Es bewegt sich etwas im Rheinland, von Köln nach Düsseldorf und von Berlin nach Köln. Manchmal läuft auch etwas in die falsche Richtung. nicht alles, was sich bewegt, ist erfreulich. Philipp von Rosen, lange Jahre mit profiliertem Programm unterwegs, musste kürzlich seine Galerie schließen: ein Verlust für die Szene. Es sei ökonomisch einfach nicht mehr weitergegangen, erklärt er im Gespräch. Für ihn selbst geht es als Experte im Auktionshaus Lempertz weiter. Ein anderer Kölner Galerist hat schon nach wenigen Monaten die Segel gestrichen und seine Räume, zuvor vom Kollegen Jan Kaps bespielt, an die Berliner Galerie Dittrich & Schlechtriem weitergegeben. Die zählt an diesem Wochenende zu den Teilnehmern der 18. DC Open, bei denen fünfzig Galerien aus Düsseldorf und Köln ihre Ausstellungen eröffnen.
Am Rhein gebe es die „tollsten und treuesten“ Sammler
André Schlechtriem, gebürtiger Troisdorfer und also Kölner, hat sich in Berlin gerade räumlich verkleinert und damit Ressourcen geschaffen, ein Kapitel am Rhein aufzuschlagen. Dort, erzählt er gegenüber der F.A.Z., könne er auf die „tollsten und treuesten“ Sammler neben jenen aus den Vereinigten Staaten zählen. Ohnehin kämen in den letzten Jahren immer weniger Interessenten in die deutsche Hauptstadt; mit Köln verbinden ihn noch immer die Erinnerungen seiner Großmutter an die Art Cologne in deren Blütezeiten. Schlechtriem wünscht sich für die Messe ein schärferes Profil.

Seine Zweigstelle im Belgischen Viertel plant er zunächst auf zwei Jahre und will hier ausdrücklich „als Berliner Galerie auftreten“, was glaubhaft nicht großsprecherisch gemeint ist. Sondern, wenn wir es recht verstanden haben, Reibung und Synergie produzieren soll, wenn etwa seine Künstlerinnen und Künstler mal direkt auf die rheinische Sammlerschaft treffen, auf ein Publikum mithin, das nicht ganz so woke sei wie das in Berlin. Den Auftakt macht Schlechtriem mit einer Schau von Zuzanna Czebatul. Sinnsprüche zwischen Bedeutsamkeit und Floskel prägt die 1986 im polnischen Miedzyrzecz geborene, in Berlin lebende Künstlerin wie mit Zuckerguss auf kleine oder riesige Herzen, die wie Lebkuchen aussehen, etwa: „Desire Dies in Fulfilment“, also „Das Verlangen stirbt in der Erfüllung“. Das tapetengroße Abbild von Kanzler Merz als Kleinkind in Verbindung mit einem Kunststoffpanzer draußen vor der Tür sei als Statement gegen allgemeinen Wehrdienst und Kriegstreiberei gemeint, erklärt der Galerist. Aha. Ob das den Weg in eine Sammlung im noblen Stadtteil Marienburg finden wird, soll sich erweisen. (Bis 24. Oktober; Preise 5000 bis 15.000 Euro)

Veränderung auch bei der Galerie van der Grinten, die nach 25 Jahren in Köln soeben nach Düsseldorf umgezogen ist. Einen solchen Wechsel rheinabwärts hat vor einer gefühlten Ewigkeit schon Linn Lühn mit ihrer Galerie vorgemacht und ihn offenbar nicht bereut. Hier, in Flingern, gibt es inzwischen nicht nur ein gewisses Prenzlauer-Berg-Flair, sondern, so das Galeristenpaar van der Grinten unisono, auch „eine Situation“, die man in Köln seit Langem vermisse: einen „Distrikt“ mit einer Ansammlung von Galerien, inklusive Spaßfaktor beim Hopping. Außerdem nennt Franz van der Grinten ein Argument für die Landeshauptstadt, das aus unterschiedlichen Quellen zu vernehmen ist: Immer wieder treten kaufkräftige, lokale Sammler wie aus dem Nichts in Erscheinung, die niemand auf dem Zettel hatte. Ihre neuen Räume in einem Ladenlokal eröffnet die Galerie mit opulenten Fotoarbeiten von Valérie Belin. Die 1964 in Boulogne-Billancourt geborene Künstlerin konstruiert in aufwendigen Shootings mit professionellen Models alle erdenklichen Klischees und Stereotypen von Schönheit, die der modernen Frau aufgenötigt werden. Diese schweben in Metropolis-ähnlicher Urbanität, in flirrenden Motivcollagen und dürften auch solche Käufer finden, die sich eher betören lassen wollen, als eine knallharte Gesellschaftskritik darin zu erkennen. (Bis 7. November; Preise 14.300 bis 37.500 Euro)
Eine exzellente Werkschau von Louise Bourgeois
Keine Veränderung gibt es aus dem Kölner Stammhaus der Galerie Karsten Greve zu vermelden – sie bleibt sich stoisch treu in der Qualität der Ausstellungen mit ihren Klassikern, dieser Tage mit einer exzellenten Werkschau von Louise Bourgeois. Die rund fünfzig Skulpturen, Zeichnungen, Aquarelle aus dem Zeitraum seit 1947 stammen aus dem Besitz des Galeristen, der sie nach eigenem Bekunden samt und sonders von der Künstlerin selbst erworben hatte. Die Schau könnte jederzeit in jedwedes Museum wandern. Man könnte meinen, der Händler beschenke sich selbst damit zu seinem anstehenden achtzigsten Geburtstag am 15. September. Darunter Marktraritäten wie die schlanken, vertikalen Skulpturen um 1948, die mit Preisen um zwei Millionen Euro veranschlagt sind. Entstanden in einer Auflage von sechs Exemplaren, habe Bourgeois sie niemals auf einen Schlag produziert, sondern stets auf Nachfrage und dabei immer auf einen Rest von Individualität des Objekts Wert gelegt: Das sei „der Witz dabei“ gewesen, eine Lieblingswendung des Galeristen.

Er wolle aus der Ausstellung „begrenzt verkaufen“, sagt Greve und kommt – auch darin hat er sich über die Jahre und Jahrzehnte so gar nicht geändert – ins Monologisieren über die Auswüchse und Abwege des heutigen Kunstmarkts, ledert gegen modische Boutique-Galerien und mangelnde Kompetenz in den Museen; berichtet aber auch über verworfene Pläne, ein „Sommermuseum am Südende der Toskana“ einzurichten. Preise nennt er nur als Resultat langer Ausführungen darüber, wie schwierig es sei, sie zu bestimmen, so jene 1,8 Millionen Euro für eine kleine, im Raum hängende Stofffigur in Rosa namens „Arch of Hysteria“ aus dem Jahr 2000, die schon viele Museumsausstellungen bereichert hat, darunter die großartige Retrospektive in der Londoner Tate modern von 2007.
Vieles in der gegenwärtigen Kölner Schau kreist, wenig überraschend, um die Spinne, die Frau, die Mutter. Auf das Jahr 2004 geht ein farbleuchtendes Aquarell mit einem Meer aus wogenden Brüsten zurück, auf 1998, sehr wohl überraschend, ja schockierend, ein Miniaturgalgen, an dem die Figur einer Frau baumelt: „The Suicide“. Krass. Wie ein Verstärker dieser eindrücklichen Galerieausstellung. (Bis 7. November)
