
Obwohl er von der Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen mehrfachen versuchten Mordes gesucht wird, ist ein Mann in den Niederlanden aus dem Gefängnis entlassen worden und untergetaucht. Der Zwanzigjährige war im Frühjahr in Amsterdam auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls festgenommen worden. Er wird beschuldigt, im Sommer 2025 an einem Brandanschlag auf ein Café in Frankfurt und einem versuchten Brandanschlag in Taunusstein beteiligt gewesen zu sein. Er soll die beiden inzwischen verurteilten Täter, zwei Jugendliche im Alter von 15 und 18 Jahren, beim Bombenbau angeleitet und nach Deutschland gefahren haben.
Weil in dem Café in Frankfurt zum Zeitpunkt des Brandanschlags mehrere Menschen waren, wird auch dem Hintermann versuchter Mord in mehreren Fällen vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung in Deutschland droht ihm eine hohe Freiheitsstrafe, bis hin zu lebenslang. Bei seiner Festnahme im März fand die niederländische Polizei zwei Schusswaffen und Munition. Ein Gericht in Amsterdam entschied trotzdem, ihn aus der Untersuchungshaft zu entlassen, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt jetzt auf Nachfrage der F.A.Z. bestätigt. Dem Mann wurde demnach aufgetragen, sich bis zur gerichtlichen Entscheidung über seine Auslieferung nach Deutschland regelmäßig bei der Polizei zu melden. Das Gericht in Amsterdam sah keine Fluchtgefahr und traf damit, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, „eine andere Prognoseentscheidung als das Amtsgericht Frankfurt am Main, das auf unseren Antrag einen Europäischen Haftbefehl erlassen hatte“.
Taten gehören zum Phänomen „Violence as a Service“
Zunächst meldete sich der Mann, der marokkanisch-niederländischer Abstammung ist, noch bei der Polizei, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. Zur Anhörung über seine Auslieferung aber sei er nicht mehr erschienen. Als das Gericht in Amsterdam Ende Mai die Überstellung nach Frankfurt für zulässig erklärte, war er laut Staatsanwaltschaft untergetaucht. Seither ist er auf der Flucht.
Die beiden jugendlichen Mittäter wurden in der Zwischenzeit zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Der zum Tatzeitpunkt 15 Jahre alte Niederländer, der einen selbstgebauten Brandsatz aus Böllern und Benzin in ein Café in Frankfurt-Bockenheim geworfen hatte, erhielt eine Jugendstrafe von vier Jahren und drei Monaten – unter anderem wegen versuchten Mordes in fünf Fällen, schwerer Körperverletzung und besonders schwerer Brandstiftung. Der Achtzehnjährige, der mit einem Brandsatz in Taunusstein festgenommen wurde, bekam unter anderem wegen der „Vorbereitung eines Explosionsverbrechens“ eine Jugendstrafe von zwei Jahren und acht Monaten.
Die Ermittler rechnen die Taten dem Phänomen „Violence as a Service“ zu. Dabei werden meist Jugendliche oder junge Erwachsene von Akteuren der organisierten Kriminalität angeworben, um schwere Gewalttaten zu begehen. Oft läuft das über die Niederlande, was die Strafverfolgung in Deutschland erschwert. Die Auftraggeber für die Anschläge im Rhein-Main-Gebiet konnten bisher nicht ermittelt werden.
