Péter Nádas hat das furchtbare zwanzigste Jahrhundert in epochemachenden Romanen eingefangen. Ende des Familienromans (1977), Buch der Erinnerung (1985), Parallelgeschichten (2005), Aufleuchtende Details (2017) und zuletzt die düsteren Schauergeschichten (2022) sind Meilensteine europäischer Literatur und so
albtraumhaft und grausam schön wie das Leben des 1942 in Budapest geborenen
Sohnes jüdischer Kommunisten Péter Nádas.
Jeder dieser epischen Schwergewichte war
jeweils eine viele Jahre beanspruchende Herkulesarbeit für den zarten, immer
jung aussehenden Weltautor, dessen kultivierte, sanfte Erscheinung an einen
verspäteten Prinzen des königlich-kaiserlichen Kulturimperiums denken ließ. Was
schließlich auch durch sein fantastisches, in vielen weichen Molltönen singendes
Deutsch unterstrichen wurde. Aus jedem dieser abgründigen, mit den blutigen
Verwerfungen und Verwundungen des vorigen Jahrhunderts ringenden Epochenromanen
schien Péter Nádas jedes Mal noch rosiger und noch verjüngter wieder
hervorzugehen. Zuletzt sah man ihn in diesem Frühsommer in bewundernswerter
Frische, als der deutsche Bundespräsident ihm das Große Verdienstkreuz mit Stern des
Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verlieh.
