
Felix Plog ist kaum zu bremsen, wenn es um die Wärmepumpe geht. Die Energiezeitenwende sei endgültig erreicht, die Elektrifizierung des Heizens unumkehrbar, die Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie uneinholbar im Vergleich zu fossilen Alternativen, sagt er. Der Überschwang ist nachvollziehbar, denn Plog ist Vorstandsvorsitzender von Thermondo und der Berliner als erster Mann ein Profiteur der Wende am Heizungsmarkt – außerdem geben ihm die Zahlen Rückenwind.
Keines der sogenannten Clean-Tech-Unternehmen in Deutschland habe es bisher zur Profitabilität geschafft, sagte Plog am Donnerstag, was zunächst nur eine subjektive Wahrnehmung von Konkurrenten wie Enpal oder 1Komma5 Grad ist und dem aktuellen Höhenflug geschuldet sein mag. Thermondo allerdings ist objektiv erfolgreicher denn je seit seiner Gründung im Jahr 2013. Es hat zum ersten Mal Geld verdient nach Jahren des Aufbaus und der Investitionen. Als digitaler Heizungsinstallateur gestartet, hat das Unternehmen inzwischen eine Form und Struktur gefunden, die ihm in diesem Jahr 275 Millionen Euro Umsatz einbringen soll. Und erstmals ein operatives Plus von 12 Millionen Euro. Ein „Meilenstein“, wie der CEO schwärmt.
Plog hat seit seinem Wechsel zu Thermondo im Jahr 2024 alles auf die Wärmepumpe gesetzt, Gas- oder Ölheizungen sind längst kein Geschäftsfeld mehr. Aufgrund der Energiekrise im selben Jahr war das allerdings kein revolutionärer Ansatz. Auf der eigenen Online-Plattform geht es inzwischen aber nicht mehr nur um die Installation, Wartung oder Finanzierung von Wärmepumpen, sondern um weitere Produkte und Services rund um klimaneutrales Wohnen: Photovoltaik, Wallboxen und Energiespeicher etwa. Der Aufbau dieser Plattform, die Entwicklung einer eigenen Software, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz – all das war so kapitalintensiv, dass für das Unternehmen jahrelang an Gewinn nicht zu denken war. Zuerst kamen die Investitionen. Das hat sich in diesem Jahr erstmals geändert und soll auch so bleiben.
Neues Gesetz gibt mehr Sicherheit
Treiber des aktuellen Erfolgs ist mit weitem Abstand die Wärmepumpe. Sie sei der „Top-Seller“, sagt Plog. Bis zum Ende des Jahres will das Unternehmen zusätzlich rund 8000 Geräte installiert haben, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 47 Prozent entspräche. Damit nähert es sich der Zahl von 20.000 insgesamt installierten Geräten. 10.000 neue Installationen im Jahr seien in nächster Zeit möglich, der Weg habe gerade erst begonnen. Um zu verdeutlichen, in welchen Regionen sich das Unternehmen früher bewegt hat, ist ein Blick ins Jahr 2022 hilfreich. Damals installierte Thermondo ganze 713 Wärmepumpen, der Umsatz lag bei 73 Millionen Euro.
Der derzeitige Aufschwung betrifft den ganzen Markt: In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden in Deutschland alles in allem rund 195.000 Wärmepumpen installiert, auch dies ein Plus von mehr als 40 Prozent im Vergleich zu 2025. Gasheizungen hingegen – immer noch in der Hälfte der Wohnungen in Deutschland im Einsatz – legten nur um ein Prozent zu. Der Einbau von Ölheizungen ging um elf Prozent zurück.
Es passt ins Bild, dass Plog auch im neuen, inzwischen beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz keine Gefahr für Thermondo sieht, das insgesamt 1200 Menschen beschäftigt, darunter 600 festangestellte Handwerker. Die Förderung von Wärmepumpen wird in den kommenden Jahren zwar schrittweise reduziert, und der Neueinbau von Gas- oder Ölheizungen bleibt erlaubt.
Das alles sei nicht ideal, aber es gebe trotzdem größere Planungssicherheit, und davon werde auch Thermondo profitieren. Es gebe immerhin „einen klaren Rahmen für die nächsten Jahre“ und „Investitionssicherheit bis 2030“. Deshalb rechne das Unternehmen mit einer weiter steigenden Nachfrage und folglich mit höheren Umsätzen. Vorbei die Zeiten also, in denen das Vorgängergesetz, das unter der Chiffre Heizungshammer für enormen politischen Wirbel und das Gegenteil von Planungssicherheit gesorgt hatte, die Branche in Atem hielt.
Es ist allerdings nicht so, dass Thermondo in der neuen Wärmepumpenwelt mit jeder Menge Anbietern zusammenarbeiten würde. Im Grunde sind es nur zwei Marken, die das Unternehmen installiert, Buderus aus dem Bosch-Konzern und LG aus Korea. Dabei ist der Markt deutlich breiter. Neben den deutschen Platzhirschen Vaillant und Viessmann sowie kleineren Marken gibt es inzwischen auch Anbieter aus China. Plog verweist auf die geringere Komplexität, wenn sich Thermondo auf wenige Marken fokussiert. Und auf die guten Erfahrungen mit den favorisierten Marken.
Es ist deshalb auch nicht ausgemacht, dass das Unternehmen neben dem Kernthema Heizen künftig ins Kühlen einsteigen will. Dabei scheint nach dem Rekordsommer die Zeit der Klimaanlagen auch in Deutschland gekommen zu sein – ein Produkt, das Herstellern von Wärmepumpen wegen der technischen Ähnlichkeit naheliegt.
Plog berichtet, dass das Kühlen von Häusern oder Wohnungen in Einzelfällen schon heute mit einer Wärmepumpe möglich sei. Und Thermondo habe in Baden-Württemberg schon mit dem Verkauf von Klimaanlagen begonnen, um mithilfe dieses Testballons herauszufinden, ob das Geschäft interessant sein könnte. Möglich, dass man dieses Angebot demnächst national ausrolle. Kein Wunder, dass der CEO auch auf diesem Terrain die Ruhe selbst ist. Wer mit seinem Kernprodukt so stetig wächst, ist auf kein weiteres angewiesen.
