
Man kennt das aus alten Römerstädten wie Trier: Wer seinen Garten umgräbt, muss immer mit Funden rechnen, die Archäologen auf den Plan rufen. Skandinavien ist zu groß dafür und zu dünn besiedelt, dass die Chance für solche Bodenfunde in rauen Mengen bestünde. Und doch sind dort in den letzten Jahren immer wieder verborgene Schätze zufällig ans Licht gekommen, die aus der Zeit vor oder während der Christianisierung stammen. Es sind die Jahrhunderte, in denen Europa, vor allem der Norden, den Überfällen der Wikinger ausgesetzt war, die mit massiven Plünderungen einhergingen.
Nun ist im nordjütländischen Dorf Rebild ein ungemein reicher Hort entdeckt worden, der aus Münzen, Juwelen, Schmuck, Silberbarren und Hacksilber besteht und ursprünglich in einem Keramikgefäß geborgen wurde. Insgesamt beträgt das Gewicht 18,5 Kilogramm. Der Finder, ein Hausbesitzer aus Rebild, stieß auf den Schatz, als er in seinem Garten eine Terrasse anlegen wollte.
Der Hort, der englische und arabische Münzen enthält, wird auf das 10. Jahrhundert datiert. In Dänemark herrschen in dieser Zeit Könige wie Gorm der Alte und Harald Blauzahn, der sich um 965 taufen lässt und sein Reich christianisiert, was sein Sohn Sven Gabelbart, der ihn in der Schlacht besiegt und sein Nachfolger wird, wieder rückgängig zu machen versucht. Seine Nachbarn in Schweden und Norwegen dagegen führen das Christentum ein, auch das ferne Island.
Hortfunde verweisen fast immer auf stürmische Zeiten. Dieser ist der größte je in Dänemark entdeckte Silberschatz aus der Epoche der Wikinger. Ein Barren trägt eingeritzte Runen, die von den Archäologen als „Hutu“ gedeutet werden. Möglicherweise ist das der Name des Besitzers. Wer immer das war, er ist nicht mehr dazu gekommen, seine sorgfältig versteckte Habe wieder an sich zu bringen.
