
Der Anstieg der Renditen der Staatsanleihen scheint ungebremst weiterzugehen. Am Montag richtet sich der Fokus vor allem auf Japan. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen überschritt dort erstmals seit fast exakt dreißig Jahren zwischenzeitlich die Marke von drei Prozent. Damit hat sich die Rendite binnen eines Jahres fast verdoppelt.
Auch die Rendite der zweijährigen Anleihe überschritt die Marke von 1,8 Prozent, die der fünfjährigen erreichte mit 2,27 Prozent gleichfalls Höhen, die es seit Mitte der Neunzigerjahre nicht mehr gegeben hatte.
Was den Renditen am Montag einen neuen Schub nach oben verlieh – Anleger also japanische Staatsanleihen weiter verkauften – waren die nun veröffentlichten Ausgabenanträge der Ministerien des Landes für das kommende Haushaltsjahr. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg haben diese mit insgesamt rund 143 Billionen Yen (77 Milliarden Euro) eine Rekordhöhe erreicht. Das Wirtschaftsministerium allein habe mehr als fünfmal so viel Haushaltsmittel beantragt wie im Vorjahr.
Anleihenausgabe in Rekordhöhe
Wirtschafts- und Finanzminister Minoru Kiuchi versuchte, die Märkte, die auf die Haushaltszahlen gewartet hatten, zu beruhigen. Er verwies auf eine Reform des Haushaltsverfahrens, die darauf abzielt, die Nachtragshaushalte einzudämmen. Man müsse die Anträge mit der Summe aus dem Nachtragshaushalt für das Haushaltsjahr 2025 und dem ursprünglichen Haushalt für das Haushaltsjahr 2026 vergleichen, einer Summe von rund 141 Billionen Yen.
Für die globalen Anleger, die aktuell beim Thema Staatsschulden sehr sensibel reagieren, stellt sich vor allem die Frage nach der Finanzierung. Premierministerin Takaichi sagte in der vergangenen Woche, sie wolle die Ausgabe neuer Anleihen auf weniger als 40 Billionen Yen begrenzen. Nichtsdestoweniger wäre dies für ein normales Haushaltsjahr ein Rekord, abgesehen also von den Pandemiejahren 2020 und 2021.
Global zunehmende Sorgen um die Staatsverschuldung
Doch es ist nicht das größere Volumen an sich: Die steigenden Renditen verteuern die Finanzierung erheblich. Das Finanzministerium hat bei der Kalkulation des Schuldendienstes für das Haushaltsjahr 2027 einen langfristigen Zinssatz von 3,8 Prozent zugrunde gelegt, nach drei Prozent im laufenden Budget. Die Schuldendienstkosten würden so auf einen Rekordwert von rund 36,64 Billionen Yen steigen, nach 31,3 Billionen im laufenden Haushaltsjahr. Das entspricht rund einem Viertel des Budgets.
Die Sorgen um den Anstieg der Staatsverschuldung treiben aktuell die Renditen der Staatsanleihen vieler entwickelter Länder nach oben. Dabei spielt die Finanzierbarkeit angesichts hartnäckig hoher Inflation und Zinsen eine große Rolle, die wenig Aussicht auf Entspannung von der Zinsseite her erwarten lässt.
Zweifel an Fed-Gouverneur Warsh bleiben
Mit Blick auf die USA kommt viel Unsicherheit dazu. Ein großes Fragezeichen bleibt der neue Fed-Gouverneur Kevin Warsh. Seine jüngste Rede auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole wurde als restriktiv interpretiert, sodass schon für September eine Zinserhöhung erwartet wird. Doch es sei nicht ausgemacht, dass Warsh nicht nur ein Falke in Worten sei, meint Benjamin Bente, Geschäftsführer von Vates Invest. Man werde sehen, ob er sich traue, noch vor den Zwischenwahlen die Zinsen anzuheben.
Auch Nigel Green, Vorstandschef der DeVere Group, ist skeptisch. Mit dem Anstieg der Renditen hätten die Anleihenmärkte der Fed die Arbeit abgenommen. Beunruhigend sei die Breite der Renditebewegung, die die Kreditkosten massiv verändere. Hohe Risiken entstünden aktuell aus der Laufzeit (Duration). Jedes zusätzliche Laufzeitjahr bedeute ein weiteres Jahr Risiko in einem Markt, der noch immer einen Boden suche.
Keine Konsolidierung der Staatshaushalte in Sicht
Auch von der Haushaltsseite ist wenig Entspannung in Sicht. Angesichts der Zwischenwahlen und des teuren Irankriegs besteht wenig Hoffnung auf eine baldige Konsolidierung in den USA. Goldman Sachs hat dies auch für Frankreich mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr verworfen und rechnet mit einer Ausweitung der Renditedifferenz zu Bundesanleihen.
Wenig Entspannung wird auch den etwa von den USA angekündigten massiven Rückkäufen von langlaufenden Staatsanleihen zugebilligt. Sie wirkten ebenso wie ein verringertes Angebot an Langläufern seitens Großbritanniens oder Japans nur auf der Mikroebene, heißt es von Goldman Sachs. Langläufer würden gegenüber Swaps attraktiver. Ansonsten sei es eher normales Laufzeitmanagement, eine echte dauerhafte Entlastung könne nur eine niedrigere Inflation bringen. Zudem, bemerkt Thomas Hempell, Chef des Makro- und Markt-Research bei Generali Investments, stünden solche Käufe im Widerspruch zu Warshs Botschaft einer schlankeren Notenbankbilanz.
Insgesamt bleibt der Aufwärtsdruck auf die Renditen weiter erhalten, weil sich an den Ursachen nichts ändert. Das Problem ist auch, dass steigende Renditen und Sorgen um die Staatshaushalte sich wechselseitig verstärken. Besonders anfällig sind für Goldman Sachs britische Staatsanleihen. Die Regierung habe derzeit gegenüber den Haushaltsregeln wenig Spielraum, der Einfluss der Energiepreise auf Inflation und Zinsen sei stark. Daher reagierten die britischen Gilts aktuell sehr stark auf globale Renditebewegungen. Der Sprung der Anleiherenditen am Dienstag, etwa der zehnjährigen von 5,08 auf 5,2 Prozent, ist aber der Tatsache geschuldet, dass der lokale Markt am Montag geschlossen war. Die Gilts holten damit die globale Bewegung vom Montag nach. Nichtsdestoweniger rentiert die 30 Jahre laufende Anleihe mit 5,89 Prozent so hoch wie seit 1998 nicht mehr.
