
Gipfel zur Straße von Hormus – ohne Amerika
Auf Initiative von Berlin und Ankara wird es am Sonntag in Istanbul einen Gipfel der sogenannten E3 und der R4-Gruppe auf Ebene der Außenminister in Istanbul geben, bei dem unter anderem über die Lage in der Straße von Hormus gesprochen werden soll. Das erfuhr die F.A.Z. aus Berliner Regierungskreisen. Der E3 gehören Deutschland, Frankreich und Großbritannien an, die R4-Gruppe hat sich nach dem israelisch-amerikanischen Angriff auf Iran zusammengefunden, um gemeinsame Interessen zu vertreten. Zu ihr gehören die Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien und Pakistan. Das Treffen soll Sonntagmittag beginnen, auch Außenminister Johann Wadephul wird anreisen.
Ob es zu einer gemeinsamen Erklärung kommen wird, ist noch unklar. Allerdings ist das Treffen selbst schon ein Zeichen – ebenso wie der Fakt, dass weder Vertreter aus Amerika noch Israel dabei sind. Am Montag hatte Wadephul mit dem amerikanischen Außenminister Marco Rubio telefoniert, Washington teilte im Anschluss mit, die beiden hätten das gemeinsame Engagement der USA und Deutschlands für die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus bekräftigt. Faktisch aber ist Amerika einer Lösung des Problems bislang nicht näher gekommen.
Weil Berlin auch mit Blick auf die Ernährungssicherheit und die stockenden Getreideexporte aus der Ukraine über das Schwarze Meer große Interessenüberschneidungen mit Mitgliedern der R4-Gruppe sieht, soll auch das ein Thema des Gipfels werden. Wadephul hatte am Wochenende bei seinem Besuch in der Ukraine vor allem auf Drängen des ukrainischen Präsidenten zugesagt, bei der Suche nach einer Lösung zu helfen: da Russland nicht nur Hafenstrukturen bombardiert, sondern auch Schiffe angreift, kommt der Export von Getreide aus der Ukraine in die Welt zunehmend zum Erliegen. Die Türkei hatte bereits in der ersten Phase des Krieges ein Schwarzmeer-Abkommen zum Getreideexport vermittelt.
