
Das Dramatische an den plötzlich so positiven Konjunkturprognosen ist nicht, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um rund 1,3 Prozent zulegen könnte. Der Export in einer robusten Weltwirtschaft und der kräftige staatliche Griff in den Schuldensäckel zeigen ihre Wirkung; die Sorgen über hohe Energiepreise im Gefolge des Irankriegs haben diese Schubkräfte nur zeitweise überlagert.
Das Dramatische an den Prognosen ist vielmehr, dass die konjunkturelle Dynamik sich bis zum Jahr 2028 deutlich abschwächen soll. Für dann erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute im Schnitt nur noch ein Plus von 0,7 Prozent. Zurück zur traurigen Normalität, könnte man diesen Befund betiteln. Deutschland wird rasch an seine Wachstumsgrenzen stoßen.
Das trägt maximal zwei Jahre
Einiges an Produktionskapazität liegt nach Jahren der Rezession und Stagnation zwar brach und kann mit der Nachfrage des Staates und von außen in den kommenden Quartalen zunehmend genutzt werden. Die Konjunkturforscher sehen aber keine Chancen, dass diese konjunkturelle Dynamik länger als zwei Jahre trägt. Die schrumpfende Erwerbsbevölkerung und der seit Jahren sehr moderate Anstieg der Produktivität lenken die Wirtschaft unerbittlich auf einen flachen Wachstumspfad.
Dieser Befund zeigt, wie unverändert ernst die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist. Die Regierung darf sich über eine Eins vor dem Komma in den Wachstumstabellen freuen, aber Zeit zum Jubeln ist es nicht.
Die wirtschaftliche Erholung stützt sich in der Binnenwirtschaft bislang weit überwiegend auf den Staat und seine neuen Milliardenschulden, nicht aber auf die private Wirtschaft. Private Haushalte halten sich im Konsum zurück, weil hohe Energiepreise und die zunehmenden Belastungen aus den Reformpaketen tarifliche Einkommenszuwächse auffressen. Und die Hoffnung auf eine beginnende Belebung der privaten Ausrüstungsinvestitionen ist nicht mehr als das: eine Hoffnung.
An den Standortbedingungen, so der Befund nach mehr als einem Reformjahr, hat sich bislang wenig zum Guten und einiges zum Schlechten geändert. Auch das ist ein Zurück zur Normalität.
