Als Marie-Louise Eta in der vergangenen Saison hier sprach, war der Raum manchmal zum Bersten voll. Und ihre Stimme so laut, dass man das Gefühl haben konnte, sie müsse sich noch auf die Situation einpegeln. Als Marie-Louise Eta diesmal im Pressekonferenzraum im Stadion An der Alten Försterei sprach, waren deutlich mehr Plätze frei als besetzt. Aber die Stimme war dieselbe.
Sollte es also noch jemanden gegeben haben, der glaubte, die Fußballtrainerin Marie-Louise Eta hätte in der vergangenen Saison auf die besonderen Umstände reagiert, als Pionierin auf einem Cheftrainerposten bei den Männern (für fünf Ligaspiele), ist spätestens jetzt klar: So spricht sie einfach über Fußball. Und am Freitagabend, nach dem 1:4 des 1. FC Union gegen den FC Bayern München im Eröffnungsspiel der Frauen-Bundesliga, sollte sie auch nur über Fußball sprechen, nicht über die eigene Rolle.
Marie-Louise Eta, die alle im Verein nur „Louie“ nennen, ist in der neuen Normalität angekommen, jener Normalität, die ohnehin für sie vorgesehen war als Cheftrainerin des Frauen-Bundesligateams von Union, die aber dennoch auch etwas Besonderes ist, weil sie noch keine Erwachsenenmannschaft über eine ganze Saison verantwortlich geleitet hat.
Wie die 35-Jährige sich das vorstellt, hatte man in den 90 Minuten davor sehen können: voller Energie, mit einem mutigen, offensiven Ansatz, der am Freitag nur das Problem hatte, dass er auf die mit Abstand beste deutsche Mannschaft traf. So, dass für Etas Geschmack ein bisschen Mut fehlte und sie ein gemischtes Fazit dieser Premiere zog. Nicht zufrieden, klar, bei diesem Ergebnis, aber auch nicht völlig unzufrieden. „Am Ende“, sagte sie, „haben in Spielphasen immer wieder Kleinigkeiten gefehlt.“

Man könnte allerdings auch sagen: Was Union fehlt, um den Bayern wirklich auf Augenhöhe zu begegnen, sind nicht Kleinigkeiten, sondern ein, zwei große Namen. So wie Klara Bühl oder Pernille Harder, die zwei der vier Tore für das Team von José Barcala erzielten. Aber es spricht einiges dafür, dass Union zumindest in der Liga hinter den Münchner Meisterinnen eine spannende Rolle spielen könnte. Nach Platz neun im ersten Bundesligajahr ist nun ein Platz im ersten Drittel das Ziel des unter anderem mit zwei Nationalspielerinnen (Lisanne Gräwe und Jella Veit) verstärkten Teams.
In Berlin-Köpenick wird Fußball egalitär gedacht, und wenn der Verein auch noch nicht mit Champions-League-Einsätzen locken kann, dann immerhin mit professionellen Bedingungen und einem in der Liga einmaligen Flair: Am Freitag waren es über 17.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion – eine großartige Kulisse, die Lust auf mehr machte, auch bei den Gegnerinnen.
Wie viel mehr das bei Union noch werden kann – das hängt in doppelter Hinsicht von Marie-Louise Eta ab. „Ich glaube, sie kann uns sehr weit bringen“, sagte die Vizekapitänin Samantha Steuerwald und machte das auch an der Spielidee der neuen Chefin fest. „Wir wollen viel offensiver spielen, wir wollen das Spiel bestimmen und sehr viele Tore schießen.“
Darüber hinaus ist Eta auch diejenige, die dem ambitionierten Ansatz von Union ein Gesicht gibt – und damit vielleicht ein Argument, um andere ebenfalls davon zu überzeugen. Sie ist, ob sie das will oder nicht, der Star. Möglich, dass der Verein das schon auch so wollte.
