
Das Darmstädter Stadtparlament befürwortet mehrheitlich den Baustopp beim Besucherzentrum für die Mathildenhöhe und einen Neuanfang bei der Planung. Das heißt, Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) findet eine breite Zustimmung für das von ihm in der vergangenen Woche vorgeschlagene Moratorium. Das hat sich am Donnerstagabend in der Sitzung der Stadtverordneten gezeigt.
Kein Redner forderte, an den bisherigen Plänen für das Informationszentrum an der Welterbestätte festzuhalten und nach ihnen weiterzubauen. Vielmehr kritisierten mehrere Fraktionen, Baustopp und Moratorium hätten noch früher kommen müssen. Damit wendet sich das Stadtparlament von der bisherigen Beschlusslage ab. Der Neubau mit drei Geschossen, der auf dem Osthang der Mathildenhöhe gebaut werden sollte, war in den vergangenen Jahren mehrfach mit breiter Mehrheit beschlossen worden. Eine Abstimmung über dieses Thema gab es am Donnerstagabend aber nicht. Der Oberbürgermeister hatte seine Vorlage dem Stadtparlament lediglich zur Kenntnis vorgelegt, so dass die Fraktionen nicht die Wahl hatten, zuzustimmen oder abzulehnen.
Benz begründete am Donnerstagabend, warum die bisherigen Pläne nicht weiterverfolgt werden sollten. Nach seinen Worten ist in den vergangenen zehn Jahren ein Gebäude für ein Besucherzentrum geplant worden, ohne dass ein Konzept dafür vorlag, wie die Besonderheiten des Mathildenhöhe und die kunsthistorische Bedeutung des Ensembles aus der Zeit des Jugendstils erklärt werden sollten. Zuerst müsse aber über Inhalt und Darstellungsform der Vermittlung entschieden werden. Daraus könne abgeleitet werden, ob man einen Neubau für ein Besucherzentrum brauche, wie groß es werden müsse und welche Inhalte digital und dezentral in vorhandenen Gebäuden vermittelt werden könnten. Die UNESCO verlange für die Verleihung des Welterbetitels eine Vermittlung, nicht aber ein Gebäude in einer bestimmten Größe.
Benz: Moratorium keine Entscheidung gegen Besucherzentrum
Gegen die bisherige Planung sprächen außerdem die zu hohen Kosten, die derzeit auf 21 Millionen geschätzt würden. Das passe nicht mehr in die von einem finanziellen Engpass geprägte Gegenwart. Auch sei die Zuständigkeit für die Mathildenhöhe innerhalb der Verwaltung auf zu viele Dienststellen verteilt. Gebraucht werde nun ein zentrales Management. Das Moratorium sei nicht eine Entscheidung gegen ein Besucherzentrum, es werde nur noch einmal neu geprüft und geplant. Dabei müsste auch an die Wegführung von der Innenstadt, dem Hauptbahnhof und vom Frankfurter Flughafen zur Welterbestätte gedacht werden.
Bijan Kaffenberger (SPD) nannte es „eine Form von Größe“, sich gegen die lange Zeit verfolge Planung zu entscheiden. Ohnehin seien Ausgaben für die Sanierung mehrerer historischer Bauten auf der Mathildenhöhe von zusammen 16 Millionen Euro nötig. Das Moratorium sei überfällig. Damit sei seine Fraktion ebenfalls einverstanden, auch wenn die FDP bisher etwas anderes verfolgt habe, sagte Leif Blum (FDP). Zuerst müsse ein Konzept für die Vermittlung entwickelt werden, danach die angemessene Hülle, also ein passendes Gebäude. Kerstin Lau (Uffbasse) sagte, die Stadtverordneten übernähmen mit dem Moratorium Verantwortung. Das Vorhaben hätte schon viel früher überprüft werden müssen.
Peter Franz (CDU) nannte es „nicht akzeptabel“, dass über zehn Jahre hinweg in der Planung die Höhe der Kosten und die Funktion des Besucherzentrums nicht in Einklang gebracht worden seien. Bei der Projektsteuerung habe es ein Defizit gegeben. Bei geschätzten Kosten von 21 Millionen Euro sei es richtig, die alte Planung nicht weiterzuverfolgen. Die CDU sei aber für ein Besucherzentrum, nicht alles lasse sich nur digital vermitteln: „Die Mathildenhöhe braucht einen Ort, um Menschen willkommen zu heißen.“
Grüne: Entscheidung für Moratorium hätte früher fallen können
Hildegard Förster-Heldmann (Die Grünen) sagte, der UNESCO sei bei der Bewerbung um den Status als Weltkulturerbe der Menschheit sehr wohl ein Vermittlungskonzept vorgelegt worden, sonst wäre die Mathildenhöhe nicht zum Welterbe erklärt worden. Für ein Moratorium hätte man sich auch schon im vergangenen Herbst entscheiden können, also vor der Rodung des Bauplatzes auf dem Osthang im Februar. Alle Fraktionen seien gesprächsbereit gewesen. Es sei „eine Frechheit“ zu behaupten, die Stadt könne Geld einsparen, wenn sie die bisherige Planung fallen lasse.
Justin Krame (Volt) sagte, die Beschlüsse zugunsten der bisherigen Planung seien in den vergangenen Jahren gefasst worden, ohne dass den Stadtverordneten belastbare Informationen vorgelegt worden seien, etwa dazu, ob auch bestehende Gebäude benutzt werden könnten, um die Mathildenhöhe zu erklären. Volt unterstütze deshalb das Moratorium. Es sei aber respektlos gegenüber dem Parlament, wenn der Oberbürgermeister dieses wichtige Thema nur zur Kenntnisnahme und nicht zur Beschlussfassung vorlege. Nun müsse der Rathauschef auch die Kosten des Moratoriums darlegen.
Ayla Linda Kara von der gemeinsamen Fraktion von Die Linke und Tierschutzpartei sagte, der Baustopp sei mit einem „Fingerschnippen des Oberbürgermeisters“ durchgesetzt worden. Zehn Jahre lang sei der Osthang ein „lebendiger Kulturort“ für die Veranstaltungen einer Initiative gewesen. Im Winter seien der Bauplatz geräumt und gesunde Bäume gefällt worden, das hätte nicht sein müssen, nun sei der Osthang mit der bereits ausgehobenen Baugrube nur noch eine „tote Baustelle“.
