
Die widrigen Wetterbedingungen in diesem Jahr haben der Ernte beim Wintergetreide nicht geschadet. Nach vorläufigen Daten des Hessischen Statistischen Landesamts wurden im Landesdurchschnitt knapp sieben Tonnen Getreide je Hektar geerntet. Das ist nach Angaben der Statistiker zwar eine etwas geringere Menge als im Vorjahr, aber mehr als der Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 von etwa 6,7 Tonnen.
Besonders stark schnitt in diesem Jahr die Wintergerste ab: Mit gut 7,4 Tonnen je Hektar lag sie um 0,85 Tonnen über dem Mittel der vergangenen sechs Jahre. Winterweizen kam auf knapp 7,3 Tonnen. Die Sommerkulturen haben nach den Zahlen, die beim Erntegespräch des Landesbetriebs Landwirtschaft in Bad Hersfeld vorgelegt wurden, dagegen unter der Witterung gelitten und sind hinter dem Vorjahresergebnis zurückgeblieben.
Insgesamt kamen (ohne Körnermais) rund 1,83 Millionen Tonnen Getreide und etwa 208.000 Tonnen Raps zusammen. Die Anbauentscheidungen verändern sich dabei: Die Winterweizenfläche schrumpfte seit dem vergangenen Jahr um rund 6100 Hektar auf rund 143.000 Hektar. Winterraps wurde dagegen auf rund 55.000 Hektar angebaut, 3400 Hektar mehr als im Vorjahr.
„Gute Erträge allein reichen nicht“
Anna Kaiser, kommissarische Direktorin des Landesbetriebs Landwirtschaft, warnte davor, gute Hektarerträge mit einem wirtschaftlich guten Jahr gleichzusetzen. „Diese Ernte zeigt einmal mehr, wie stark unsere Betriebe von Witterung, Märkten und sich verändernden Rahmenbedingungen abhängig sind – gute Erträge allein reichen nicht“, sagte Anna Kaiser, kommissarische Direktorin des Landesbetriebs. Die Betriebe blieben stark von Witterung, Märkten und sich wandelnden Rahmenbedingungen abhängig.
Hitze und Trockenheit beschleunigten die Reifung des Getreides. Die Gewichtsentwicklung verkürze sich, und die Ernte müsse früher beginnen. Damit gewinne die Wahl robuster, an den jeweiligen Standort angepasster Sorten an Bedeutung. Der Landesbetrieb untersuche darum, welche Züchtungen mit regionalen Böden, Krankheiten und Wetterlagen am besten zurechtkommen.
Auch die Märkte bleiben nach Angaben der Experten des Landesbetriebs schwer kalkulierbar. Je nach Getreideart legten die Preise zuletzt um 10 bis 20 Euro je Tonne zu, hieß es. Eine Rolle spielten dabei auch die Ernteerwartungen in weltweit wichtigen Anbauregionen und geopolitische Konflikte beispielsweise im Schwarzmeerraum. Niedrige Wasserstände auf Rhein und Donau verteuern zudem den Transport.
Schwächere Maisernten in Frankreich und Deutschland durch die Dürre könnten die Nachfrage nach Futterweizen erhöhen. Beim Raps wird weltweit dagegen eine große Ernte erwartet; dennoch lagen die Preise zuletzt bei rund 500 Euro je Tonne. Als Reaktion empfiehlt der Ökonom des Landesbetriebs, Nikos Förster, eine zeitlich gestaffelte Vermarktung.
