Der Sommer ist vorbei, doch was bleibt, ist eine traurige Bilanz: Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind in Hessen etwa 2.190 Menschen wegen Hitze gestorben. Und der nächste Sommer kommt bestimmt – was muss sich bis dahin ändern?
Wie gefährlich war der Sommer?
«Der außergewöhnlich heiße Sommer 2026 hat erneut gezeigt, dass Hitze eine erhebliche gesundheitliche Belastung darstellt – insbesondere für ältere und alleinlebende Menschen sowie für Menschen mit Vorerkrankungen», teilt das hessische Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. «Die zahlreichen Hitzetage und insbesondere die tropischen Nächte haben deutlich gemacht, dass Hitzeschutz weiter gestärkt und stärker berücksichtigt werden muss.»
Besonders Ende Juni und auch noch mal im August beherrschten Hitzewellen die Tage in Deutschland. Tropische Nächte brachten wenig Abkühlung. Die Folge: Je nach Berechnung kommen die Statistikerinnen und Statistiker des RKI für Hessen minimal auf 1.780 oder maximal auf 2.610 hitzebedingte Sterbefälle, die es bisher in diesem Jahr gab.
Das DRK Hessen berichtet auf Anfrage von einem erhöhten Einsatzaufkommen in mehreren Rettungsdienstbereichen in Hessen während der Hitzewellen des Sommers. «Besonders betroffen waren ältere Menschen sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen», hieß es. «Beobachtet wurden insbesondere Kreislaufprobleme, Flüssigkeitsmangel, Erschöpfungszustände und hitzebedingte Verschlechterungen bereits bestehender Erkrankungen.»
Und die psychische Gesundheit?
Hannah Wallis, Juniorprofessorin an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Magdeburg, forscht zum Zusammenhang von Hitze und psychischer Gesundheit. Sowohl 2025 als auch 2026 habe sie Menschen an Tagen mit mehr als 25 Grad zu ihren psychischen und körperlichen Belastungen befragt und das dann mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen.
Zu den Ergebnissen der ersten Studie im vergangenen Jahr sagt sie: «Je heißer es wird, desto mehr depressive und körperliche Symptome berichteten die Teilnehmer.» Das sei nicht für jeden direkt spürbar. «Es kann sein, dass das ein leichtes, depressives, ängstliches Symptom ist.» Besonders wichtig sei aber die Erkenntnis: Menschen, die ohnehin schon psychisch vorbelastet waren, haben bei steigenden Temperaturen deutlich mehr ängstliche und depressive Symptome berichtet als Menschen ohne solche Vorbelastungen. «Und das haben wir gesehen einmal im Bericht von depressiven ängstlichen Symptomen, aber eben auch um Bericht von körperlichen Symptomen, wie Schwindel und Kopfschmerzen.»
Und was muss sich bis nächsten Sommer ändern?
Die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz sagt: «Die Hitzephasen haben in diesem Sommer einmal mehr gezeigt, dass wir als Gesellschaft insbesondere den Schutz älterer und alleinlebender Menschen noch stärker in den Blick nehmen müssen.» Gerade ältere und alleinlebende Menschen seien besonders gefährdet. «Deshalb müssen wir als Gesellschaft genauer hinschauen und füreinander da sein.» Hitzeschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Das DRK Hessen fordert ein «landesweit abgestimmtes Vorgehen, das Prävention, Gesundheitsversorgung, Pflege und Rettungsdienst» einbeziehe. Besonders wichtig sei, die Bevölkerung früh zu informieren, besonders gefährdete Menschen zu schützen und «verbindliche Hitzeschutzkonzepte in Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie eine hitzeresiliente Infrastruktur im Rettungsdienst».
Es geht aber gerade bei der Infrastruktur auch um Geld: «Zusätzliche Maßnahmen wie die Klimatisierung von Rettungswachen, technische Nachrüstungen an Fahrzeugen, die Sicherstellung geeigneter Medikamentenlagerung oder weitergehende Arbeitsschutzmaßnahmen verursachen erhebliche Kosten», sagt das DRK Hessen. Hier gebe es noch Klärungsbedarf. Notwendige Investitionen dürften nicht zulasten der Leistungsfähigkeit im Gesundheitswesen gehen. «Die Diskussion über Anpassungsmaßnahmen muss daher mit einer Diskussion über deren nachhaltige Finanzierung verbunden werden.»
Und wie kann das klappen?
Wallis hat noch eine andere Erkenntnis aus ihrer Studie gezogen: «Hitzebezogene Selbstwirksamkeit, also ob ich wirklich das Gefühl habe, mich vor Hitze schützen zu können, und Risikowahrnehmung, also wie sehr ich mein eigenes Risiko wahrnehme von Hitze, das ist besonders relevant für die Vorhersage von Hitzeschutzverhalten.» Menschen, die sich wenig selbstwirksam fühlten, seien weniger motiviert, ein Hitzeschutzverhalten zu etablieren, sagt die Forscherin.
Auch die persönlichen Voraussetzungen seien wichtig. «Wenn in ein Wasserglas, was sehr voll ist, noch etwas obendrauf kommt, dann schwappt es über. Wenn es aber fast leer ist, ist noch Platz für mehr. So ist es auch mit Hitze und psychischer Gesundheit, wenn ein Mensch schon stark psychisch vorbelastet ist, kann die Hitze zu Problemen führen», erklärt sie. «Mein Rat ist, besonders an heißen Tagen zu schauen, was einem guttut, und auch darauf zu hören.»
Gesundheitsministerin Stolz will das Thema bei einer Dialogplattform ansprechen, wie das Ministerium mitteilt. «Sie wird darüber beraten, wie bei extremer Hitze insbesondere ältere Menschen besser erreicht und für die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung über eine landesweite Kampagne sensibilisiert werden könnte.» Für künftige Hitzephasen müssten Kampagnen vorbereitet sein, die einen besonderen Schwerpunkt auf ältere Menschen und die gegenseitige Unterstützung in der Gesellschaft legten.
Der Schutz besonders gefährdeter Menschen und der Einsatzkräfte müsse nach Ansicht des DRK «als dauerhafte Aufgabe verstanden werden, auf die sich Gesundheitswesen, Pflege, Rettungsdienst, Kindertagesbetreuung, Politik und Kostenträger gemeinsam vorbereiten müssen».
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