Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaja suchen die Rettungskräfte in Nepal und China weiter nach Tausenden Vermissten. Erstmals machten die chinesischen Behörden auch Angaben über die Zahl der in Tibet verschollenen Ausländer. Demnach befinden sich unter den dortigen Vermissten auch drei Deutsche, wie Vertreter der Autonomen Region Tibet mitteilten.
Die Zahl der Todesopfer lag am Sonntag offiziellen Angaben nach bei insgesamt 804. Zuvor hatte China die Zahl der Toten in Tibet von sieben auf 16 erhöht.
Insgesamt werden den offiziellen Angaben nach etwa 3000 Menschen vermisst, darunter mehr als 2400 auf nepalesischer und 546 auf chinesischer Seite. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde gab an, dass 7514 Menschen gerettet wurden. Unklar ist, wie viele Deutsche sich zum Zeitpunkt der Sturzflut im Katastrophengebiet befanden. Das Auswärtige Amt hatte zuletzt von einer hohen einstelligen Zahl an Deutschen gesprochen, die derzeit nicht aufzufinden seien. Der Tourismusbehörde zufolge werden in Nepal acht Deutsche vermisst.
Das Rote Kreuz schätzt, dass mehr als 90.000 Menschen von den Folgen der Katastrophe betroffen sind. Die Rettungsarbeiten wurden am Wochenende unter anderem durch Regen erschwert. Zudem wurde erneut vor einer weiteren Flutwelle gewarnt. Die chinesischen Behörden hatten zuvor einen Anstieg des Wasserstands in einem höhergelegenen Flussteil festgestellt. Es wird befürchtet, dass ein See, der sich im Zuge der Katastrophe im Gebirge neu gebildet hatte, bersten könnte. Die Menschen wurden angehalten, sich vom Ufer der betroffenen Flussläufe Bhotekoshi und Trishuli fernzuhalten und höhergelegene Gebiete aufzusuchen. Wiederholt gerieten Anwohner in Panik, weil sie eine weitere Katastrophe fürchteten.
Mehr als 18.000 Soldaten und Polizisten sind im Einsatz
Der Auslöser der Sturzflut war nach bisherigen Erkenntnissen ein Abbruch von Eis und Gestein am Berg Langtang Lirung in 5200 Meter Höhe. Die Folge war eine gewaltige Lawine aus Geröll, Erde und Wasser, die auf ihrem Weg ganze Dörfer zerstörte. Die nepalesischen Rettungskräfte versuchen unter anderem, an Hunderte Arbeiter heranzukommen, die in den Staudammprojekten Trishuli 3A und 3B in Tunneln verschüttet sein sollen. Innenminister Sudan Gurung zufolge pumpen die Rettungskräfte Luft durch eine kleine Öffnung in den Tunnel. Indien und China haben zudem Spezialteams für Tunnelrettungen nach Nepal geschickt.
Nepals Ministerpräsident Balendra Shah zufolge wurden bereits 279 Personen aus Staudammprojekten gerettet. Mehr als 18.000 Sicherheitskräfte aus Armee und Polizei sowie 16 Hubschrauber sollen im Rettungseinsatz sein. Der Regierungschef wies in einer Mitteilung Berichte zurück, wonach Nepal ursprünglich keine ausländischen Rettungsteams zulassen wollte. Demnach haben unter anderem die USA sowie die Asian Development Bank Soforthilfen in Millionenhöhe sowie die Weltbank einen Kredit von 167 Millionen Dollar zugesichert. Indien habe 57,5 Tonnen Hilfsgüter geschickt.

