Segel aus Karbon, die sirrend den Wind zerschneiden. Athleten, deren Körper bei jeder Wende mehreren G-Kräften ausgesetzt sind. Und dreizehn F50-Katamarane, die mit bis zu 107 Kilometern in der Stunde (fast 58 Knoten) über die Ostsee jagen: SailGP ist derzeit die spektakulärste und schnellste Segelrennserie der Welt. Und das deutsche Team ist für einen Triumph in dieser Liga – in der zahllose Weltmeister, Olympiasieger und America’s-Cup-Sieger gegeneinander antreten – nicht schnell genug. Jedenfalls noch nicht.
Das ist die Erkenntnis aus dem zweiten SailGP-Gastspiel in Sassnitz auf der Insel Rügen. Bei ihrem Heimspiel erreichte das von Skipper Erik Kosegarten-Heil angeführte und von fast 15.000 Fans auf den langgezogenen Tribünen auf der Mole im Sassnitzer Hafen angefeuerte Team Germany im neunten Event der aktuellen Saison am Ende den siebten Platz.
„Aktuell überwiegt die Enttäuschung. Insgesamt war hier für uns mehr drin. Aber wir nehmen trotzdem viel Positives mit für den Saisonendspurt“, kommentierte Strategin Anna Barth den Rennausgang, der unter anderem von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sowie dem vierfachen Formel-1-Weltmeister und Team-Germany-Miteigentümer Sebastian Vettel beobachtet wurde.
Das „Wunder von Sassnitz“ bleibt für das deutsche Team aus
Tatsächlich erlebte das deutsche Team in der Sassnitzer Ostseebucht ein emotionales und sportliches Auf und Ab: Nach einem verschlafenen Auftakt mit einem letzten sowie einem vorletzten Platz in den ersten beiden Rennen der Gruppe B ließen zwei Siege das technische und vor allem auch taktische Können der sechsköpfigen Crew um den 37 Jahre alten Kosegarten-Heil und die erst 21 Jahre alte Barth aufblitzen.
„Leider hat es für uns wieder nur fast das ‚Wunder von Sassnitz‘ gegeben. Wenn wir vorne segeln, dann können wir fast immer auch vorne bleiben. Aber in den entscheidenden Momenten fehlen uns meist noch die letzten seglerischen und strategischen Fähigkeiten“, analysierte Kosegarten-Heil und ergänzte: „Wir hatten in dieser Saison noch kein Totalausfall-Rennen. Das ist eine gute Nachricht. Aber wir sind noch nicht im Soll.“ Im Gesamtklassement steht die deutsche Crew aktuell auf dem achten Rang, der sechste wurde im Winter von Geschäftsführer Tim Krieglstein als Saisonziel ausgegeben.

„Unser erstes SailGP-Rennen ist jetzt knapp drei Jahre her. Damals hatten wir gerade einmal sechs Wochen, um ein Team zusammenzustellen und uns auf die Serie und das Boot vorzubereiten. Wenn man das berücksichtigt und mit den anderen Teams vergleicht, die teilweise mit ähnlicher Crewbesetzung seit dem Beginn vor sechs Jahren dabei sind, ist das, was wir erreicht haben, gewaltig“, sagte Krieglstein nun in Sassnitz.
Klar sei aber auch, dass mit jeder Saison die Ambitionen stiegen. Den zeitlichen Trainingsrückstand auf die erfahrenen Teams könne man zwar nicht mehr aufholen. Dafür müsse man dann anderweitig kreativer und effizienter werden. So werden bei den SailGP-Events unfassbare Mengen an Daten erfasst, in deren Analyse sich alle Teams zum Teil mehrere Tage lang vertiefen. Um mehr und bessere Erkenntnisse aus diesen Daten zu sammeln, gibt es laut Kosegarten-Heil deswegen im deutschen Team verschiedene Gruppen die sich jeweils mit der Analyse der Starts, den Taktiken und mit den unterschiedlichen Geschwindigkeitsphasen im Rennen beschäftigen. „Wir sind dahingehend schon effizienter geworden. Nur: Die Schlüsse, die wir daraus ziehen, müssen wir auch auf dem Wasser umsetzen“, sagte Kosegarten-Heil.

Und deutlich mehr Zeit auf dem Wasser soll es für die deutsche Crew vor allem ab dem Herbst geben. Da die Teams die von der SailGP-Liga gebauten und gewarteten F50-Katamarane lediglich gemietet haben, beschränkten sich in der Vergangenheit die wenigen Trainings auf dem Boot zumeist auf einzelne Tage vor den Rennen. Zu wenig, um intensiv mögliche Rennszenarien oder Taktikänderungen durchzugehen. Eine angepasste Regel soll die mögliche Zeit der Crews auf ihren Booten auch abseits der einzelnen Events nun deutlich erhöhen. Team Germany wird so zwischen zehn und zwanzig Trainingstagen in Florida erhalten.
„Das wird ein Gamechanger und ein großer Schritt für uns. Dadurch können wir unsere Entwicklung hoffentlich deutlich schneller vorantreiben“, ist sich Erik Kosegarten-Heil sicher. Spätestens 2027 sollen dann in Sassnitz nicht nur Geschwindigkeitsrekorde fallen, sondern das deutsche Team auch schnell genug für einen Heimtriumph sein.
