
Im Sommer 2022 hat der Sänger der Band Bukahara während der European Championships in München einen Versuch gewagt. Damit der Versuch nicht verfälscht wird, verschwieg er den mehr als 1000 Sportfans, die das Konzert im Olympiapark verfolgten, dass sie Teil eines Versuches sind. Vor einem Song sagte der Sänger, dass alle auf die Knie gehen sollen. Und als dann fast alle auf die Knie gegangen waren, sagte der Sänger zu den wenigen, die stehen geblieben waren: „Ihr seid die Stützen, die eine Gesellschaft braucht!“
Das führt ins Frankfurt der Gegenwart, wo in den nächsten Wochen eine Antwort darüber entscheidet, welche Spieler die Stützen in der Fußballmannschaft der Eintracht sind: Wer wird nicht springen?
In Deutschland dürfte kein Tag vergehen, an dem ein Vater oder eine Mutter das eigene Kind nicht fragt, ob es auch von der Brücke springen würde, nur weil die anderen Kinder das machen. Und es dürften zumindest keine zwei Tage vergehen, an denen ein Kind darauf nicht antwortet: Kommt drauf an, was darunter ist.
Nun könnte man in diesem Fall, in dem der eine Fußballmillionär zum anderen Fußballmillionär sagt, dass er vom Balkon springen solle, anmerken, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass unter dem Balkon ein Becken mit Goldmünzen steht. Wobei sich dann wiederum wohl der selbsternannte Business-Angel Mario Götze einschalten und einwerfen würde, dass Adler- nicht Entenhausen und Krypto das neue Gold ist.
Doch zurück zu dem Satz und der Denkweise, der er entsprungen ist. Bei seiner Vorstellung erklärte Riera direkt danach, warum seine Spieler vom Balkon springen würden, wenn er das sage: „Sie werden glauben.“ Aber woran? Daran, dass der Trainer immer recht hat? Daran, dass nur ein gehorsamer Spieler ein guter Spieler ist? Daran, dass die richtige Entgegnung auf den Befehl zum Balkonsprung lautet: Wie weit?
Auch in Frankfurt sollte ein Fußballtrainer kein Sektenführer sein. Und wenn Albert Riera das, was er gesagt auch wirklich so gemeint hat, dann dürfte schon vor seinem ersten Spiel als Trainer der Eintracht klar sein, dass er und sein Team auf einem Balkon nie werden stehen dürfen: dem Römerbalkon.
