Mit Eis um seine Achillessehne humpelte der ausgewechselte Deniz Undav nach dem 4:1 des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Köln auf den Rasen. Kommentarlos verschwand der rund um die Fußball-WM gehypte Nationalstürmer später aus der Arena.
Marokkos WM-Teilnehmer Bilal El Khannouss wehrte sich dagegen nach einer herausragenden Leistung gegen Vergleiche mit Argentiniens Superstar Lionel Messi. Und Ermedin Demirovic sprach eindrucksvoll offen über «schlaflose Nächte», nachdem er wie El Khannouss die passende Antwort auf Abschiedsgerüchte gegeben hatte.
In der Offensive sind die hoch gehandelten Schwaben auffallend stark besetzt. Das zahlte sich beim ersten Bundesliga-Sieg in dieser Saison eine Woche nach dem heftigen 1:5 beim FC Bayern München aus. Der herausragende El Khannouss, aber auch Demirovic zeigten, warum es wichtig für die Schwaben ist, dass sie geblieben sind. Dass Undav hinter seinen Offensivkollegen verblasste und ihm die Achillessehne Probleme bereitet, fiel nicht ins Gewicht.
Demirovic grübelte: «Bin ich so unerwünscht?»
«Ich wollte einfach wieder den Respekt auf meinen Namen bringen», sagte Demirovic. Sein Tor war eine Willensleistung, mit der er sich den Frust der vergangenen Wochen von der Seele lud.
Es habe zu viel Gerede über ihn als Verkaufskandidaten gegeben, meinte der 28-Jährige. Auch nachdem er gesagt habe, dass er in Stuttgart bleiben und keinen Ausweg suchen möchte, habe es nicht aufgehört. «Natürlich kommst du dann irgendwann in eine Phase, wo du sagst: “Muss ich mich jetzt wirklich umschauen? Bin ich so unerwünscht?”».
In der Offensiv-Hierarchie war Demirovic hinter Undav und 25-Millionen-Neuzugang Dzenan Pjecinovic gerutscht, der beim 4:0 im DFB-Pokal bei Hansa Rostock eine Dreierpack-Gala abgeliefert hatte. Immer wieder war in der Sommerpause spekuliert worden, ob der WM-Teilnehmer Bosnien-Herzegowinas den Verein verlasse. Kurz vor Ende der Transferphase soll Galatasaray Istanbul Interesse gehabt haben.
Gespräch mit Hoeneß war mit entscheidend
Mit vielen intensiven Gesprächen und «mit viel Kopfschmerzen» habe er sich entschieden, in Stuttgart zu bleiben, schilderte der Stürmer. Trainer Sebastian Hoeneß habe ihm das Gefühl gegeben, wichtig zu sein und ihn halten zu wollen. «Dann habe ich dem Trainer eigentlich auch keine andere Wahl gelassen.»
Gegen Köln begann Demirovic auf der Bank, wurde aber für Undav eingewechselt (70.). Nur fünf Minuten später tankte er sich energisch auf der rechten Seite durch und vollendete aus spitzem Winkel. Er drängte sich damit auch für einen Einsatz am Mittwoch auf. Gegen den norwegischen Club Viking Stavanger startet der VfB in die Champions League.
Sonderlob von Hoeneß für herausragenden El Khannouss
El Khannouss brillierte gegen die Kölner bereits vor Demirovic’ Alleingang zum zwischenzeitlichen 3:0 (75. Minute) mit einem Solo. «Weltklasse» und «eine Augenweide», schwärmte Hoeneß über das erlösende 1:0. Sehenswert hatte sich der Marokkaner (39.) durch die Kölner Defensive gedribbelt. «Du kannst niemanden mit Messi vergleichen», so der 22-Jährige. «Es war Instinkt.»
Die Spekulationen nach der Fußball-Weltmeisterschaft würden ihn nicht beeinflussen. «Es gab Angebote», bestätigte die Offensivkraft. «Der ganze Trubel kommt von außen. Solange nichts aus meinem Mund kommt, lebe ich einfach mein Leben». Er mache seinen Job und genieße den Fußball.
Stuttgart sei für ihn der richtige Ort. «Wir spielen Champions League. Ich habe schon alles in meiner jungen Karriere gespielt. Das Einzige, was fehlt, ist die Champions League. Es ist ein Kindheitstraum.» Auf die Königsklasse hat auch Demirovic Bock: «Wir haben einiges vor.» Im Moment gebe es «nicht viel Besseres» als den VfB Stuttgart. Auch deswegen ist er geblieben.
© dpa-infocom, dpa:260905-930-637406/1
