
Stromerzeugung und -übertragung sind angesichts des wachsenden Energiebedarfs in der ganzen Welt Wachstumsfelder. Auf diese wird sich der Energietechnikkonzern Siemens Energy in Zukunft konzentrieren. Aus diesem Grund bereitet der Vorstand um den Vorsitzenden Christian Bruch die Abspaltung der Sparte für Industrielösungen vor. Denn der Kapitaleinsatz ermöglicht in wachstumsstarken Geschäften höhere Erträge. Dazu zählt die Industriesparte nicht, die zwar ordentlich wächst und eine Gewinnmarge im zweistelligen Prozentbereich erzielt.
Schwer prognostizierbares Geschäft
Doch reicht das dem Vorstandsvorsitzenden nicht. Bruch gibt klare Renditeziele vor. Kann ein Bereich dauerhaft nicht mithalten, wird er auf den Prüfstand gestellt. Die Abspaltung der Industriesparte begründet er nun damit, dass die Investitionen in das Gasgeschäft und die Netztechnik kurzfristig höhere Erträge versprechen. Zwischen dauerhaft und kurzfristig gibt es einen Unterschied, der sich nur damit erklären lässt, dass Kapital für Siemens Energy ein knappes Gut ist. Daran ändert der sich auch in diesem Jahr fortsetzende Höhenflug der Siemens-Energy-Aktie nichts.
Nicht noch einmal soll es zu einem Kursabsturz kommen, wie ihn vor drei Jahren die Milliardenverluste der Windkrafteinheit Gamesa verursachten. Der Kapitalmarkt bevorzugt einen engen und klaren Fokus auf die Wachstumsgeschäfte. Doch das Energiegeschäft bleibt trotz wachsenden Bedarfs schwer prognostizierbar. Die nachhaltige Stromerzeugung durch Windkraft hat sich für Siemens Energy zwischenzeitlich als Milliardengrab erwiesen. Das Gasgeschäft mit seinen CO2-Emissionen galt vor Jahren noch als Auslaufmodell.
Nun sorgt der von den Datenzentren der Künstlichen Intelligenz (KI) angetriebene Energiehunger für eine Renaissance der Gaskraft. Das dürfte vorerst so bleiben, doch bleiben nachhaltige und effiziente Energielösungen für Industrieunternehmen ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende. Wenn auch nicht kurzfristig, dann doch mittelfristig können in diesem Bereich die Erträge sprudeln. Es bleibt dem sich immer mehr von seinem früheren Mutterkonzern Siemens lösenden Unternehmen zu wünschen, dass die strategische Entscheidung einer stärkeren Konzentration sich nicht so schnell als falsch herausstellt. Die angekündigte Umbenennung in Omterra darf nicht von einer strategischen Kehrtwende überschattet werden.
