Vier Spiele, vier Siege, nur zwei Gegentore: In der Regionalliga hätte der Saisonstart aus Sicht von Kickers Offenbach kaum besser verlaufen können. Zur Erinnerung: Noch im Frühjahr war der OFC der Hessenliga deutlich näher als einer Rückkehr in den Profifußball. In der Liga war Abstiegskampf angesagt, im Hessenpokal verpasste er den Einzug ins Finale – das auch noch im heimischen Stadion stattfand.
Einige Monate später reist Offenbach mit makelloser Bilanz und viel Selbstvertrauen zur nahen Auswärtspartie beim FSV Frankfurt an diesem Samstag (14.00 Uhr). Was passiert da gerade am Bieberer Berg?
Johannes Brinkies, seit 2023 in Offenbach und seit dieser Saison Kapitän, sieht in der (neuen) Spielweise einen entscheidenden Faktor. Diese, so der 33 Jahre alte Torwart, „ist von Energie, von Intensität geprägt. Aktuell macht uns das stark. Es ist natürlich sehr anstrengend – für den Gegner aber auch. Wir haben das Rüstzeug dafür, das nötige Fitnesslevel.“
Zum Auftakt bezwang der OFC Walldorf (2:1). Es folgten Erfolge in Ulm (2:0) sowie gegen die Zweitvertretungen aus Mainz (3:1) und Kaiserslautern (4:0). „Die Siege sind uns nicht in den Schoß gefallen. Wir haben eine ganze Menge dafür getan“, sagt Brinkies der F.A.Z. Für den ehemaligen Zwickauer indes kein Grund für markige Ansagen: „Eine große Klappe tut uns nicht gut. Wir sollten demütig bleiben.“
Der neue Trainer kam im Frühjahr nach Offenbach
Ein gehöriger Anteil an jener bemerkenswerten Entwicklung gebührt dem Trainer. Mark Zimmermann kam nach Stationen in Jena, Köln und Halle im März nach Offenbach. Um Sicherheit und Geschlossenheit sei es anfangs gegangen, erinnert sich der ehemalige Bundesligaprofi (Spielvereinigung Unterhaching): „Alle haben gesagt: Es ist geil, vor vielen Zuschauern zu spielen. Letztendlich habe ich aber das Gegenteil gespürt. Es war eher ein Rucksack, der die Spieler mehr gehemmt als gepusht hat. Das hatte aber nichts mit den Fans und der Erwartungshaltung zu tun, sondern mit der eigenen Herangehensweise: Was kann ich tun?“
In den verbleibenden elf Partien konnte unter seiner Leitung der Klassenverbleib gesichert werden; im Sommer verließen den Verein dann prägende Akteure wie Marc Wachs oder Ron Berlinski, der mit zwölf Toren erfolgreichste Angreifer des Vorjahres.
Neu zum Kader stießen unter anderem Maximilian Wolfram (1860 München), Maximilian Schmid (Aue) sowie Benedikt von Hagen. Ihnen gelangen in der noch jungen Serie schon jeweils drei Treffer. Von Hagen, in der Vorsaison noch eine Klasse tiefer für Rot-Weiss Walldorf am Ball, spielte in der Jugend für Kickers Offenbach. „Es ging darum, mehr Identifikation zu schaffen. Jungs zu holen, die schon beim OFC waren. Wir wollten eine gewisse Balance im Kader haben zwischen Jung und Alt“, erklärt Zimmermann.

Dem aufstiegserfahrenen Trainer – 2017 führte er Carl Zeiss Jena in die 3. Liga – schwebt eine aktive, zielstrebige Herangehensweise vor. Statt einer konkreten Platzierung hat er andere Ziele im Blick: „Wir schauen, dass wir die Leute wieder ins Stadion bekommen. Sie sollen Freude haben, auf den Bieberer Berg zu kommen. Diesen Auftrag haben wir uns auf die Fahne geschrieben.“ Waren bei den ersten beiden Heimspielen etwas weniger als 6000 Fans im Stadion, kamen gegen den 1. FC Kaiserslautern II schon mehr als 7700.
„Was wollen wir anders machen?“ Um jene Frage sei es nach der verkorksten Saison 2025/26 gegangen. Zimmermanns Antwort: „Es geht darum, eine Erwartungshaltung zu entwickeln, die nicht von Ergebnissen und dem Tabellenplatz abhängig ist. Es geht darum, den ersten und zweiten Schritt zu machen – und nicht zu schauen: Wie sieht die Erwartungshaltung im Umfeld aus? Nur dadurch, dass wir davon reden, ist die Arbeit nicht verrichtet.“
Es sei „immer etwas möglich“, wenn sich der OFC stabilisiere und weiterentwickle, so der 52 Jahre alte Coach. „Es macht aber keinen Sinn, über Ziele am 34. Spieltag zu sprechen, wenn gerade der vierte Spieltag vorbei ist.“
Ihre bislang letzte Drittligapartie, ein schmuckloses 0:0 in Heidenheim, absolvierten die Offenbacher vor einer gefühlten Ewigkeit, am 18. Mai 2013. Könnte am Ende der 14. Regionalliga-Spielzeit seit dem damaligen Abstieg die Rückkehr gelingen? Gewiss hat der spektakuläre Start Hoffnungen geweckt.
Aber: Der OFC hat seine Siege gegen jene Klubs geholt, die nach vier Spieltagen auf den letzten vier Tabellenplätzen zu finden waren – und muss jene beachtliche Frühform über eine lange Saison bestätigen. Die Äußerungen des Trainers und seines Kapitäns sind also eine realistische Einordnung der Lage.
Noch „eine Ewigkeit“ seien sie davon entfernt, „über solche Sachen wie die dritte Liga zu reden“, betont Brinkies wenige Tage vor dem Duell am Bornheimer Hang. Dieser war zuletzt ein gutes Pflaster für die Gäste. Sowohl 2024 (1:0) als auch 2025 (2:1) kam der Sieger des Nachbarschaftsduells aus Offenbach.
