Bis zu dieser Ausstellung ist es ein weiter, ein steiniger Weg gewesen. Und bis zu diesem Jubiläum, das nun Stadt und Stiftung angemessen feiern mit dieser sehenswerten Schau. Nicht nur, weil „wir erst jetzt in der Lage sind“, wie Ingrid Ehrhardt sagt, „eine stimmige Chronologie herzustellen“. Und also die wichtigsten Künstler, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Kronberg wirkten, „wenigstens mit einem guten Bild“ vorzustellen. Das auch. Ist doch die hauseigene Sammlung mit den Werken der Mitglieder einer der ältesten Künstlerkolonien in Deutschland erst in den vergangenen 15 Jahren auch qualitativ bemerkenswert gewachsen.
Jetzt ist das Depot voll, wie eine strahlende Ingrid Ehrhardt sagt, die seit 2007 am Haus tätig ist. Und so kann die künstlerische Leiterin des Museums in der Villa Winter mit der „Auswahl aus 25 Jahren Sammelleidenschaft“ zum Geburtstag der gleichnamigen Stiftung den Besuchern zahlreiche wichtige Neuerwerbungen vorstellen. Die Anfänge aber waren alles andere als einfach. Dabei hatte sich die aus bürgerschaftlichem Engagement entstandene Museumsgesellschaft Kronberg, aus der die 2001 gemeinsam mit der Stadt etablierte Stiftung hervorgegangen ist, bereits 1979 gegründet. Doch bis 2018 das Museum in der Villa des Malers Heinrich Winter eröffnet werden konnte, verfügte man zunächst über kaum mehr als ein Büro.
Die Gesellschaft organisierte gelegentliche Ausstellungen in der Receptur, zog später in die Streitkirche und etablierte dort allmählich einen regelmäßigen Betrieb. Doch bedenkt man die Aufmerksamkeit, mit der vergleichbare Kolonien wie Dachau, Ahrenshoop und selbst Willingshausen bedacht wurden – von Worpswede ohnehin zu schweigen –, führte Kronberg lange Zeit ein Schattendasein. Dabei stimmt schon, war in Kronberg trotz der zahlreichen, vorwiegend aus Frankfurt stammenden Künstler, die teils die Sommermonate hier verbrachten, teils wie Anton Burger ganz in den Taunus zogen, um vor der Natur zu malen, bei allem Zwist mit den als konservativ geltenden Akademien nicht die Avantgarde zu Hause.
Schon für Dielmanns Rheinbilder lohnt sich der Besuch
Die Jubiläumsausstellung kaschiert das denn auch keineswegs. Sondern beginnt den Rundgang kaum zufällig mit Jakob Beckers „Glücklicher Familie“ aus dem Jahr 1855. Dabei war Becker als Protagonist der Düsseldorfer Malerschule zwar mit Jakob Fürchtegott Dielmann befreundet, der neben Burger und Philipp Rumpf zu den Kolonisten der ersten Stunde gehört. Und als Lehrer an der Städelschule zählten zahlreiche Kronberger zu seinen Schülern. Mit der Plein-air-Malerei aber nach dem Vorbild der Schule von Barbizon, mit der Théodore Rousseau und Jean-François Millet, Camille Corot oder Charles-François Daubigny den Pariser Salon herausforderten und bald die Malerei revolutionieren sollten, hatte er im Grunde nichts zu schaffen.
Noch weniger als Burger oder Dielmann, wie man sagen muss, die zwar tatsächlich vor der Landschaft malten. Hinsichtlich ihrer Palette aber, so kann die Ausstellung eindrucksvoll zeigen, standen sie mit ihren pittoresken Genreszenen und den dunkeltonigen Taunusblicken eher in der Tradition der niederländischen Malerei. Unterdessen ist Dielmann neben dem einen oder anderen typischen Genregemälde mit einer lange nicht gezeigten Auswahl seiner auf einer Rheinreise entstandenen Aquarelle vertreten, die sein mitunter etwas biedermeierlich anmutendes Werk in direkter Nachbarschaft zur Rheinromantik verorten. Und schon diese Folge kaum postkartengroßer, in den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts entstandener Blätter lohnt ganz allein den Besuch.

Farbiger, heller, leuchtender, in einem Wort: moderner zeigen sich Kronberg und die Hügel des Taunus, die beim meist Frankfurter Publikum so beliebt waren, dass ein Künstler wie Burger seine Ansichten immer wieder variierte, erst im Werk der Nachfolger. Bei Peter Burnitz etwa, der erst in Barbizon überhaupt zum Maler wurde; bei den jüngeren Künstlern auch wie den Burger-Schüler Nelson Kinsley und Fritz Wucherer, dem letzten, erst 1948 gestorbene Kolonisten. Wucherers Malerei allerdings, auch daran lässt die Ausstellung mit einer Auswahl seiner Gemälde und den in Auvers-sur-Oise entstandenen Skizzenbüchern keinen Zweifel, war nie moderner als während seines zweijährigen Frankreichaufenthalts in den späten Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts.
Dem Einfluss der Malerfürsten zu entkommen, war denn auch für zahlreiche Kronberger die größte Herausforderung auf dem Weg zum entschieden eigenständigen, von allem Epigonenhaften befreiten Werk. Auch Eugenie Bandell etwa emanzipierte sich erst allmählich von der stilprägenden Malweise ihres Lehrers Wilhelm Trübner. Und Philipp Franck, wie Kinsley und Wucherer einer der zahlreichen Schüler Anton Burgers, zog es schließlich sogar vor, Kronberg und den Taunus nicht nur für ein, zwei Studienjahre zu verlassen. Um sich weiterzuentwickeln und insbesondere um der Bevormundung des Lehrers zu entgehen.
„Wenn ich meine Bilder und Studien zu ihm brachte“, so ist es von Franck überliefert, „wurden sie durch seine Korrektur verburgert. Er malte wohl auch hinein und darüber, was mir entsetzlich war, was ich aber leiden musste, da er keinen Widerspruch ertrug.“ Franck zog die Konsequenzen, ging von Kronberg zunächst nach Düsseldorf und später nach Berlin, wo er mit Max Liebermann und Lovis Corinth zu den Gründern der Berliner Secession gehören sollte. Der entschlossene Aufbruch in die Moderne, so zeigt die Jubiläumsschau ganz nebenbei, er fand dann doch vor allem abseits des Taunusstädtchens statt.
