
Zwei deutsche Raketen-Start-ups erhalten Großförderungen der Europäischen Weltraumagentur (ESA). Die größte vertragliche Zusage mit 197,8 Millionen Euro erhält das Unternehmen Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München für die Entwicklung seiner Spectrum-Rakete. Das Unternehmen Rocket Factory Augsburg wird mit 186,9 Millionen Euro für die RFA-One-Rakete bedacht. Der spanische Wettbewerber PLD Space erhält für seine Miura 5 eine vertragliche Förderung von 158,9 Millionen Euro.
Mit den Verträgen, die die ESA mit den jungen Raketenfertigern geschlossen hat, leitet die Raumfahrtagentur die nächste Phase eines mehrstufigen Wettbewerbs ein. Die „European Launcher Challenge“ soll für einen besseren Zugang Europas zum Weltraum mit der Serienreife von mindestens zwei neuen Trägerraketen enden. Die Mittelzusagen sind ein Indiz für den Fortschritt der Start-ups, den ein ESA-Beratungsgremium zuvor analysiert hatte.
Isar Aerospace teilte mit, die Mittel dafür einzusetzen, die nächste Generation von Trägerraketen zu entwickeln sowie den Ausbau von Test- und Startinfrastruktur zu beschleunigen, um die Startfrequenz zu erhöhen und künftige Missionen zu unterstützen. Für das Start-up sind die zugesagten Mittel auch eine wichtige Bestätigung, nachdem in diesem Jahr der zweite Testflug der Trägerrakete Spectrum viermal fehlgeschlagen war. „Wir haben bereits die ersten wichtigen Meilensteine des Programms erreicht und nehmen damit eine Führungsrolle in Europa ein, wenn es darum geht, unabhängigen Zugang zum Weltraum zu sichern“, sagte Stella Guillen, die im Vorstand von Isar Aerospace den Vertrieb verantwortet.
Mehrere vergebliche Startversuche
Isar Aerospace treibe die nächste Generation europäischer Raumfahrtkapazitäten voran und setze den Maßstab für die Branche. Mit der Finanzierung unterstütze die ESA den Aufbau europäischer Raumfahrtkapazitäten, trage zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas bei und erweitere das Angebot an Startdienstleistungen für institutionelle und kommerzielle Kunden, sagte die ESA-Direktorin für Raumtransport, Géraldine Naja.
Anlässlich seines Besuchs des Isar-Aerospace-Werks in Ottobrunn hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) Ende Juli über Pläne für einen Raketenstartplatz der Bundeswehr gesprochen. In Europa gibt es einen Raketenstartplatz auf der schottischen Shetlandinsel Unst (Saxavord) sowie einen im norwegischen Andøya, von wo aus Isar Aerospace in diesem Jahr viermal vergeblich seine Trägerrakete Spectrum zu starten versucht hat.
Die 200 Millionen Euro sind für das Unternehmen ein beträchtlicher Betrag. Bislang dürfte Isar Aerospace knapp 800 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt haben. In der jüngsten Finanzierungsrunde über 270 Millionen Euro wurde das Unternehmen, bei dem sich auch der NATO-Innovationsfonds und der VW-Großaktionär Porsche Automobil Holding engagiert haben, mit rund zwei Milliarden Euro bewertet.
Die ESA legt in ihrem Wettbewerb einen Fokus auf kleinere Raketen. Die Entwicklungen von RFA und PLD sind für jeweils etwa eine halbe Tonne Nutzlast ausgelegt, die Isar-Aerospace-Rakete soll in ihrer aktuellen Konfiguration bis zu eine Tonne transportieren. Im Geschäft mit größeren Transportmengen sind die Anbieter Ariane und Avio präsent. Die ESA tritt in dem Wettbewerber als inhaltlicher und finanzieller Förderer sowie als Ankerkunde für die Nutzung von Startslots auf, die Funktion der Raketen müssen die Hersteller zeigen. Jetzt liege es an den Wettbewerbsteilnehmern „zu beweisen, dass sie zuverlässige Startdienste für Europa liefern und im Wettbewerb bestehen können“, sagte Lucia Linares, die ESA-Leiterin für Strategie und Trägerraketen.
In der ESA-Launcher-Challenge ist auch noch Maiaspace aus Frankreich, eine Ariane-Tochtergesellschaft, im Rennen. Mit dem Unternehmen wurden bisher noch keine Verträge unterzeichnet. Der Prozess stehe aber „kurz vor dem Abschluss“ und solle „in den kommenden Wochen fortgesetzt“ werden, teilte die ESA mit.
