
Kein schönes Ergebnis für Frankfurt: Bei einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für die F.A.Z. haben von den etwa 1000 Befragten in ganz Deutschland auf die Frage, in welcher Stadt Deutschlands sie auf keinen Fall wohnen wollten, 46 Prozent Frankfurt genannt. Ähnlich bescheiden war sonst nur der Wert für Berlin, andere Großstädte schnitten deutlich besser ab. Bei Hamburg etwa gaben lediglich 13 Prozent an, sie wollten dort auf keinen Fall wohnen. Umgekehrt nannten bei der zweiten Frage, wo sie am liebsten leben wollten, nur vier Prozent Frankfurt, das damit in dieser Reihe deutlich auf dem letzten Platz landete. Der Umstand wird auch nicht dadurch gemildert, dass sich 37 Prozent für keine der neun vorgegebenen Städte entscheiden mochten. Sieger wurde München, das für 24 Prozent das Traumziel ist, gefolgt von Hamburg mit 23 Prozent.
Schaut man sich die Umfrage genauer an, so ergibt sich ein vielschichtigeres Bild. So würden immerhin sechs Prozent der Befragten mit einer höheren Schulbildung am liebsten in Frankfurt leben. Gliedert man die Befragten nach Altersgruppen, so liegt der Wert bei denjenigen zwischen 30 und 44 Jahren mit acht Prozent doppelt so hoch wie der Schnitt von vier. Auffällig sind aber vor allem zwei Werte: Bei den Befragten mit Migrationshintergrund entschieden sich für Frankfurt mit zehn Prozent deutlich mehr als bei denjenigen ohne mit drei Prozent, und gliedert man die Befragten nach Anhängern der verschiedenen Parteien, so träumen immerhin zwölf Prozent derjenigen, die sich der FDP verbunden fühlen, von einem Leben in Frankfurt. Die Sympathie der Liberalen bestätigt sich auch bei einer anderen Frage des Instituts, in der es darum geht, welche der Großstädte die Teilnehmer als „faszinierend“ empfänden. Hier nannten im Schnitt aller 1000 Befragten nur neun Prozent Frankfurt, hingegen 26 Prozent der FDP-Anhänger.
Von den Anhängern anderer Parteien wurde die Frage nach dem Lieblingswohnort mit Blick auf Frankfurt deutlich zurückhaltender beantwortet. Von den CDU-Anhängern nannten nur sechs Prozent die Stadt am Main, von denen der Grünen vier und denen der SPD drei. Die wenigsten Freunde hat Frankfurt bei AfD-Anhängern, von denen sich nur zwei Prozent einen Umzug in diese Stadt vorstellen können. Von ihnen wollten allerdings auch überdurchschnittlich viele in überhaupt keine der vorgegebenen Städte ziehen.
Frankfurter mögen sich ein wenig damit trösten, dass das negative Bild der Stadt etwas abnimmt, wenn man sie kennt. Das jedenfalls lässt sich daraus folgern, dass von den Teilnehmern der Allensbach-Umfrage, die in Norddeutschland leben, nur ein Prozent Frankfurt als eine Stadt ansehen, in der sie am liebsten wohnen würden, während es von den Befragten im Rhein-Main-Gebiet immerhin zwölf Prozent sind. Allzu groß ist die Verbundenheit allerdings auch in diesem Ballungsraum nicht: Zugleich gaben 25 Prozent der Befragten aus der Frankfurter Umgebung an, ihr Traumort sei München.
Die meisten Frankfurter leben gerne in der Stadt
Die ernüchternden Ergebnisse der Allensbach-Befragung kontrastieren mit Umfragen unter Frankfurtern, wie sie selbst ihre Stadt einschätzen. Vor der Kommunalwahl im März dieses Jahres hatte die F.A.Z. das Meinungsforschungsinstitut Forsa mit einer Umfrage beauftragt, bei der es nicht ausschließlich um die Wahlabsichten ging, sondern auch um die Stimmung in der Stadt insgesamt. Damals gaben zwar 43 Prozent an, Frankfurt habe sich in den vergangenen Jahren zu seinem Nachteil entwickelt, während nur 25 Prozent meinten, es sei besser geworden in der Stadt. Gleichwohl gaben 79 Prozent der Befragten an, sie lebten gerne in Frankfurt.
Auf die Frage, wie sie die Lebensqualität Frankfurts bewerteten, gaben bei Forsa 64 Prozent der Befragten „sehr gut“ oder „gut“ an, 29 Prozent „weder besonders gut noch besonders schlecht“ und lediglich sieben Prozent „schlecht“. Wiederum fielen die AfD-Anhänger aus dem Rahmen, von denen 32 Prozent „schlecht“ ankreuzten. Die besten Noten erhielt von den befragten Frankfurtern das kulturelle Angebot, mit dem sich 88 Prozent zufrieden zeigten, gefolgt vom Angebot an Kultur- und Freizeitangeboten mit 84 Prozent und der Gesundheitsversorgung mit 74 Prozent Zufriedenheit.
Hamburg und München setzen sich ab
Auch die jährliche Bürgerumfrage der Frankfurter Stadtverwaltung kommt zu einem Ergebnis, dass die Folgerung zulässt, Außen- und Selbstwahrnehmung der Stadt unterschieden sich deutlich. Im vergangenen Jahr gaben bei der Bürgerumfrage zwar 41 Prozent an, die Lebensqualität in Frankfurt habe sich in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert, während nur 26 Prozent eine Verbesserung sahen. Es wurden auch viele Probleme gesehen, vorneweg teurer Wohnraum und mangelnde Sauberkeit. Trotzdem gaben bei der Bürgerumfrage 2025 von den Befragten 79 Prozent der Befragten an, sie lebten „sehr gerne“ oder jedenfalls „eher gerne“ in der Stadt, nur vier Prozent kreuzten „eher ungerne“ oder gar „sehr ungerne“ an.
In der Allensbach-Umfrage ist durchweg erkennbar, dass sich Hamburg und München von den anderen aufgelisteten Großstädten absetzen. Sie sind nicht nur als Lieblingswohnort beliebter mit Zustimmungswerten von mehr als 20 Prozent, die sonst kein Ort erreicht. Sie gelten auch als „faszinierender“ – in dieser Kategorie kommt Hamburg auf 48 Prozent, München auf 47 und Frankfurt auf neun. Sie sind überdurchschnittlich interessant für Befragte mit einem höheren Schulabschluss und höherem Einkommen. Hamburg ist auch nicht nur bei Bewohnern Norddeutschlands besonders beliebt, sondern in weiten Teilen der Bundesrepublik. München mag man hingegen vor allem in der Umgebung. 57 Prozent der Bayern finden die Stadt „faszinierend“.
