Am Anfang war ein Tisch. Genauer: Es waren vier Tische. Hergestellt aus Planken, die aus Abbruchhäusern und alten Güterwaggons stammten. Mit Rissen und Astlöchern. Das Holz galt als unbrauchbar, es wurde zerlegt und zerhackt und oft danach auch verbrannt. Was aus heutiger Sicht und in Zeiten von Nachhaltigkeit und CO2-Fußabdruck undenkbar erscheint. Denn Massivholz ist fast schon für die Ewigkeit, und es lässt sich wieder und wieder verwenden.
Damals aber war genau das noch verpönt. Philipp Mainzer wurde für seine Entwürfe, etwa den Tisch Bigfoot mit seinen klobigen Beinen, anfangs ausgelacht. Doch das änderte sich schnell: Den Tisch hat Mainzer bis heute im Programm seiner Möbelmarke e15. Vorgestellt hat er ihn 1996 auf der Kölner Möbelmesse, seither zählt Bigfoot zu seinen Erfolgsprodukten. Wie sein Hocker oder Beistelltisch Backenzahn, der genau so aussieht, wie er heißt.

Auch er besteht, wie die Tischbeine des Bigfoot, aus Kernholz, dem innersten Teil eines Baumstamms. Das Holz wird eine Zeit lang gelagert und getrocknet, sodass die charakteristischen Risse entstehen. Sie können bis zu 1,5 Zentimeter breit sein.
Dieses Konzept stellt Mainzer, der Produktdesign am Central Saint Martins College of Art and Design sowie Architektur an der Architectural Association in London studiert hat, nun auf den Kopf. Zum 30. Jubiläum seines Backenzahns hat der Sechsundfünfzigjährige den Designklassiker neu interpretiert und ihn anlässlich der Kopenhagener Messe 3 Days of Design in gefaltetem Edelstahl vorgestellt.
Die Oberfläche des Backenzahn Steel ist makellos und erhältlich in poliertem, messingbeschichtetem und gebürstetem Edelstahl sowie in den pulverbeschichteten Ausführungen Jet Black, also Schwarz, und Vermilion, einem knalligen Rot. Der ebenfalls knapp 50 Zentimeter hohe Metallhocker hat dieselbe charakteristische Silhouette wie sein älterer Bruder aus Massivholz, er wirkt auch weiterhin wie eine kleine Skulptur im Raum.
Was sie unterscheidet? Der Backenzahn aus Stahl sieht wie ein Industrieprodukt aus, einer wie der andere. Der aus Holz hingegen ist stets ein Unikat, mit seinen Astlöchern und der rissigen Oberfläche gleicht kein Hocker dem anderen. Mit 17 Kilogramm ist er auch fast doppelt so schwer wie die Neu-Interpretation aus diesem Sommer. Apropos: Für draußen ist auch nur einer von beiden geeignet. Der andere setzt im Regen nur noch mehr Patina an.
