
Die Inflation ist viel zu hoch. Von 2,9 Prozent im Juli ist die Teuerung im Euroraum auf 3,3 Prozent im August gestiegen. Commerzbank-Ökonomen sprechen von einem „Inflationssprung“. In den ersten Euroländern liegt die Rate jetzt oberhalb von fünf Prozent, in weiteren oberhalb von vier Prozent. Seit sechs Monaten bewegt sich die Gesamtinflationsrate des Euroraums oberhalb des Ziels der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent.
Inflation verschwindet so schnell nicht
Man könnte einwenden: Es sind vor allem die Energiepreise, von denen die Inflation getrieben wird. Ihre Teuerung hat den außergewöhnlichen Wert von 14,3 Prozent erreicht. Allerdings zeigt sich mittlerweile eine zweite Quelle von Preissteigerungen: Schlechte Ernten durch die Trockenheit haben auf den Rohstoffmärkten die Preise für viele Agrarprodukte in die Höhe getrieben. In den Inflationszahlen sieht man schon, dass die Preise für „unverarbeitete Lebensmittel“ im August auf Jahressicht zumindest stärker gestiegen sind als noch im Juli. Ein drastisches Beispiel aus Deutschland sind Salatköpfe, die sich um 30 Prozent verteuert haben.
Die Kernrate der Inflation belief sich im August auf 2,4 Prozent, nach 2,5 Prozent im Juli. Sie misst die Teuerung ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel. Notenbanker blicken darauf für den längerfristigen Trend. Dass die Kernrate nicht weiter gestiegen ist, ist ein gutes Zeichen; dass sie hartnäckig oberhalb von zwei Prozent bleibt, ein schlechtes. Das Ifo-Institut erwartet jetzt für Deutschland auch für das nächste Jahr eine deutlich erhöhte Inflation von 3,0 Prozent.
EZB muss Unabhängigkeit zeigen
Höchste Zeit, dass die EZB kommende Woche die Zinsen erhöht. Dabei gibt es eine besondere Herausforderung. In vielen Ländern sind die Renditen der Staatsanleihen stark gestiegen. Es wird für die Staaten teurer, sich zu verschulden. In das Kalkül der Anleiheinvestoren mischen sich neben höheren Inflations- und Zinserwartungen auch Sorgen um die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen. Das darf die Notenbanker nicht beeindrucken. Es ist der Kern ihrer Unabhängigkeit, dass sie nicht der Fiskalpolitik dienen, sondern nur ein Ziel verfolgen dürfen: Preisstabilität. Also: Nur Mut, hart bleiben!
