Janneke Schopman war im Sauseschritt befördert worden. Sie hatte sich im Herbst 2024 noch nicht mal in ihrer neuen Funktion als Zuarbeiterin eingerichtet, als sie gleich auf die Chefposition gebeten wurde: Bundestrainerin der deutschen Damen-Nationalmannschaft. Ein Amt, das sie gar nicht angestrebt hatte. Berufen aus der Not, weil Valentin Altenburg drei Monate nach den Olympischen Spielen in Paris, wo sein Team im Viertelfinale verloren hatte, zurückgetreten war.
So entschied sich der Deutsche Hockey-Bund (DHB) im Zuge auch von Vorwürfen gegen den damaligen Bundestrainer wegen ungebührlichen Verhaltens als Coach zu einer gewagten Rochade. Altenburg wurde „Technischer Direktor Jugend“, ein Posten, der eigentlich für Schopman eingerichtet worden war. Die Niederländerin, die teils auch als Ko-Trainerin der deutschen Damen hätte arbeiten sollen, rutschte durch an die Spitze. Dort konnte sie sich nur 22 Monate halten. Am Samstagnachmittag gab der DHB bekannt, Schopman mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden zu haben.
Kontrolle statt Vertrauen
In ihre kurze Amtszeit fiel mit der Silbermedaille bei den Heim-Europameisterschaften in Mönchengladbach im Sommer 2025 – wenn auch unter einigen glücklichen Fügungen – ein Achtungserfolg. Und mit Rang sechs bei den am Sonntag beendeten Weltmeisterschaften in Belgien und den Niederlanden ein enttäuschendes Abschneiden.
Die Entscheidung gegen Schopman sei keine direkte und schon gar keine überhastete Reaktion auf das Turnier gewesen, erklärte Martin Schultze. Gegenüber der F.A.Z. sagte der DHB-Sportvorstand, dass der Entscheidung ein „längerer Prozess“ vorausgegangen sei. Schon im März soll der Bundestrainerin sehr deutlich aufgetragen worden sein, Veränderungen in ihrem Arbeits- und Führungsstil vorzunehmen. Doch habe dies nicht den gewünschten Effekt gehabt.

Aus der Hockeyszene ist zu hören, dass es Schopman nicht gelungen sei, eine Atmosphäre zu kreieren, in der alle Spielerinnen ihr volles Leistungsniveau erreichten. Letztlich fehlte es der 48 Jahre alten einstigen Welt- und Europameisterin sowie Olympiasiegerin mit den Niederlanden an Rückhalt bei Spielerinnen und Betreuern des Nationalteams.
Schopman fremdelte mit dem deutschen dezentralen System, in dem die Spielerinnen überwiegend bei ihren Vereinen trainieren und nur zu Lehrgängen und Länderspielphasen zusammenkommen. Die Spielerinnen und der Betreuerstab fremdelten mit Schopmans Ansatz, bis in kleine Details Kontrolle ausüben zu wollen. Der wiederum steht diametral dem Führungsstil von André Henning bei den erfolgreichen deutschen Herren gegenüber. Der Herren-Bundestrainer setzt auf viel Vertrauen, Mitbestimmung und Verantwortung bei seinen Spielern.
„Abstand zu Topnationen schöngeredet“
In den Partien in der Pro League zwischen der EM 2025 und der WM 2026 geriet die Entwicklung der neu formierten und verjüngten deutschen Damen arg ins Stocken. Kurzzeitig drohte sogar der Abstieg aus dem Kreis der Topnationen, was mit Blick auf die Sommerspiele 2028 in Los Angeles desaströs gewesen wäre. Wäre dieser Fall eingetreten, hätte sich, so ist zu hören, der DHB sogar noch vor der Weltmeisterschaft von Schopman getrennt.
Während des Championats in den vergangenen zwei Wochen setzte sich der Trend fort. Die Leistung des Teams schwankte. Es war nicht in der Lage, entscheidende, knappe Spiele für sich zu entscheiden. Das war bei den Niederlagen in der Vorrunde gegen Argentinien (den späteren Weltmeister) und in der Zwischenrunde gegen Belgien (Dritter) der Fall.
Schon bei der Nominierung des Kaders und der ins Rennen geschickten Formation – unter anderem mit zwei Torhüterinnen im gleichberechtigten Wechselspiel zu agieren – haben Schopmans Entscheidungen in der Szene Diskussionen ausgelöst. Das abschließende Spiel um Platz fünf gegen Indien, das einen versöhnlichen Abschluss hätte bilden können, verlor das Team nach einer sehr schwachen Leistung.
„Wir hatten uns mehr erhofft. Der Abstand zu den Topnationen erscheint größer, als er immer schöngeredet wurde“, sagt Schultze. Im Verband habe man „den Anspruch, bei Olympia in Los Angeles ein Medaillenkandidat zu sein“. Bei Weltmeisterschaften haben die deutschen Damen seit 1998 keine Medaillen mehr gewonnen.
Zwei Jahre vor den Sommerspielen in Kalifornien erscheint ein Wechsel auf der Bundestrainerinnenposition schon als fast spätmöglichster Zeitpunkt, um noch ausreichend Vorbereitungszeit zu ermöglichen. Schultze kündigt an, die Nachfolge von Schopman, sie war die erste weibliche Bundestrainerin seit mehr als 30 Jahren, „zeitnah“ zu regeln. Dem Verband entstünde durch die Trennung von der Niederländerin aufgrund der Vertragsvereinbarungen kein finanzieller Nachteil.
Die neue Führungsperson solle wieder muttersprachlich Deutsch sprechen und bereit sein, den gegenwärtigen Staff überwiegend zu übernehmen, sagte Schultze. Viel spricht für eine interne Lösung für einen Coach, der aktuell schon für den DHB, etwa im Nachwuchsbereich, arbeitet. Valentin Altenburg, so ein Gerücht, sei ein Kandidat, in das Bundestraineramt zurückzukehren. Es wäre die nächste gewagte Rochade an der Spitze.
