Besonders Mütter von Grundschulkindern haben während der Schulschließungen in der Corona-Pandemie ihre Arbeitszeit reduziert. Die Wahrscheinlichkeit, Vollzeit zu arbeiten, sank bei Müttern mit Kindern im Grundschulalter um 4,8 Prozent, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt. Väter weiteten hingegen ihre Beschäftigung aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Vater voll- oder teilzeitbeschäftigt war, stieg um 5,2 Prozentpunkte.
Laut Studienautorin Blanka Imre deuten die Ergebnisse auf »eine anhaltende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt hin«. Die Unterschiede verstärkten sich zudem, wenn die Eltern verheiratet waren. In dieser Paarkonstellation reduzierten die Mütter eher die Arbeitszeit als bei unverheirateten Paaren mit Kindern. Verheiratete Paare orientierten sich »eher noch als unverheiratete (…) an einem klassischen Rollenbild«, sagte der DIW-Forscher Markus Grabka
den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
DIW-Team fordert mehr Flexibilität von Arbeitgebern
Die Ergebnisse der Studie gelten nur für Eltern, die in dem betreffenden Zeitraum ausschließlich Grundschulkinder hatten. Keinen statistisch signifikanten Zusammenhang fanden die Forscherinnen und Forscher bei allen Eltern von schulpflichtigen Kindern. Dies könnte mit der Übernahme von Betreuungsaufgaben durch ältere Geschwister zusammenhängen.
Das DIW-Team sieht in den Ergebnissen negative Konsequenzen für Mütter. Diese hätten »es auf dem Arbeitsmarkt ohnehin schwerer«, sagte Studienautor Neil Murray. »Ziehen sie sich zusätzlich aus dem Arbeitsmarkt zurück, dürfte das ihre Karrierechancen beeinträchtigen und sich langfristig negativ auf ihre Altersvorsorge auswirken.« Die Forscherinnen und Forscher forderten mehr Flexibilität von Arbeitgebern, vor allem im Hinblick auf Arbeitszeiten, Homeofficeregelungen, aber auch eine besser finanzierte Kinderbetreuung.
