
Die Polizei fahndet weiter mit Hochdruck nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. Nach Angaben der Polizei Köln dauerte die Suche nach dem 48 Jahre alten Mann am Samstagmorgen an. Die Vorfälle konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen, wobei ein Zusammenhang noch untersucht wird. In allen drei Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt.
Am Freitag hatten Beamte in der Wohnung des Tatverdächtigen im nordrhein-westfälischen Gevelsberg Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando am Nachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden.
Im Süden Brandenburgs ging es los
Am Dienstagmorgen hatte es zunächst im Süden Brandenburgs einen Angriff auf die Stromversorgung gegeben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde mit mehr als 20 selbst gebauten Raketen leitfähiges Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen im Umspannwerk Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde gelenkt. In zwei Fällen kam es zu einem Kurzschluss. Einen Stromausfall gab es nach Angaben des Netzbetreibers nicht. Die Polizei ermittelt nach der Sabotage des Stromnetzes unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.
Am selben Abend kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln. Auch hier wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Laut RWE Power gingen fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke an den Kraftwerksstandorten Niederaußem und Neurath vom Netz. Mehrere davon gingen später wieder in Betrieb, einer soll aber erst kommende Woche wieder ans Netz gehen. Die allgemeine Stromversorgung war aber jederzeit gesichert.
Am Donnerstagabend entdeckte ein Spaziergänger an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf mutmaßliche Abschussvorrichtungen und alarmierte die Polizei. Nach einem Hinweis aus einem Bekennerschreiben suchte die Polizei am Freitag auch das Gelände rund um das Kraftwerk Weisweiler bei Aachen ab.
Am Freitagabend gab es dann bei einer Stromanlage in Hamm einen größeren Polizeieinsatz. Ein Sprecher der Polizei sagte, es handele sich um eine ehemalige Stromanlage, die seit längerem außer Betrieb sei.
Neuer Fall in Sachsen
Auch in Ostsachsen entdeckte die Polizei insgesamt zwölf Sprengvorrichtungen im Bereich von Hochspannungstrassen. „Diese sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen“, teilten die Sicherheitsbehörden mit. Fündig wurden die Ermittler südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen sowie östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife. Die Orte befinden sich in der Lausitzer Braunkohleregion nahe der Grenze zu Brandenburg.
Am Freitag war es in der Region zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen. Auslöser waren „behördenübergreifende Informationen“ und die Meldung eines aufmerksamen Bürgers. Aktuell werde eine Verbindung zu den anderen Fällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprüft, teilten die Polizei und die Generalstaatsanwaltschaft Dresden mit.
