Das Logo setzt sich aus zwei Punkten in Rot und Grün zusammen, beide verschränken sich wie auf der Maestro-Kreditkarte. Die Assoziation dürfte erwünscht sein. Falko Alexander verweist dagegen auf die Aufkleber in Galerien oder bei Messen neben Bildern, für die ein Interesse hinterlegt oder der Verkauf vollzogen ist, als Inspiration. „Frühwerk“ nennt er seine Plattform für junge Künstlerinnen und Künstler. Den Onlinehandel kann man seit einigen Monaten auf der Homepage frueh-werk.de besuchen, anlässlich der DC Open, den gemeinsamen Galerien-Vernissagen in Düsseldorf und Köln am ersten Septemberwochenende, soll er offiziell an den Start gehen.
Hundert unter einundvierzig
Früh bedeutet für den Kölner Galeristen aus dem Belgischen Viertel eine Altersgrenze von vierzig Jahren. Fürs Erste will Alexander den Zugang auf rund hundert Newcomer aus deutschen Akademien beschränken. Künftig plant er, den Kreis auf europäische Kunsthochschulen zu erweitern. Angeboten werden Werke von Studenten und Absolventen, die den Einstieg in den Markt suchen und denen Alexander seine Expertise zur Verfügung stellen will. Er selbst hat früher Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken – bei Ulrike Rosenbach – und dazu Kunstgeschichte studiert. Jetzt weiß er zumindest aus langjähriger Erfahrung, wie man eine Galerie führt. Kunstmessen würden einen oft „absurden Aufwand“ und hohe Kosten verursachen, ohne Gewinn abzuwerfen, so sei die schwarze Null dann bereits eine Erfolgsbilanz. Da müsse man neue Wege ausprobieren.
Die Künstler steuern eine kurze Beschreibung ihrer Arbeit bei. Offeriert werden jeweils fünf, sechs Arbeiten eines Künstlers in hoher Auflösung, die Möglichkeit heranzuzoomen inbegriffen. In einem „Collectors Magazin“ geben Interviews mit Kritikern Einblicke in die Szene und ihre Usancen, Sammlerporträts sollen demnächst auch hochgeladen werden. Ob sich die Anleitung „Wie man ein Auge für Kunst entwickelt“ in wenigen Absätzen vermitteln lässt, sei dahingestellt; aber wer darüber verfügt, ist in aller Regel tatsächlich „auf Messen, bei Dinners, bei Ausstellungen präsent“.

Die Preise, so Alexander, würden von den Künstlern großenteils selbst bestimmt und werden auf der Plattform angezeigt: Sie verbleiben in einem sehr überschaubaren vier- bis mittleren fünfstelligen Bereich. Ein Klick, und der Kauf ist getätigt. In die Preisbildung gehen übliche Maßgaben von Formatgröße und bestimmten Karriere-Faktoren ein, die miteinander multipliziert werden, wozu auch Kunstpreise, Residenzen, Ausstellungen zählen. Praktisch für den „Frühwerk“-Betreiber: Der Versand obliegt dem Künstlern, er zahlt – ab 500 Euro – den Transport, Lagerkosten fallen nicht an. 29 Prozent vom Verkaufspreis behält er ein, fünf Prozent gehen auf das Konto der Künstlersozialkasse. Mit der etwas krummen Gewinnmarge habe es nichts Besonderes auf sich, so Alexander, sie sei einfach individuell gewählt.
Eine kuratierte Auswahl
Alexander versteht die Plattform als „kuratiert“. Zwar könne man sich auch bewerben, letztlich treffe er die Auswahl aber selbst, indem er sich bei den deutschen Kunstakademien bei den jährlichen Rundgängen und in den sozialen Medien umschaue. Den überwiegenden Teil der von ihm angebotenen Werke kenne er selbst nur vom Bildschirm. Wer heute über ein wenig Kenntnis verfüge, dem reiche die Begutachtung auch unbekannter Arbeiten mittels Abbildungen.
Es ist nicht unbedingt eine Marktlücke, in die der rheinische Galerist damit stößt, existieren doch bereits vergleichbare Anbieter für Werke junger Einsteiger wie der „Studierenden-Kunstmarkt“. Doch Alexander nimmt für sich eine besondere Kompetenz in Anspruch und wolle diesen Verkaufssektor nicht den „BWLern“ überlassen, bemerkt er. Bei ähnlichen Plattformen stammten jedenfalls die Betreiber oft nicht aus dem Kunstbetrieb. Wenn nun die vielen Studierenden an den hiesigen Hochschulen schon im Studium auf Verkäufe schielen – ist das eigentlich wünschenswert? Sichtbarkeit sei eben ein hohes Gut, gibt Alexander zu verstehen, und manche Studenten seien im sechsten Semester mit ihren Arbeiten schon so weit, ihr Glück am Markt zu versuchen – andere im zwölften noch nicht.
Dem jüngsten Marktreport der Art Basel zufolge schwächeln Onlineverkäufe und sind 2025 auf einen Tiefststand seit 2019 zurückgegangen. Betroffen seien davon besonders Händler gewesen, die Umsätze ausschließlich über digitale Kanäle erzielten. Ob diese Befunde den Kölner Händler Falko Alexander betreffen, soll sich schon bald an den virtuellen roten Punkten neben seinen Angeboten erweisen.
