Stille. Kein Wort, kein Pfeifen, kein Buhen. Nur angespannte Ruhe. Während die Autokolonne des Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume sich dem Westtor des Volkswagen-Werks in Zwickau nähert. Die drei E-Bullis gleiten geräuschlos durch das Spalier der grimmig dreinschauenden Betriebsräte und Gewerkschafter. Sie haben Transparente mitgebracht, die sie jetzt hochhalten. »Mama, hast Du in fünf Jahren noch Arbeit?« steht auf einem Plakat oder »Vereint für unsere Zukunft kämpfen« auf einem anderen.
Der VW-Chef ist auf einer freudlosen Deutschland-Tour. Veranlasst vom Betriebsrat, manche sagen davon gezwungen, besucht Oliver Blume nun neun Fabriken seines kriselnden Konzerns. Gestern, im Wolfsburger Stammwerk, wo die Beschäftigten ihn auspfiffen, wurden Blume noch Ohrenstöpsel angeboten. In Zwickau am Rande des Erzgebirges ist das anders. Hier will man den Konzernchef nicht erzürnen. Zu groß ist die Sorge um die eigenen Arbeitsplätze und um die gesamte Region.
