Nach schweren Überschwemmungen im Himalaya-Staat Nepal werden mindestens 384 Reisende vermisst. Unter den Vermissten in der Grenzregion zu Tibet seien 291 Ausländer, darunter Menschen aus Deutschland, den USA, Spanien sowie 105 Inder, teilte die Tourismusbehörde am Mittwoch mit. Auch acht Südkoreaner, die bei einem Wasserkraftwerk in dem Gebiet arbeiteten, wurden vermisst, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Außenministerium in Seoul meldete.
Die Tourismusbehörde berief sich auf vorläufige Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren. Der Großteil der Vermissten stammt demnach aus dem Nachbarland Indien.
Die Zahl der Toten infolge der Flutwelle erhöhte sich unterdessen auf 22. Das sagte der Leiter der Polizei der betroffenen Provinz Bagmati. Es werde noch eine Zeit lang dauern, bis genauere Daten zu Vermissten und zum Ausmaß der Schäden vorlägen. Bestätigt wurde, dass 26 Polizeibeamte in den betroffenen Hochgebirgsgebieten nahe der Grenze zu Tibet als vermisst galten. Auch Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete von Befürchtungen über zahlreiche Opfer und Vermisste am Grenzübergang im Kreis Gyirong im Südwesten der Region Tibet.

Möglicher Gletscherseeausbruch
Nach Berichten der Zeitung „The Kathmandu Post“ und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt. Unter anderem seien Häuser und Brücken zerstört oder beschädigt worden.
„Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen“, sagte der Lehrer Suman Chalise aus dem nepalesischen Bezirk Nuwakot der Nachrichtenagentur AFP. „Es war absolut entsetzlich. So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen.“ Die nepalesische Armee entsandte Hubschrauber und Rettungstrupps in die Katastrophenregion. Mehrere Fernstraßen waren blockiert.
Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmaßnahmen an. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus. Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Nicht ausgeschlossen wurde, dass ein sogenannter Gletscherseeausbruch dazu geführt haben könnte. Dabei entleert sich plötzlich ein Gletschersee in Form von Flutwellen.
Vermisste im Südwesten Tibets
Auch Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete von Befürchtungen über zahlreiche Opfer und Vermisste am Grenzübergang im Kreis Gyirong im Südwesten der Region Tibet. Die Schlammlawine habe die Straßen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Xinhua. Videoaufnahmen in sozialen Medien und Fotos zeigten, wie die braunen Schlammmassen das Flusstal überspülten.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffenen Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.
