt stabilisiert, hieß es in einer Studie des IWH.
Folgen für den Wirtschaftsstandort
Schon vor drei Jahren hatte Schnitzers ehemalige Kollegin Ulrike Malmendier vor Folgen für
den Wirtschaftsstandort Deutschland gewarnt, sollte die AfD in Deutschland weiter erfolgreich sein. Malmendier, die dem Sachverständigenrat bis Februar 2026 angehörte, hatte gewarnt, die »Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland werde nicht in
ausreichendem Umfang gelingen, wenn eine Abschottungspartei wie die AfD
immer größeren Zuspruch findet – und Polarisierung in den Vordergrund
rückt.«
Sachsen-Anhalt wählt heute einen neuen Landtag. Die jüngste Umfrage für das ZDF, die am Donnerstagabend veröffentlicht wurde, sieht die AfD bei 41 Prozent und die CDU bei 23 Prozent. Die Linke wird bei elfeinhalb Prozent gesehen und die SPD bei achteinhalb Prozent. Die Grünen könnten mit sechs Prozent wieder in den Magdeburger Landtag einziehen. Das BSW und die FDP lagen in der Umfrage unter der Fünf-Prozent-Hürde. Derzeit regiert in Sachsen-Anhalt eine Koalition aus CDU, SPD und FDP.
