Unter den in China nach der Flutkatastrophe im Himalaya vermissten Ausländern sind laut chinesischen Behörden auch drei Deutsche. Das teilte die Regierung in der Autonomen Region Tibet mit, in deren Südwesten am Mittwoch eine Sturzflut den Grenzübergang Gyirong zu Nepal verwüstet hatte.
Ob sich damit die Zahl der vermissten Deutschen im Katastrophengebiet insgesamt erhöht hat oder ob es Dopplungen bei den Angaben der Behörden beider Seiten gibt, war zunächst unklar. Unter anderem befand sich eine Reisegruppe mit einem nepalesischen Veranstalter am Unglückstag noch in Tibet, um den Grenzübergang zurück nach Nepal zu überqueren, wie der Veranstalter auf Anfrage gesagt hatte.
Das Auswärtige Amt hatte bislang von einer hohen einstelligen Zahl vermisster Deutscher gesprochen. In Nepal galten noch acht Deutsche als vermisst.
Totenzahlen weiter gestiegen
Laut den neuen Angaben der chinesischen Behörden wurden in der Region an der Grenze zu Nepal inzwischen 16 Todesopfer registriert, sieben mehr als bislang genannt. 546 Menschen gelten in China als vermisst.
Zusammen mit den Zahlen aus Nepal wurden nunmehr 750 Todesopfer gezählt, etwa 3000 Menschen werden noch vermisst. In Nepal wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes 734 Leichen geborgen.
Bislang fanden die Behörden in Nepal mit 259 die meisten Leichen im Bezirk Chitwan an der Grenze zu Indien und damit Dutzende Kilometer flussabwärts vom eigentlichen Katastrophengebiet. 184 beziehungsweise 82 Leichen wurden in den angrenzenden Bezirken Ost-Nawalparasi und West-Nawalparasi entdeckt.
Menschen aus 23 Ländern vermisst
Von den in Tibet Vermissten sind nach Angaben des chinesischen Senders CCTV 261 Ausländer, darunter 104 aus Nepal, 49 aus Indien, 33 aus Lettland und 18 aus den USA. „Die chinesischen Behörden haben die jeweiligen Botschaften und Konsulate dieser Länder informiert“, berichtete CCTV weiter. Im von der Sturzflut betroffenen Bezirk Gyirong seien keine ausländischen Touristen gestrandet.
Unterdessen hat sich oberhalb eines chinesischen Grenzpostens erneut ein See angestaut. Wie der chinesische Katastrophenschutz mitteilte, überwachen Experten ihn mit einer Aufklärungsdrohne.
Damit staute sich in der Region erneut Wasser an, das möglicherweise eine neue Flut auslösen könnte, sollte es den Schlamm und das Geröll durchbrechen, die das Wasser zurückhalten. Am Fluss Purepuqiang-Zangbu hatte sich zuvor zeitweise ein See gebildet, der aber auf natürliche Weise wieder abfloss, wie die Behörden mitgeteilt hatten.

Der neue See war laut Katastrophenschutz am Samstagabend entdeckt worden. Zuvor habe sich ein Erdrutsch ereignet, der die Bildung des Sees verursacht habe, hieß es. Rettungskräfte flussabwärts am Grenzübergang Gyirong wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Die chinesischen Rettungskräfte suchen hauptsächlich dort nach möglichen Opfern. Der Grenzposten im Südwesten Tibets war vor der Flutkatastrophe ein wichtiger Verbindungspunkt mit Nepal für Handel und Tourismus.
Die Sturzflut hatte am Mittwoch im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet gewütet und ganze Ortschaften zerstört. Nach Einschätzung des geologischen Dienstes der USA wurde sie durch den Abbruch eines Gletschers ausgelöst.
Dieser Erklärung schlossen sich chinesische Experten nun an. Die Experten seien zu dem Schluss gekommen, dass ein Gletscher an der Südflanke des Langtang Lirung in Nepal abgebrochen sei und eine Lawine aus Eis und Gestein ausgelöst habe, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.
