
Im Rheingau-Viertel im Südwesten der Wiesbadener Kernstadt und im benachbarten Dichterviertel hat wieder eine ganze Serie von in Brand geratenen Mülltonnen für Aufregung unter Anwohnern und für einen Großeinsatz der Wiesbadener Feuerwehr gesorgt. Die Brände folgen dem Verlauf des ersten Rings, der zwischen Hauptbahnhof und Ringkirche Kaiser-Friedrich-Ring heißt.
Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung, äußert sich derzeit aber noch nicht konkreter. Auffällig ist nach Angaben eines Sprechers, dass es nach einer ersten Welle vor rund einem Monat nun wieder eine neue Serie brennender Müllbehälter gebe.
ELW sieht Vorsatz der Brandstiftung
Ein Sprecher der Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) äußerte auf Nachfrage, dass es sich mit größter Wahrscheinlichkeit nicht um Fahrlässigkeit handele. Schon die Häufung schließe das faktisch aus. Zudem hätten die damit befassten ELW-Mitarbeiter festgestellt, dass ganz überwiegend die Gelben Tonnen, also die Behälter für Wertstoffe wie Kunststoffverpackungen und dergleichen, brannten.
Das spreche dafür, dass sich der Täter oder die Tätergruppe vorher genau überlegt habe, welche Tonnen am leichtesten und vollständig in Brand zu setzen seien, führte der ELW-Sprecher weiter aus. Wenn man maximalen Schaden verursachen wolle, werfe man einen brennenden Gegenstand sicher nicht in eine feuchte Biotonne, fügte er hinzu.
Weil viele der betroffenen Tonnen zu Mehrfamilienhäusern gehören, handelt es sich bei den durch das Feuer zerstörten Tonnen meistens um große, 1100 Liter fassende Behälter mit vier Rollen, die entsprechend teuer in der Wiederbeschaffung sind. Die Lage spitzt sich laut ELW auch deshalb zu, weil die Brandserie vom Wochenende die zweite Welle in diesem Jahr ist.
Hoher Schaden für die Entsorgungsbetriebe
Schon vor dem Wochenende belief sich die Zahl der durch Feuer zerstörten Abfallbehälter in Wiesbaden auf mehr als 250. Die Kosten für den Ersatz der zerstörten Behälter betrugen schon ohne den neuerlichen Ersatzbedarf einen mittleren fünfstelligen Euro-Betrag, wie es bei der ELW weiter heißt.
„Jede in Brand gesetzte Mülltonne ist weit mehr als nur Sachbeschädigung. Die Brände verursachen erhebliche Kosten, binden Personal und können im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden. Diese Entwicklung bereitet uns große Sorgen“, hatte ELW-Betriebsleiter Markus Patsch schon vor der aktuellen Brandserie gewarnt.
Um Schlimmeres zu verhindern, muss bei solchen Bränden nicht nur die Berufsfeuerwehr ausrücken. Die Einsatzkräfte müssen dann von Kräften der freiwilligen Feuerwehren in den Wachen vertreten und auch an Ort und Stelle unterstützt werden, wie ein Sprecher der Berufsfeuerwehr auf Nachfrage erläutert. Am Wochenende waren seinen Angaben zufolge acht freiwillige Wehren im Einsatz, um trotz des Großeinsatzes keine Sicherheitslücke entstehen zu lassen. Ohne die freiwilligen Feuerwehren sei ein solcher Großeinsatz — zumal in der Nacht — nicht zu stemmen, führte der Feuerwehrsprecher weiter aus.
In der Regel hält sich die Feuerwehr mit Äußerungen zur Brandursache zurück. In diesem Fall gehen die Brandbekämpfer aber wegen der deutlichen Häufung der Brände in wenigen Stunden davon aus, dass es sich nicht um ein zufälliges Aufeinandertreffen von Fahrlässigkeiten wie in den Müll geworfene Akkumulatoren handelt. Die von diesen ausgehenden Brandgefahren seien zwar erheblich. Im konkreten Fall spreche aber die Serie von Bränden klar für eine Absicht.
Für die Feuerwehr ist ein solcher Großeinsatz, bei dem auch heikle Kunststoffe brennen, immer mit der Notwendigkeit verbunden, sich auch im Freien mit Atemschutz dem Brandherd zu nähern. Nach erfolgreichem Einsatz bedeutet das für die Techniker der Feuerwehr, jedes benutzte Gerät zu reinigen, zu prüfen und für den nächsten Einsatz freizugeben, wie der Sprecher weiter erläutert.
