
Mit einer Malaria rechnet man nicht. Selbst wenn man am Flughafen arbeitet und erste eindeutige Symptome zeigt. Das könnte einer der Gründe für den Tod von gleich zwei Mitarbeitern des Flughafenbetreibers Fraport in Frankfurt sein. Denn eine Malaria tropica ist bei frühzeitiger Diagnose und schnell eingeleiteter Behandlung gut und vollständig behandelbar.
Unbehandelt aber kann die gefährlichste Form der Malaria rasch tödlich verlaufen. So wie im Fall der zwei Flughafenmitarbeiter. Einer der beiden ist laut dem Frankfurter Gesundheitsamt schon Anfang Juli gestorben. Die Ursache sei jedoch erst nach dem Tod des Patienten festgestellt worden. Den zweiten Todesfall gab es im August, wie die Fraport vergangene Woche bekannt gab und das Gesundheitsamt kurz danach bestätigte.
Vier Patienten konnten entlassen werden
Nähere Angaben zu den Personen und möglichen Vorerkrankungen gibt es nicht. Bekannt ist, dass sich zwischen dem 4. und 7. Juli vier männliche Mitarbeiter, die in verschiedenen Berufen und in verschiedenen Bereichen des Flughafens tätig sein sollen, mit Malaria infizierten. Die Inkubationszeit beträgt zwischen sieben und 14 Tagen, ihre Erkrankungen wurden Mitte Juli bekannt. Später stieg die Zahl der Patienten auf sechs. Wie das Gesundheitsamt Ende August mitteilte, begann die Erkrankung bei fünf Infizierten Anfang Juli 2026, bei einer weiteren Person Mitte August 2026. Alle sechs mussten stationär behandelt werden, vier konnten wieder entlassen werden.
Im vorliegenden Fall handelt es sich offenbar um die sogenannte Flughafenmalaria. Sie geht auf Stechmücken der Gattung Anopheles zurück, die eigentlich nur in tropischen Gebieten vorkommen, besonders in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. In seltenen Fällen gelingt es den Stechmücken, in einer Flugzeugkabine oder im Fracht- oder Gepäckraum zu überleben, obwohl diese routinemäßig mit Insektiziden behandelt werden.
Klimawandel begünstigt Überleben der Mücken
Das passiert eher im Sommer als im Winter, der Klimawandel begünstigt das Überleben der Mücken zwar, doch diese haben keine Chance, am Flughafen zu brüten. Allerdings braucht die weibliche Anopheles-Stechmücke eine Blutmahlzeit, um sich fortpflanzen zu können. Dabei kann sie den Malaria-Erreger Plasmodium falciparum übertragen, so wie Anfang Juli in Deutschland geschehen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist so gut wie ausgeschlossen, sie ist allerdings denkbar, etwa über Spenderblut oder eine Nadelstichverletzung.
Am Flughafen gibt es Mückenfallen, um rechtzeitig mögliche Vorkommen übertragungsfähiger Anopheles-Mücken zu ermitteln. Laut Fraport wurden auch Mücken gefangen, diese würden noch in einem Labor untersucht. Woher die Mücken kamen, ist weiterhin unbekannt. Auch die Erreger werden noch genetisch untersucht, um abzuklären, ob alle Erkrankungsfälle miteinander zusammenhängen. Denkbar wäre, dass alle sechs Mitarbeiter von einer Mücke infiziert wurden, es könnten aber auch sechs verschiedene Mücken gewesen sein.
934 Malariafälle in Deutschland im Jahr 2024
Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wurden im Jahr 2024 in Deutschland 934 Malariafälle gemeldet. Fast alle erkrankten Personen hatten sich in tropischen Ländern angesteckt. Es gab vier Todesfälle. Fälle von Flughafenmalaria hingegen sind noch viel seltener. Am Frankfurter Flughafen, dem mit Abstand größten Verkehrsflughafen Deutschlands, wurden 2019 zwei und 2022 drei Fälle registriert, 2023 gab es einen Fall. Alle Betroffenen waren zuvor nicht verreist und arbeiteten am Flughafen. Die Erkrankungen traten ebenfalls im Sommer auf, heiße Temperaturen begünstigten jeweils das Überleben der eingeschleppten Mücken.
„Die fehlende Reiseanamnese kann dazu führen, dass die Diagnose erst verzögert gestellt wird. Eine verspätete Diagnosestellung erhöht das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf“, schreibt das RKI zu den aktuellen Fällen von Flughafenmalaria. Darum sollten Ärzte, die Personen betreuen, „die an Flughäfen mit interkontinentalen Flugverbindungen (Passagier- und Frachtflüge) arbeiten oder sich in ihrer unmittelbaren Nähe aufhalten“, vor allem im Sommer bei unklarem Fieber und fehlender Reiseanamnese auch eine seltene Flughafenmalaria differentialdiagnostisch in Betracht ziehen. „Frühzeitige Diagnosestellung und Behandlung sind entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu vermeiden.“
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war im Jahr 2024 fast die Hälfte der Weltbevölkerung von Malaria bedroht. Demnach trägt zwar Subsahara-Afrika einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der globalen Malarialast, doch auch die WHO-Regionen Südostasiens sowie des östlichen Mittelmeerraums, des westlichen Pazifiks und Amerikas meldeten erhebliche Fallzahlen.
Malaria ist die häufigste Infektionskrankheit der Welt. Die WHO schätzt, dass es 2024 mindestens 282 Millionen Malariafälle gegeben habe, die geschätzte Zahl der Malaria-Todesfälle liegt demnach bei 610.000. Rund 95 Prozent der Malariafälle und -todesfälle wurden in der afrikanischen Region registriert. Kinder unter fünf Jahren sind dabei am stärksten gefährdet: Sie machen fast drei Viertel aller Todesfälle (438.000) aus.
An einem wirksamen Malaria-Impfstoff wird noch immer geforscht. Die WHO empfiehlt inzwischen den Einsatz zweier unterschiedlicher Impfstoffe (RTS, S und R21) bei Kindern, da sie „sicher und wirksam“ seien. Beide Impfstoffe, die unter anderen an zwei Millionen Kindern in Ghana, Kenia und Malawi getestet wurden, reduzierten demnach die Malariafälle im ersten Jahr nach der Impfung, der Zeit also, in der Kinder ein hohes Risiko für Krankheit und Tod haben, um mehr als 50 Prozent.
