
Das Einzige, womit Russland noch eskalieren könne, sei eine Mobilmachung, sagte Stubb. Es sei wahrscheinlich, dass diese im Herbst komme. Aktuell verliere die russische Armee monatlich zwischen 30.000 und 35.000 Soldaten. Es würden aber nur 27.000 neue rekrutiert. „Sie haben also immer weniger Soldaten in einer immer komplizierteren Lage.“ Das mache auch einen Angriff auf ein weiteres Land äußerst unwahrscheinlich: „Dass sie jetzt plötzlich Kräfte für zwei Fronten mobilisieren könnten – das sehe ich einfach nicht.“
Stubb sagte, man sollte niemals unterschätzen, „wie viel wirtschaftliche Härte die Russen ertragen können“. Weder die Inflation, die Bankenkrise, das Zinsniveau noch die hohen Verluste russischer Soldaten würden den Krieg beenden. Was aber zu einem Ende führen könne, wäre, „wenn sie das Gefühl bekommen, dass das derzeitige Regime bedroht ist“, so Stubb. Russland müsse also zu dem Schluss kommen, dass es für das Regime keinen Vorteil mehr bringe, den Krieg fortzusetzen. Dann müsse Moskau nur noch klären, wie es seinen eigenen Sieg definiere.
Die Ukraine hingegen sei derzeit in einer stärkeren und besseren Position als zu jedem anderen Zeitpunkt dieses Krieges. Das gelte militärisch, politisch und finanziell. „Die Ukraine hat die Oberhand und sie wird diesen Krieg gewinnen“, sagte Stubb. Ein Sieg sei, „wenn man überlebt, wenn man unabhängig bleibt, wenn man ein souveräner Staat bleibt“.
