
Der ungarische Dichter Péter Nádas ist heute Vormittag im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Gombosszeg verstorben. Das wurde auf der Facebook-Seite des Autors, der immer wieder für den Literaturnobelpreis gehandelt wurde, bekanntgegeben.
„Wir veröffentlichen diese Nachricht auf Wunsch der Familie und bitten die Leser sowie die Vertreter der Presse hiermit, bis auf Weiteres zu respektieren, dass die Familie keine Stellungnahme abgeben möchte“, hieß es.
Die Ideologien und Gräuel des 20. Jahrhunderts sind die großen Themen, die das Lebenswerk des am 14. Oktober 1942 in Budapest Geborenen durchziehen.
Den Holocaust überlebte Péter Nádas mit seiner Familie in Verstecken und mit falschen Papieren. In der Familie des Heranwachsenden war die jüdische Herkunft dennoch kein Thema. Die Eltern waren überzeugte und dann enttäuschte Kommunisten. Die Mutter erlag früh einer Krankheit, als Nadas 13 Jahre alt war. Drei Jahre danach verübte der Vater Suizid.
Mehrere Monumentalwerke
Von 1965 bis 1969 arbeitete Nádas bei diversen Zeitungen, danach war er freier Schriftsteller. Seine Schreibweise fand im kommunistischen Ungarn nur zögerlich Anerkennung. Fast zwölf Jahre arbeitete er am „Buch der Erinnerung“, einem Opus von 1.300 Seiten, das auf drei Zeitebenen – 1900, 1950 und 1970 – und drei geografischen Räumen – Ungarn, Heiligendamm und Ost-Berlin – drei Personen miteinander verstrickte und ihm zum Durchbruch im deutschen Sprachraum verhalf.
17 Jahre widmete Péter Nádas dem Roman „Parallelgeschichten“. Auf den 1.700 Seiten der deutschen Fassung verwebt er scheinbar zusammenhanglos Personen, Motive und Ereignisse zu einem Universum jenseits des Textes. Mit „Aufleuchtende Details“ legte er ein weiteres Monumentalwerk von fast 1.300 Seiten vor.
Anlässlich seines 80. Geburtstags sagte er der ungarischen Nachrichtenagentur MTI, dass er wohl noch ein paar Dinge schreiben wolle, aber nicht mehr in monumentalen Umfängen. „Die Bäume sterben im Stehen, ich beim Schreiben – na, das wäre ein schöner Tod.“
