Die amerikanische Feministin, Journalistin und Autorin Gloria Steinem ist tot. Sie starb am Mittwoch im Alter von 92 Jahren friedlich in ihrem Zuhause in New York, wie ihre Stiftung am Donnerstag auf Instagram mitteilte. Steinem sei von einigen der vielen Menschen umgeben gewesen, die sie geliebt hätten. Eine Todesursache wurde zunächst nicht genannt.
Steinem prägte die amerikanische Frauenbewegung über mehr als sechs Jahrzehnte und gehörte zu den bekanntesten Vertreterinnen der sogenannten zweiten Welle des Feminismus. Sie setzte sich für das Recht auf Abtreibung, die rechtliche Gleichstellung und die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen ein. Zudem drängte sie darauf, die Erfahrungen schwarzer Frauen und anderer Minderheiten stärker in die Bewegung einzubeziehen.
Sie wollte Frauen den Weg in politische Ämter ebnen
Nationale Bekanntheit erlangte Steinem 1963 mit einer Undercover-Reportage über den New Yorker Playboy Club. Für die Zeitschrift „Show“ arbeitete sie dort als sogenanntes Playboy Bunny und schilderte anschließend die Arbeitsbedingungen der Kellnerinnen. Ende der sechziger Jahre gehörte sie zu den Mitgründern des „New York Magazine“ und schrieb dort über Politik und gesellschaftliche Konflikte.

Eine Veranstaltung über die Erfahrungen von Frauen mit illegalen Abtreibungen führte Steinem 1969 tiefer in die feministische Bewegung. Sie hatte selbst im Alter von 22 Jahren in London eine damals illegale Abtreibung vornehmen lassen und schrieb darüber später in ihren 2015 erschienenen Erinnerungen „My Life on the Road“. Der Kampf um reproduktive Selbstbestimmung blieb ein Schwerpunkt ihrer Arbeit.
1971 gründete Steinem mit Politikerinnen und Aktivistinnen wie Bella Abzug, Shirley Chisholm und Betty Friedan den National Women’s Political Caucus, der Frauen den Weg in politische Ämter ebnen sollte. Im selben Jahr erschien „Ms.“ erstmals als Beilage des „New York Magazine“; 1972 kam das feministische Magazin als eigenständige Publikation auf den Markt. Es behandelte unter anderem häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Abtreibungsrechte und die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter. Steinem blieb der Zeitschrift über Jahrzehnte verbunden.
Obama verlieh ihr die Presidential Medal of Freedom
Gloria Marie Steinem wurde am 25. März 1934 in Toledo im Bundesstaat Ohio geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern kümmerte sie sich über Jahre um ihre psychisch erkrankte Mutter. 1956 schloss sie am Smith College in Massachusetts ein Studium der Politikwissenschaft ab. Anschließend ging sie mit einem Stipendium nach Indien, wo sie Formen politischer Basisarbeit kennenlernte. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie in New York als freie Journalistin.
Steinem war an der Gründung mehrerer Organisationen beteiligt, darunter die Women’s Action Alliance und das Women’s Media Center. Sie veröffentlichte zahlreiche Essays und Bücher und verstand sich zeitlebens vor allem als Schriftstellerin. 2000 heiratete sie den südafrikanischen Unternehmer und Umweltaktivisten David Bale, der 2003 starb.
US-Präsident Barack Obama verlieh Steinem 2013 die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Auch im hohen Alter schrieb sie weiter und lud Aktivistinnen und Aktivisten zu Gesprächsrunden in ihr New Yorker Haus ein. Diese Treffen sollten nach ihrem Willen fortgeführt werden, teilte ihre Stiftung mit.
