
Die USA und NATO-Verbündete demonstrieren militärische Stärke an der Ostflanke. In den vergangenen Tagen gab es dort eine ungewöhnlich hohe Flugaktivität; insbesondere in der Nähe der russischen Exklave Kaliningrad: Westliche Aufklärungs-, Überwachungs- und Tankflugzeuge sowie Maschinen zur elektronischen Kriegführung waren im Einsatz, wie öffentlich zugängliche Flugdaten zeigen. Amerikanische, schwedische und norwegische Kampfflugzeuge sowie polnische Bodentruppen waren an den Manövern in Polen und im Baltikum ebenfalls beteiligt. Auch über der Nord- und Ostsee kreisten laut Flugdaten Aufklärungsflugzeuge.
Seit dem 17. August zeigen Auswertungen von „Flightradar24“ einen Anstieg des Militärverkehrs in der Region, der demnach am 20. August seinen Höhepunkt fand. Aber auch danach wurden jeden Tag – mit Ausnahme des vergangenen Wochenendes – mehrere Flüge registriert. An diesem Donnerstag ging die Aktivität zurück; die Daten lassen allerdings nur Rückschlüsse auf Flugzeuge mit eingeschaltetem Transponder zu.
Die NATO betont den defensiven Charakter
Die Manöver wurden von den USA angeführt. Die NATO betonte den defensiven Charakter der Aktivitäten und stellte sie als Routine dar. Tatsächlich sind Übungsflüge nahe Kaliningrad nicht ungewöhnlich. Fachleute deuteten die jüngsten Manöver aufgrund der hohen Intensität und des Einsatzes von hochmodernen Spezialflugzeugen jedoch als deutliche Botschaft an Russland. Hybride Angriffe, hinter denen Moskau vermutet wird, sowie Drohungen, die ukrainische Wirtschaft mit massiven Militärschlägen zu treffen, haben die Spannungen weiter verschärft.
Ein Zusammenhang mit den jüngsten Manövern ist nicht bestätigt. Polens Verteidigungsministerium sprach von einer „Demonstration der Fähigkeiten des Bündnisses zur schnellen Reaktion“.
Kaliningrad, gelegen zwischen den beiden NATO-Staaten Polen und Litauen, ist von großer strategischer Bedeutung. Moskau hat dort nuklearfähige Iskander-Raketen stationiert, die europäische Hauptstädte in kurzer Zeit erreichen könnten. Die sogenannte Suwalki-Lücke – ein Korridor zwischen dem mit Russland verbündeten Belarus und Kaliningrad, in dem die Grenze zwischen Polen und Litauen verläuft – gilt als eine der größten Schwachstellen der NATO: Sie könnte mögliches Ziel eines russischen Vorstoßes sein, um die baltischen Staaten vom übrigen Bündnisgebiet abzuschneiden.
Die Verbündeten setzen auf elektronische Kriegführung
Dementsprechend aufmerksam wurde die offensichtliche Machtdemonstration der NATO dort registriert. Aufsehen erregte unter militärischen Beobachtern einer der ersten öffentlich dokumentierten Einsätze einer amerikanischen EA-37B Compass Call nahe Kaliningrad. Das auf elektronische Kriegführung spezialisierte Flugzeug ist eines der modernsten seiner Art. Es kann feindliche Radar-, Navigations- oder Kommunikationssysteme stören.
Die Flugdaten von „Flightradar24“ zeigen, dass die EA-37B am 18. und 20. August mehr als zwei Stunden lang im polnischen Luftraum in der Nähe von Kaliningrad in Schleifen flog. Bei einem möglichen Konflikt um die Suwalki-Lücke könnte es eine wichtige Rolle in der Störung der russischen Flugabwehr spielen; Kaliningrad gilt als äußerst gut geschützt.
Das ist bei Weitem nicht das einzige Militärflugzeug, auf das die Verbündeten in der Region setzten. So wurde über der Ostsee ein deutscher U-Boot-Jäger des Typs P-8A Poseidon gesichtet. Der Seefernaufklärer wurde erst Ende 2025 von den USA an Deutschland geliefert. Mit der P-8A können U-Boote aufgespürt, verfolgt und bekämpft werden.
Auch die fliegenden Radarsysteme AWACS waren an den Manövern beteiligt. Sie gelten als die „Augen im Himmel“ der NATO und sind zentral für die Gefechtsführung in der Luft. Zudem leisteten unter anderem Tankflugzeuge des Typs Boeing KC-135R, elektronische Aufklärungsflugzeuge Gulfstream S 102B Korpen und Tank- und Transportflugzeuge Airbus A330 MRTT Unterstützung.
Laut dem Fachportal „Army Recognition“ deutet die Kombination verschiedener Fähigkeiten darauf hin, dass die NATO-Staaten dort keine routinemäßigen Patrouillen durchführten. Es gehe dem Bündnis demnach viel eher darum, zu demonstrieren, dass man „in einem der umkämpftesten militärischen Umfelder Europas“ bestehen könnte.
