
Neulich erzählte ein Ehepaar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von seinem Austritt aus dem Sportverein. Weil sich die AfD im Klub breitgemacht habe. Die Werte seien verloren gegangen. Was bedeutet das für den organisierten Sport in Sachsen-Anhalt? Bei der Landtagswahl am 6. September wollen laut Prognosen mehr als 40 Prozent der Wähler für die laut Verfassungsschutz „gesichert rechtsextreme Bestrebung“ stimmen. Wird es einen Exodus von Sportfreunden geben?
Es wäre verständlich. Man muss nicht beim Verfassungsschutz nachlesen, um die Verfassungsfeindlichkeit der AfD und deren großes Interesse am Sport erkennen zu können. Über die Vereine lässt sich das menschenverachtende Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft tragen. Die Strategie ist perfide: nett, hilfsbereit, sich unpolitisch gebend. Parteiveranstaltungen in Sportlerheimen sind keine Ausnahme mehr. Die Stimmen der Demokraten werden leiser. Das Unsägliche immer lauter.
Der Verein als letzte Begegnungsstätte
Man könnte darin eine harte Probe für Sportfreunde entdecken. Weil sie stolz von den Werten des Sports sprechen, von Fairness und Gerechtigkeit. Der Verein dient als gute Schule, bildet eine der letzten Begegnungsstätten. Er ist die Inklusions- und Integrationsinstitution, in der Menschen egal welcher Herkunft und Neigung – akzeptiert und geschützt – ihren Platz finden können und sollen. Das mag nicht überall so funktioniert haben wie gewünscht. Aber wer vom Scheitern der Vielfalt spricht, will es herbeireden. Die AfD steht für das Gegenteil von dem, was Sportvereine auch so bedeutend gemacht hat: für Ausgrenzung.
Dagegen zu sein, ist leicht. Doch aus scheinbar sicherer Distanz Demokraten in Sachsen-Anhalt aufzufordern, in ihren Vereinen als Opposition in Erscheinung zu treten, verkennt die Realität. Mit der Normalisierung des Unsäglichen als Sagbares wird sich nach der Landtagswahl die Fratze des Rechtsradikalismus noch aggressiver zeigen. In der dritten Fußballliga ist sie schon zu sehen. Rassistische Äußerungen, der Hitlergruß zählen zum Alltag. Das Aufhängen eines Plakates für Vielfalt gilt in manchem Dorf inzwischen als mutiger Akt.
Die Deutsche Sportjugend und der Deutsche Olympische Sportbund haben sich im Mai wieder eindeutig positioniert gegen extremistische Parteien wie die AfD und andere. Der Landessportbund von Sachsen-Anhalt tat es quasi parallel. Andere ziehen nach. Das macht den Einzelnen nicht in seiner Not zum Widerstandskämpfer. Aber es kann helfen, ein bundesweites Bündnis zu schaffen, die Urtugend des Sportlers zu beflügeln: nicht aufzugeben, nicht zu akzeptieren, was nicht akzeptabel ist. Vor dieser Prüfung stehen nicht nur potentiell starke demokratische Sportfreunde in Sachsen-Anhalt. Der Rückzug des Ehepaars aus seinem Verein fand in Bayern statt.
